soul.vienna artfestival

 „Wien, Wien nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein“ dichtete um die Jahrhundertwende Rudolf Sieczyński und lieferte auch über den ersten Weltkrieg hinaus eine patriotische Hymne, die den tiefen Geist, den kulturellen Reichtum der Hauptstadt gekonnt in Worte fasste.

Dieser Aufgabe wird auch das Kunst- und Kulturfestival soul.vienna artfestival gerecht, das sich dieses Jahr erstmalig interdisziplinär künstlerisch der Stadt Wien widmet. Hier trifft die Vergangenheit auf Zeitgenössisches, wenn zwischen 17. und 19. Oktober ein buntes Potpourri aus bildender Kunst, Musik, Literatur und Film den außergewöhnlichen Charakter Wiens zu verdeutlichen trachtet.

Donnerstag

Eröffnet wird das Festival von der Ausstellung Signapura – Music von Casanova Sorolla bei freiem Eintritt in der Wand im Wrenkh. Der Künstler widmet sich nach TänzerInnen nun MusikerInnen und fotografierte sie beim Spielen klassischer Wienermusik, um so den Ton auf Papier zu bannen, Charakteristika der einzelnen MusikerInnen dingfest zu machen. In seinen Arbeitsprozess eintauchen kann der geneigte Festivalbesucher im Rahmen der Live-Performance der Cellistin Sophie Abraham, die die mit moderner Wiener Küche abgerundeter Eröffnung beschließen wird.
Im Depot folgt die performative Lesung Jetzt spreche ich … von und mit Gloria Höckner und Rosi Rehformen, welche Gedichte von Hertha Kräftner und Auszüge aus Über Tiere der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek präsentieren wird. Hier soll die Rolle der Frau, der Frage nach „Geschlecht und Charakter“, wie es Weininger formuliert hat, aufgearbeitet werden.
Beschlossen wird der Eröffnungstag schließlich ebenfalls im Depot, wenn im Rahmen von vienna.recollection mit Maximilian Meergraf filmisch ins Wien der 1950er- bis 70er-Jahre eingetaucht wird. Intim gerät der Abend nicht allein durchs Eintauchen ins alte, bürgerliche Wien, sondern allein durchs Medium des Projektors und der Filmrollen.

Freitag

Wie auch der Eröffnungstag wird auch der Freitag von Casanova Sorolla eröffnet, mit seiner Ausstellung und Performance Signapura, Vorläufer zu einer „Music“-Auseinandersetzung. Hier erleben Sie das Wiener Staatsopernballett erstmalig nicht auf der Bühne, sondern am Papier tanzend, in Begleitung von Seungha You am Klavier.
Anrüchig gings „anno dazumals“ am Spittelberg zu, heute widmet man sich der Erotik der Jahrhundertwende im Tanzcafé Jenseits. In einer einstündigen Lesung, gestaltet von Sonja Romei und Lucy McEvil, tauchen Sie ein in männliche und weibliche Perspektiven auf die Wiener Sexualität um 1900. Die damalige Doppelmoral – die Frau irgendwo im Spannungsfeld zwischen Heiliger und Hure – ist all diesen Texten der Erotischen Lesung gemein und regt auch für das Hier und Jetzt zum Nachdenken an …
Ausklang findet Tag zwo im Cafe Leopold, wenn in Kooperation mit dem sound:frame zur grandiosen, rauschenden Partynacht leopold lädt ein gerufen wird, und für rauschende Nächte ist Wien ja schon seit jeher bekannt. Statt Walzer und Operette gibts heute jedoch Clubsounds von Konea Ra und zahlreichen anderen talentierten Künstlern, die in Visuals von Luma.Launisch und Lampenschirm tauchen. Das Ergebnis: ein kolossales Nachtbild, das vielleicht nur noch von der anschließenden Party mit Dereck Foreal und DJ Buss und Preddy gerockt, gefunkt und gehiphoppt wird.

Samstag

Schließlich muss auch gut Ding ein End‘ haben, das aber bitte mit Pauken und Trompeten, Tusch und viel Tamtam! Diesem Anspruch gerecht wird der Samstag, der gleich mit einem Zitat des großen Literaten Stefan Zweig eröffnet: „Jedes dieser historischen Häuser in Wien war wie ein Stück Seele, das man uns aus dem Leibe riß.“, schrieb Stefan Zweig in seiner Autobiographie Die Welt von Gestern und beschreibt damit eine typische Reaktion junger wie auch alter Menschen zu Veränderungen im Stadtbild.Von dieser Zerrüttelung ausgehend entstand wienbewusst, eine Ausstellung von David Freund, der sich den architektonischen Schätzen Wiens, ihrer Veränderung, Zerstörung und Bewahrung fotografisch näherte und nun in der Künstlerhaus Passagegalerie präsentiert.
In der Kultlocation Porgy & Bess erleben Sie Wienerlied mal anders, und zwar mit Angela Maria Reisinger und Willi Landl. Die beiden Künstler, beide überaus spannende Vertreter der heimischen Musiklandschaft, widmen sich der Wiener Seele, dem musikalischen Stern, der in uns allen glüht – und zwar fernab bekannter Größen des Wienerliedes und Austropops. Wien ist die Stadt der Lieder, und wenn Sie genau hinhören, hören Sie tatsächlich an jedem Eck einen Klang, der im Gesamtbild schließlich Wien ergibt …
Ausklang findet das Festival erneut in der Künstlerhaus Passagegalerie mit Barbetrieb und DJ-Set der Tonstube und klassem DJ-Line-up der Wiener Elektroszene. Dazu kredenzen die Vorarlberger Szenegastronomen Mathias Kappauerer und Lukas Bereuter Gin-Getränke vom Feinsten.

Wien, i steh auf di!

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