“So, als würden The Beatles landen”

Spätestens 2002 hat Seether die Chart-Riege erklommen. Auch heute zeigt sich die internationale Begeisterung für den Sound der Postgrunge-Band: Die sechste Platte „Isolate and Medicate“ wurde in der ersten Woche nach der Veröffentlichung 37 000 Mal verkauft. Die größten Helden sind sie jedoch in ihrer Heimat Südafrika.

 

Die Band ist ja ursprünglich aus Südafrika. Du bist der einzige Amerikaner. Was haben dir die anderen Jungs über Südafrika erzählt, das Menschen in Europa nicht wissen?

Seether lustig

Seether- Drummer John Humphrey findet !ticket zum Anbeißen!

John Humphrey (drummer): Ein Bonus in dieser Band zu sein, ist, dass wir oft zurückgehen nach Südafrika. Das ist dann wie ein riesen Heimkehr-Fest für die Jungs. Außerdem sind wir einer der größten, wenn nicht sogar die größte Rockband, die aus diesem Land stammt. Wenn wir zurückkommen, dann ist es so, als würden die Beatles lande. Wir besuchen die Familien und Freunde der Jungs. Es ist ein wunderschönes Land. Aber auch gefährlich. Besonders, wenn du am Abend in einem Hotel bist. Wir bleiben dann in der Gruppe und gehen nicht zu weit weg. Schaun (Vocals Anm.) und Dale (Bass Anm.). versuchen ihre Eltern auch dazu zu bringen, in die Staaten zu ziehen. Denn in Südafrika gibt es eine hohe Rate an Diebstählen, Morde, Korruption.

Ich finde, manchmal klingt Shaun’s Stimme nach Kurt Cobain. Was sagt ihr zu diesem Vergleich?

Beim ersten Album “Disclaimer” war Kurt Cobain auf jeden Fall Shaun’s Haupteinfluss. Das ist der Mensch, der sein Leben verändert hat. Nach sechs Alben klingen wir nicht mehr wie Nirvana. Unsere Musik ist komplexer, Shaun hat seinen eigenen Stil. Aber ich habe kein Problem mit diesem Vergleich. Es ist toll, wenn das Menschen tun. Unser Einfluss ist amerikanische Rock-Musik und Schaun‘s besonderer Kurt Cobain.

Ihr bringt nun euer siebtes Album auf den Markt. Gibt es in einer Band überhaupt ein Lieblingsalbum?

Natürlich ist es immer das Neueste. Ich bin sehr stolz auf „Isolate and Medicate“. Wir haben wieder mit Brendan O’Brien zusammengearbeitet, der bereits für Bruce Springsteen, Pearl Jam, Soundgarden produziert hat. Aber lustigerweise mag ich besonders das erste Album „Disclaimer“, das einzige auf dem ich nicht oben bin.

Weil du nicht so kritisch bist?

Genau. Ich kritisiere es nicht. Und denke nicht: „Das hätte ich besser machen können“. Ich höre es an, wie es ein Zuhörer machen würde, obwohl ich es für das erste Vorspielen in und auswendig lernen musste. So empfinde ich eine Art Vollkommenheit für das erste Album. Die anderen würden sagen: „Wirklich? Das sind die Songs, die wir schon im Teenager-Alter geschrieben haben.“

Wünscht du dir manchmal du wärst von Anfang an dabei gewesen?

Ja, absolut!

Was unterscheidet dich von den anderen Bandmitgliedern?

Ich bin jetzt 11 Jahre dabei und ich bin noch immer „The New Guy“ (lacht). Es wäre toll, wenn es nicht vier Drummer vor mir gab und ich der einzige gewesen wäre.

Warum so viele verschiedene Drummer?

Der erste Drummer wollte nicht mit nach Amerika umziehen und sein Land verlassen. Dann suchten sie nach einem Neuen und hatten dabei einige Schwierigkeiten. Wenn man in einer Band sein möchte, sollte man kein Ego haben und sich nicht gegenseitig auf die Nerven gehen. Gemeinsame Freunde haben vorgeschlagen, dass ich aushelfen könnte, weil ich auch schon Erfahrungen mit dem Tour-Leben hatte.

Apropos Ego. Fühlst du dich als Drummer nicht manchmal zu sehr im Hintergrund?

Ganz ehrlich. Ich bin froh über meine Position. Ich weiß, dass Shaun die Person ist, die am meisten wiedererkannt wird. Speziell wenn wir in Amerika am Flughafen sind.  Ich kann einfach durchgehen. Mein Job ist es, den Beat aufrecht zu halten. Ich muss die Menschen zum Mitklatschen bringen und wenn es nicht gut ist, tun sie es nicht. Somit habe ich eine gewisse Macht vom Hintertreffen aus. Aber ich habe kein Bedürfnis danach, im Rampenlicht zu stehen.

Weißt du, dass es für Fotografen die größte Herausforderung bei einem Konzert ist, den Drummer zu erwischen?

Ach ja, es gibt ganz schreckliche Fotos von mir. Meine Kinder machen sich immer über mich lustig. „Drum Faces“ (zieht eine Grimasse) sind die schlimmsten Gesichtsausdrücke überhaupt. (lacht)

Schade, dass man diese Grimasse nicht aufnehmen kann. „Isolate And Medicate“ heißt euer Album. Welche Zeit hat es beeinflusst?

Wir befinden uns mit der Band gerade in einer guten Zeit. Wir sind nun über ein Jahrzehnt zusammen. Letztes Jahr hatten wir erst ein „Greatest Hits“- Album. Das war so etwas wie das Ende eines Kapitels. Danach haben wir uns  wieder zusammengesetzt und Songs geschrieben. Das war eines der schnellsten Alben, die wir je aufgenommen haben. Unser Produzent ist hier unsere Absicherung. Er ist immer ehrlich und dieses Mal mochte er alles.

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Eure Ursprünge liegen in den 90ern. Wie setzt sich das in eurer Musik fort?

Da ist noch immer eine Art 90er Vibe vorhanden. Wir sind eine pure Rockband. Und die 90er sind für mich das Ende dieser Ära, von Garage-Bands, die einfach auf die Bühne gingen und mit Emotionen gespielt haben. Es ist eine großartige musikalische Zeit. Aber gleichzeitig ist unsere Musik um einiges moderner geworden: zum Beispiel unsere Single „Words as a Weapon“. Die Produktion darauf hätte man in den 90ern nicht gehört.

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