… und Action!

SOKO Donau, eine der erfolgreichsten österreichischen Krimiserien, ließ !ticket einen Blick hinter die Kulissen werfen. Es galt zu erkunden, wie es am Filmset zugeht und was die Hauptdarsteller sonst noch für Talente aufweisen.

Auf so einem Filmset ist ganz schön was los! An die vierzig Leute wuseln herum – was für einen Laien unorganisiert aussieht, hat System! Jeder weiß genau, was er zu tun hat und außerdem gibt es mit der Set-/Aufnahmeleitung quasi „Aufpasser“, die darauf achten, dass die Kommunikation zwischen Schauspielern, Regie und Crew passt, und auch sonst jeder am richtigen Platz steht und vor allem still ist, sobald es „Achtung, wir drehen!“ heißt. Sobald die Klappe fällt, schlüpfen die Darsteller in ihre Rollen als Chef- bzw. Revierinspektor, Kriminaltechniker oder auch Oberstleutnant. Die einzelnen Szenen werden geprobt und bei Zufriedenheit von Kamera und Regie gedreht. Hierbei arbeiten die Schauspieler eng mit diesen zusammen und geben ihren eigenen Input, um das Bestmögliche aus jeder Szene herauszuholen.

Spaß bei und an der Arbeit

Am Set: Helmut Bohatsch als Kriminaltechniker Franz Wohlfahrt hat das Mordwerkzeug fest im Griff.

Am Set: Helmut Bohatsch als Kriminaltechniker Franz Wohlfahrt hat das Mordwerkzeug fest im Griff.

Eines ist uns sofort aufgefallen, als wir am Set standen: Der Schmäh rennt! Zu verdanken ist dies vor allem einem immer zu Scherzen aufgelegten Gregor Seberg und einem aufgedreht spaßigen Dietrich Siegl. Das gesamte Team harmoniert, das erkennt man schon von Weitem. Deshalb verwundert es uns nicht, dass alle Schauspieler unisono anmerken, dass das eingespielte Team einer der Hauptgründe ihrer jahrelangen Mitarbeit an SOKO Donau ist.

 

Stefan Jürgens fasst zusammen: „Das allerwichtigste am Set sind all diese Bekloppten hier um mich herum, die ich seit über acht Jahren ins Herz geschlossen habe. Es ist wirklich einer bekloppter als der andere – wobei ich hier die Reihenfolge nicht festlegen möchte, wer hier an welcher hierarchischen Stelle steht, meine Wenigkeit inklusive! Wir schustern uns gegenseitig permanent so auf, dass man, selbst wenn man durchhängt, dann gerne am Morgen ans Set geht und weiß, da sind wieder ein paar Halbwüchsige in den Körpern erwachsener Männer und Damen. Dann freut man sich schon auf den Drehtag und weiß das zu schätzen.“
Auch Dietrich Siegl ergänzt: „Warum ich so lange bei SOKO Donau bin, liegt vor allem daran, dass ich mich hier auf eine Art angekommen fühle, weil ich etwas tue, das ich 30 Jahre tun wollte und jetzt bereits 10 Jahre mache, nämlich tatsächlich in einem unvergleichlich harmonischen Team zu arbeiten und einen Haufen Spaß und überhaupt eine Arbeit zu haben (lacht).“
Gregor Seberg hat hier einen etwas liebevolleren Ansatz: „Es ist die pure Liebe! Ich bin in jeden Einzelnen des Teams verliebt, bin aber noch bei keinem gelandet! Solange ich nicht von einer oder einem enttäuscht werde, bleibe ich!“ Helmut Bohatsch, der den zurückhaltenden Kriminaltechniker Franz Wohlfahrt verkörpert, ist sich ebenfalls sicher: „Das Team ist natürlich ein wichtiger Faktor, das ist eingespielt und wir kennen einander so gut. Von Staffel zu Staffel – wir sind aktuell in der zehnten – macht es wirklich immer mehr Spaß. Es wird eigentlich immer lustiger, weil wir uns immer besser kennen und auch die Drehbuchautoren auf unsere ganz persönlichen Schmähs eingehen.“

Blutig: Eine ordentliche Portion Kunstblut darf natürlich bei keiner Krimiserie fehlen.

Blutig: Eine ordentliche Portion Kunstblut darf natürlich bei keiner Krimiserie fehlen.

Die einzige weibliche Ermittlerin bei SOKO Donau ist Penny Lanz, die von Lilian Klebow gespielt wird. Auch sie setzt in den Team-Lobeschor ein: „Es ist definitiv das Team! Auch jeder, der neu dazugekommen ist, ist einfach toll. Die Arbeit ist großartig! Mir persönlich macht es auch Spaß, dass es vor allem für meine Figur immer wieder neue Geschichten gibt. Ich habe echt gestaunt, was immer noch Neues mit Penny passieren kann, ich kann mich noch überraschen lassen, ich kann noch staunen. Sollte ich das einmal nicht mehr können, würde ich auch nicht mehr in der Serie spielen. Ich bin auch froh darüber, dass die Serie mittlerweile ein anderes Image hat – dass man Fernsehserien per se nicht mehr schlecht findet, was auch an den vielen guten amerikanischen Serien liegt.“

Mehr als Schauspielerei

Was weiter auffällt: Jeder der Hauptdarsteller ist ein Hansdampf in allen Gassen! Stefan Jürgens baut seine musikalische Karriere gerade richtig auf, Gregor Seberg ist bekannterweise auch noch als Kabarettist tätig. Lilian Klebow beschäftigt neben ihrer musikalischen Leidenschaft vor allem ihre kleine Tochter seit Anfang des Jahres. Bei SOKO Donau darf sie ihre Kleine mit aufs Set nehmen, einer der wenigen Berufe, wo dies möglich ist. Flexibilität und Kontinuität ist gefragt, aber die sympathische Schauspielerin ist dieser Aufgabe gewachsen und meistert diese am Set mit Bravour!
Dietrich Siegl greift des Öfteren zur Gitarre. Als Musiker würde er selbst sich zwar nicht bezeichnen, aber Musik bestimmt sein Leben und er lebt auf eine gewisse Art auch seine schauspielerische Arbeit musikalisch aus.
Musik ist prinzipiell ein großes Thema bei den Protagonisten von SOKO Donau. Auch Helmut Bohatsch ist mit seinem Wienerlied-Projekt Bohatsch & Skrepek bereits seit 2004 auf den unterschiedlichsten Bühnen unterwegs. Aber nicht nur das, man sieht ihn auch häufig auf Theaterbühnen, wie heuer beispielsweise bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf in der Aufführung „Käthchen von Heilbronn“.
Die SOKO-Donau-Stars sind also nicht nur im Fernsehen bei den Ermittlungen wahre Tausendsassas, sondern auch im privaten Leben. Hinzu kommt, dass alle durchwegs bodenständig und sympathisch sind. Und weil man vom Pumuckl ja weiß, dass alles stimmt, wenn es sich reimt: Chapeau! Und weiter so!

Interviews:

Gregor Seberg ist als Kabarettist ja auch kein Tafelklassler mehr – soeben tourt er mit „Hast Angst, Mayer?“ durch Österreich.

(c) Markus Kloiber

(c) Markus Kloiber

Zu deinem Programmnamen: Wovor hast du persönlich Angst?
„Vor den Menschen, ganz im Ernst. Ich habe Angst vor uns als Erscheinung auf diesem Planeten. Was mich wirklich schreckt ist, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das ein gleichwertiges Wesen einfach so umbringt. Sonst ist es der Hungrige oder der Stärkere oder der Feind – also im Tierreich oder bei den Pflanzen. Ich bin eigentlich vollkommen ungläubig, jetzt glaub ich schön langsam, dass es doch einen lieben Gott gibt, weil irgendeiner muss für diesen Scheißdreck verantwortlich sein, dass da Menschen auf der Erde sind. Wir sind wirklich das Unnötigste! Aktuell habe ich Angst vor dem Krieg, der in der Ukraine begonnen hat und immer näher kommt. Alle von einem Glauben geführten Bewegungen sind schrecklich – es ist absurd. Der Mensch ist mit Sicherheit gleichermaßen das dümmste und das klügste Wesen, das es gibt.

Was macht für dich den Unterschied zwischen Kabarett und Schauspielerei aus?
Beim Film gibt es Technik, Kamera, Licht, und ich bin eines der Rädchen in diesem ganzen Werk. Wenn ich als Kabarettist auf der Bühne stehe, dann bin ich da ja alleine. Sowohl das Loch, in das ich falle, als auch das Netz, in das ich fallen könnte, bin ich selbst. Dafür kann ich auch selbst den Rhythmus angeben. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich: Das eine ist live, das andere kann man wiederholen.

Hältst du deinem Publikum manchmal einen Spiegel vor?
Oft! Im Sinne davon, dass das Publikum Teil des Abends ist und auch direkt angesprochen wird, aber das wissen die Leute eh schon und sind dann auch nicht mehr geschockt. Ich bin aber selbst auch Teil dessen, ich nehme mich da nicht aus. Ich bin kein Lehrer! Ich bin eigentlich genau der Prototyp dessen, den ich hier an den Pranger stelle.


Neben seiner Tätigkeit bei SOKO Donau ist Stefan Jürgens auch musikalisch unterwegs. Mit „Alles immer möglich” brachte er bereits sein fünftes Album heraus.

(c) Tine Acke

(c) Tine Acke

Wie schaffst du den Spagat zwischen der Schauspielerei und deiner musikalischen Karriere?
Im Moment ist der Druck schon ziemlich hoch! Ich bereite mich gerade auf die Konzertreihe vor, die im November startet. Das heißt, wenn ich dann nach 13, 14 Stunden Arbeit und möglichweise noch nach einem Drehschlussbier – was man ja auch gerne hat – leicht bedüdelt nach Hause komme, muss ich mich immer noch so ein, zwei Stunden zum Üben ans Klavier setzen. Momentan ist also eine ziemliche Disziplin angesagt! Zum Glück hilft einem das Adrenalin ein bisschen. Es sind ja sechs große Konzerte immerhin. Außerdem werde ich eine DVD davon herausbringen, um auch die letzten zehn Jahre ein bisschen mitzunehmen. Es ist ja nicht nur die Platte, sondern um die 25 Songs, die wir ins Repertoire aufnehmen und am Ende eine Setliste daraus machen, die schon relativ umfassend ist. Es ist auf jeden Fall eine ganz spannende Phase im Moment.

Würdest du jemals die eine für die andere Karriere aufgeben?
Hab’ ich nie gemacht, wird auch nicht passieren. Wenn ich daran zurückdenke, als ich noch Theater gespielt habe und nie viel Zeit hatte und in der Garderobe dann an irgendwelchen Songs gebastelt habe … da habe ich mir oft gedacht: „Stefan, wofür machst du diesen ganzen Scheiß hier eigentlich? Warum?“ Das Gute ist, dass man sich diese Frage am Ende vielleicht stellen kann, aber eine Antwort nie findet, weil man es trotzdem tut. Und das ist das eine wie das andere
bei mir. Es ist keine Entscheidung, ich kann einfach nichts anderes. Mir liegt beides sehr am Herzen, ich werde mir immer die Zeit für beides nehmen.


 

Aktuell ist Gregor Seberg mit „Hast Angst, Mayer?” in Wien, Graz, Klosterneuburg und Klagenfurt zu sehen, Stefan Jürgens ist im November in Gmunden, Wien und Graz musikalisch unterwegs.

Tickets bei oeticket.com

Fotos: Petra Albrecht / !ticket

 

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