So war das And There Come The Wolves 2016

and there come the wolves

Donots, Sum 41, Enter Shikari, Mad Caddies und NOFX: Sie und viele mehr ließen das Debüt des Punkrock-Festivals And There Come The Wolves in Wiesen gelingen – trotz Platzierung am Wochenanfang.

And There Come The Wolves

Die Veränderungen auf dem altehrwürdigen Konzertgelände im burgenländischen Wiesen bedeuteten dieses Jahr eine Zäsur in der heimischen Musiklandschaft. Veranstalterwechsel und viel mediales Tamtam begleiteten den letzten Herbst, doch für die Besucher hat sich im Endeffekt nicht allzu viel verändert. Das Angebot überstieg diesen Sommer aber die Nachfrage, denn die von Arcadia live konzipierten Festivals trugen nicht alle Früchte. Das Jazzfest musste ausgerechnet zum 40-jährigen Jubiläum abgesagt werden, das gleiche Schicksal ereilte die Reggae-Sause One Drop, die planmäßig am 27. August hätte über die Bühne gehen sollen. Beide Male – überraschend ehrlich kommuniziert – wegen mangelnden Kartenverkaufs.

Zu absoluten Gewinnern mutierten dafür das Nu Forms Festival und das Hip-Hop Open Air, die mit positiven Besucherzahlen beide eindrucksvoll bewiesen, dass man sich von Veranstalterseite vielleicht auf die Kernkompetenzen konzentrieren sollte, die von der Konkurrenz noch nicht im Übermaß beackert werden. Als Erfolgsgeschichte kann man im Nachhinein auch die Erstauflage des Punkrock-Festivals And There Come The Wolves bezeichnen, das sich auch nicht von ungünstigen Festivaltagen (selbst diverse Bands wunderten sich darüber, dass die Party montags und dienstags stattfand) schocken ließ, und ein tatsächlich feines Line-Up für Genreliebhaber auf die Füße stellte. Pro Tag tummelten sich laut Veranstalter etwa 3.500 Fans auf dem Gelände, ein Zuschauerschwund am Dienstag war aber nicht zu leugnen.

Die pannonische Idylle punktete mit einem mehr als feinen Rahmenprogramm, das den Wohlfühlfaktor für Besucher und Camper in den Vordergrund stellt. Neben den luxuriösen Comfort-Camping-Hütten, die durchaus Landurlaubsflair verbreiten, trumpfte das Gelände mit vorzüglichen Foodtrucks, aus Euro-Paletten zusammengeschraubten Chill-Out-Zonen und diversen Workshops auf. So konnte man im „Wiesen Village“ in die Kunst des Siebdruckens eintauchen und beim eigens aufgestellten „Vocal Screaming Workshop“ den Metaller in sich entdecken (oder zum Vorschein bringen). Zudem war beim And There Come The Wolves auch eine stringente, musikalische Linie zu erkennen.

And There Come The Wolves

And There Come The Wolves Tag 1:

Mit den Songs der Münchner Alternative Rocker Blackout Problems und des omnipräsenten Österreichers Marcus Smaller waren die noch überschaubaren Fans am frühen Nachmittag bereits gut eingegroovt, bevor ausgerechnet am Rande des Campingplatzes das erste Highlight des Tages vonstattenging. Die Stuttgart Punkrock-Combo Schmutzki lud zu einem speziellen Konzert mit Mini-Verstärker, improvisiertem Drumset und Gitarre. As Punk as it can get sozusagen, denn das sympathische Trio spielte nicht etwa zwei oder drei Songs als Aufwärmübung für den Hauptgig auf der Second Stage, sondern ein volles Set, mit dem ausgelassen getanzt, gepogt und Bier verschüttet wurde. Das „Zeltplatz“-Set wurde stilecht mit verschenkten Schmutzki-Kondomen und -T-Shirts verstärkt, dazu dröhnten bodenständig-undergroundige Punk-Songs aus der kleinen Röhre. Wer von den dreien auch immer Marketing studiert hat – die Entscheidung war keinesfalls falsch. Zwei Konzerte zur Gage von einem – wo gibt es das heute sonst noch?

and there come the wolvesWährend ein Bündel hochmotivierter Schwaben das Areal umpflügte, mühten sich die kalifornischen Electro-Rocker Ghost Town auf der Main Stage ab und hatten es sichtlich schwer, mit ihrem wenig innovativen US-Rock für Begeisterung zu sorgen. Als Support von Simple Plan waren sie bereits im März im Wiener Gasometer zu Gast, in Wiesen war es einer Handvoll Bandliebhaber vorbehalten, für ein Lüftchen an Stimmung zu sorgen. Direkt nach dem Abklingen der letzten Ghost Town-Töne wurde die in der Halle befindliche Second Stage von den Kölner Vokal-Feinden KMPFSPRT eröffnet. Für die sympathische Truppe aus dem Rheinland war der Wiesen-Gig überhaupt die große Österreich-Premiere, und mit einer schweißtreibenden, zu keiner Sekunde langweiligen Punkrock-Show hatten sie die Herzen im Burgenland im Sturm erobert. Der mit Post-Punk-Zitaten versetzte, durchaus linkspolitische Krach lebt vor allem durch die ausdrucksstarke Performance von Sänger Richard – mehr davon gibt’s am 6. Oktober im Wiener Chelsea.

Wesentlich härtere Klänge schallten kurz darauf von der Main Stage, als sich Sleeping With Sirens mit einer kräftigen Portion Post-Hardcore samt Metalcore-Einsprengsel vorstellten. In den USA ist die fünfköpfige Combo eine große Nummer, das vorletzte Album „Feel“ schaffte es dort gar auf Platz 3 der Albumcharts. Hierzulande gilt es an Bekanntheit zu gewinnen, doch die einnehmende Performance und die ausdrucksstarken Songs unterstützten dieses Vorhaben bravourös. Ob Sänger Kellin Quinn Männlein oder Weiblein ist, wurde von so manchem durch ein paar Schritte näher zur Bühne nachgeprüft, der Rest der Band wirkte mit den umgedreht Schirmkappen und einem hohen Bewegungsradius wie aus einem Klonlabor erschaffen. Darauf gab’s die Überleitung zum ersten der wirklich vielen Highlights am ersten And There Come The Wolves-Tag. Die US-Postcore-Institution Thrice ist ein seltener, aber gern gesehener Gast in hiesigen Breitengraden und hat mit dem neue Album „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“ eines der stärksten Alben des Jahres erschaffen. Die melancholischen, von tiefem Seelenschmerz gestützten Songs gingen Hand in Hand mit einem perfekten Sound, einer großartigen Lichtshow und der elegischen Performance von Frontmann Dustin Kensrue. Wer Songs wie „The Long Defeat“ oder „Hold Fast Hope“ im Repertoire hat, hat definitiv vieles richtig gemacht. Das Publikum goutierte es mit Jubel und Respektsbekundungen.

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Das große Highlight des gesamten Festivals waren kurz darauf die kanadischen Pop-Punk-Legenden Sum 41, die fast exakt ihr 20-Jahre-Jubiläum feierten und einen in dieser Form nicht zu erwartenden Headliner-Slot aufs Parkett legten. Vor allem Frontmann Deryck Whibley ist gemeinhin bekannt dafür, vor Auftritten gerne mal zu tief ins Glas zu schauen, lieferte aber eine souveräne und kritiklose Vorstellung ab. Der erst 36-jährige Blondschopf, der im richtigen Licht noch immer wie ein spätpubertärer Früh-Zwanziger aussieht, hatte die tobende Menge von Anfang an im Griff und lieferte mit „The Hell Song“ und „Over My Head (Better Off Dead)“ einen fulminanten Einstieg nach Maß. Rauchfontänen schossen in die Höhe, schon bald bildeten sich die ersten Circle-Pits vor dem Bühnengraben und immer wieder nahm sich Whibley, auch bekannt als Ex-Mann von Avril Lavigne, die Zeit, um für Späße zu sorgen und das Set mit Metal-Intros oder Improvisationseinlagen aufzulockern. Bei Songs wie „Still Waiting“ oder „In Too Deep“ wurden zahlreiche Mittdreißiger nicht nur in ihre eigene Jugend zurückgebeamt, sondern es wurde einem deutlich gewahr, welch fulminante Alben „All Killer No Filler“ und „Does This Look Infected?“ Anfang des Jahrtausends waren. Dass man auf das (schwache) neuere Material fast gänzlich verzichtete, störte nicht. Wer nach 90 schweißtreibenden Minuten noch einen Song wie „Fat Lip“ aus dem Hut zaubern kann, der sollte eigentlich auf noch größeren Bühnen stehen. Die vielen Ohrwürmer schunkelten so manchen in die wohlige Nachtruhe.

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And There Come The Wolves Tag 2:

Das Aufstehen am zweiten Tag wurde von strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen begleitet. Einen Tag früher als von den meisten meteorologischen Stationen prognostiziert feierte der Sommer also sein Comeback und begleitete die verkaterten „Wiesenianer“ auf ihrem frühnachmittäglichen Weg gen Bühne. Wem bis dorthin die Luft ausgeht, der konnte sich ja gottlob an den vielen Akkuaufladestationen alias Foodtrucks laben. Frisch gestärkt ging das Abtanzen zu den beiden Openern Alex Mofa Gang und All Faces Down viel leichter, bevor mit den US-Amerikanern von Our Last Night erstmals richtig Stimmung aufkam. In ihrer Heimat sind die Metalcore-Recken bereits eine konstante Größe, im Burgenland brachte Sänger Matt Wentworth und Co. vor allem junge Mädchen zum Kreischen. Am Ende wurde gar noch der Ö3-Radiohit „Radioactive“ von Imagine Dragons verwurstet. Der 08/15-Metalcore mit Clean-Gesangseinlagen und redundanten Riffs aus dem Einmaleins der Genre-Fibel langweilten künstlerisch aber auf allen Ecken und Ebenen. Das war den kreischenden ersten Reihen aber genauso egal, wie allen anderen – denn die wendeten sich einfach ab und gossen auf dem Wiesenhang ein stärkendes Sonnenbad.

and there come the wolvesWährend der kurzem Umbaupause eröffneten die Wiener Rocker This Amity den musikalischen Reigen auf der durchaus gut gefüllten Second Stage mit ungewohnt sanften Klängen, die als totale Gegenposition zum wilden Hardcore-Gepöbel auf der Hauptbühne angesehen werden durften. Stick To Your Guns haben nämlich einen Narren an US-Wrestling-Legende John Cena gefressen, dem man nicht nur mittels Intro und Interlude während der Show huldigte, sondern auch mit ein paar verbalen Respektsbekundungen seitens Sänger Jesse Barnett bedachte. Da verwunderte es auch wenig, dass die Burschen sich den „Summerslam“ davor im Backstage-Bereich reinpfiffen. Musikalisch wurde eben endlich an der Härteschraube gedreht, denn die viehischen Breaks und das derbe Gitarrengeshredder sorgten für die ersten Mosh- und Circle-Pits und brachten das immer noch spärlich vorhandene Publikum aber erstmals auf Touren.

and there come the wolvesDas gelang ihnen sogar so gut, dass die stilistisch ähnlich gelagerten Comeback Kid es kurz darauf schwer hatten, noch einmal für dieselbe Stimmung zu sorgen. Die Band von Andrew Neufeld ist wesentlich stärker im Punk verlagert, was man vor allem an den schrammeligen Gitarrenattacken und der „Fuck Off“-Attitüde der einzelnen Mitglieder bemerkt. Die große Stimmung kam trotz energischer und schweißtreibender Bühnenaction aber nicht auf, obschon Moshbrecher wie „Talk Is Cheap“ oder „All In A Year“ schwere Schnappatmung verursachten. In einer Halle funktioniert das wilde Treiben trotzdem besser. Wer es sanfter, wollte, wechselte ohnehin zur Second Stage, wo die Wiener Alternative-Rocker Lian einen klaren Kontrast stellten. Sanfte, oft zu offensichtlich an den derzeit grassierenden Deutschrock angelehnte Songs zogen leider nicht allzu viele Menschen in den Bann, obschon die Performance mit viel Sympathie und Profession vonstattenging. Als Toursupport von Schmutzki und später mit Milliarden (im November im B72) lässt sich die Band im Herbst aber gerne noch genauer in Augenschein nehmen.

and there come the wolvesEtwas später spielten sich die NYC-Punk-Heroen Leftöver Crack warm, die in Österreich nur sehr selten zu sehen sind. Das skandalumwitterte Gespann, das immer gerne mit Drogen experimentierte, viele Auftrittsverbote in Boston oder Kanada hat und auch textlich gerne mal über die Stränge schlägt, gab sich in Wiesen aber handzahm und etwas müde. Sänger Stza (das Pseudonym ist eine Ehrerbeitung an den Wu-Tang Clan) wirkte phasenweise lustlos und unmotiviert, was den peppigen Songs mit Ska-Einfluss leider viel von ihrer Ausdruckskraft nahm. Die Österreich-Connection zu ex-Antimaniax-Drummer Wolfgang Candee, der den New Yorkern nach einem Todesfall einst auf Europatoureen und im Studio aushalf, wurde auch betont. Schade nur um die etwas hüftsteife Show – in Top-Form wäre da ein absolutes Festivalhighlight drinnen gewesen. Mit ihrem neuen Album „Vom Wissen und Wollen“ haben sich die deutschen Emo-Rocker Heisskalt den Headliner-Slot auf der Second Stage gesichert. Nach dem Punk-Feuerwerk aus New York waren Songs wie „Euphoria“ oder „Gipfelkreuz“ nur leider nicht die richtige Wahl, um noch einmal Stimmung zu erschaffen. Zudem bedankte sich Sänger Mathias Blöch während der Show bei Gott, der Welt und den Ottakringer Waschfrauen, wohl auch um etwas Zeit herauszuschinden. Alles in allem eine eher dürftige Vorstellung.

Keinen leichten Stand hatten auch die Ska-Legenden Mad Caddies. Auf dem Papier klar die Band, die für die größte Stimmung sorgen sollte, scheiterte es leider an der Begeisterungsfähigkeit des Publikums. Ein derart statisches Konzert haben die Kalifornier bislang wohl selbst selten gespielt, doch Frontmann Chuck Robertson und Co. ließen sich davon nicht verunsichern und legten ein souveränes Set aufs Parkett. „State Of Mind“, „Backyard“ oder „All American Badass“ durften als Vorzeigehits natürlich nicht fehlen und mit Fortdauer der Show tauten die reservierten Anwesenden zumindest ein bisschen auf. Möglicherweise lag es auch an den kompromisslosen Hardcore-Bands im Vorfeld, dass das chillige Treiben nicht in würdigem Rahmen goutiert wurde. Darüber machte sich Brian Fallon samt seinen Crowes schon im Vorfeld sorgen. Der Gaslight Anthem-Frontmann, der derzeit rund um die Welt tourt und tunlichst auf Songs seines Hauptprojekts verzichtet, laberte in Dauerschleife über die gefühlte Unsicherheit, ob sein Slot beim And There Come The Wolves überhaupt funktionieren würde. Die Sorgen waren unbegründet, die entspannte Singer/Songwriter-Vorstellung war offenbar genau richtig, um gegen Ende noch einmal runterzukommen oder Kraft für den Headliner aufzubauen. Zu seinem großen Idol Bruce Springsteen fehlt es dem Jeanshemden-Träger zwar noch ein bisschen an Authentizität und Songstärke, aber was nicht ist, kann ja noch kommen.

and there come the wolvesFür die Punk-Veteranen NOFX war dann doch noch genug Energie da, um den Holzboden vor der Bühne ordentlich zu durchwirbeln. Wenn Fat Mike und seine treuen Spießgesellen zum Pogo bitten, sagt man natürlich nicht nein, denn mit Ausnahme von Bad Religion gibt es kaum mehr eine Punk-Institution, die gegenwärtig so viel Kultfaktor verströmt wie die Kalifornier. Zudem waren NOFX der lang geheim gehaltene „Secret Act“ – viele spekulierten wohl nicht nur wegen deren Albums „…And Out Come The Wolves“ (1995) mit den Punkrock-Ikonen Rancid. Fat Mike war natürlich ein würdiger Ersatz, in einem schicken schwarzen Negligee und programmatischem Genre-Iro zockten sich die Kultmusiker durch ein buntes Best-Of-Potpourri, das von „Murder The Government“ über „Idiots Are Taking Over“ bis hin zum Live-Smasher „Don’t Call Me White“ keine Wünsche offen ließ. Wer dann noch immer nicht genug hatte, durfte bei den irrwitzigen Karaoke Bash auf der Second Stage seine eigenen Gesangsfähigkeiten forcieren.

Das And There Come The Wolves-Debüt kann man schlussendlich getrost als erfolgreich und positiv verbuchen. Dass auf die familiäre und gemütliche Atmosphäre höchster Wert gelegt wird, spürte man auch in den kleinsten Winkeln des Geländes, das Line-Up war mehr als konkurrenzfähig und das kulinarische Angebot über alle Zweifel erhaben. Dennoch sei noch auf Besucher-Feedback hingewiesen. Ein derartiges Festival unter der Woche zu veranstalten, ist mehr als wagemutig. So mancher stieß sich auch daran, dass am Anreisetag (Sonntag) offenbar weder Schilder noch Weganweise zu sehen waren und dass gegen einen Pfandbetrag keine Müllsäcke verteilt wurden, obwohl es auf dem gesamten Gelände ausreichend Mülltonnen und -behälter gab. Wir warten gespannt auf die 2017er-Ausgabe!

 

And There Come The Wolves

Die 3 besten Bands des And There Come The Wolves:

  1. Sum 41
  2. Fjørt
  3. Stick To Your Guns

Die 3 schlechtesten Bands des And There Come The Wolves:

  1. Millencolin
  2. Our Last Night
  3. Heisskalt

Bewertung des And There Come The Wolves:

Essen: 1
Sound: 2-3
Ambiente: 1
Publikum: 3
Wetter: 2
Organisation: 2
Service (Einlass, Beschilderung, Beleuchtung, Informationen): 2
Preisgestaltung am Gelände: 2
Location: 1
Bandauswahl: 2

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