STEVEN WILSON – MISTER PORCUPINE TREE

Ein ruhiger, unauffälliger Typ, ein musikalisches Genie. Steven Wilson hat seine Finger in etlichen Musikprojekten – von Opeth bis Yoko Ono. Sein Auftritt am heurigen Nova Rock war den Besuchern des Festivals vielleicht zu kompliziert – er kürzte extra Songs von 25 auf „nur“ 8 Minuten – Musikconaisseure können aber nicht genug von seinen Werken bekommen.

Du bist in so viele verschiedene musikalische Projekte involviert – woran arbeitest du gerade?

Zurzeit bin ich mit der Tour zum letzten Album beschäftigt, die Festivalsaison hat auch gerade begonnen – ich toure durch die USA, Australien, Japan und Europa. Zusätzlich dazu schreibe ich immer wieder an Songs, produziere und mische sie. Ich konzentriere mich gerade auf das Mixing von vielen klassischen Bands aus den Siebzigern. Durch diese Remixes erhalten sie einen Sourroundsound. Der Markt hierfür wird immer größer – viele Menschen haben schon Sourroundanlagen zu Hause und wollen auch die alten Sachen auf diesen hören.

Gibt es irgendeinen Teil des Musikbusinesses in dem du niemals arbeiten wollen würdest?

Es gibt ein paar Künstler mit denen ich niemals zusammenarbeiten würde (lacht). Wenn man die Musikindustrie generell erwähnt, ist es dieses große Ding in das auch Sachen wie American Idol hineinfallen. Für mich ist die Musikindustrie etwas ganz anderes. Ich möchte niemals im Mainstream-Pop-Bereich arbeiten, für mich gehört das eigentlich gar nicht zur Musikindustrie. Das ist eher die Entertainment-Industrie. Hier wird Musik nur gemacht um den Markt zu stopfen – man gibt den Leuten einfach das, was sie wollen. Das ist einfach nicht mein Ding. Ich war immer schon mehr am Underground interessiert.

Du hast ja auch mit Opeth zusammengearbeitet – sie sind Schweden. Warum glaubst du ist Schweden – obwohl es so klein ist – das drittgrößte Musikland?

So genau weiß ich das auch nicht. Eine meiner Lieblingsbands ist ABBA – sie haben diesen außergewöhnlichen Sound, der einfach nur aus Schweden kommen kann. Es sieht auch so aus, als hätten sie in Schweden nicht so strenge Regeln. In Amerika oder England ist das anders – du musst nach den Regeln spielen. In Schweden ist das anders und sie haben eine einzigartige Perspektive die Musik betreffend.

Wenn du einen Song schreibst, weißt du dann schon im Vorfeld, dass es Steven Wilson, Porcupine Tree oder irgendein anderes Projekt?

Ich schreibe nicht an mehreren Dingen auf einmal. Wenn ich an einem Projekt arbeite, weiß ich schon im Vorfeld wofür es sein wird. Für Porcupine Tree habe ich fünf Jahre nichts mehr getan. Seither arbeite ich an meinen Soloprojekten.

 

Wie kann man sich deinen kreativen Prozess vorstellen?

Manchmal hast du einen Titel, manchmal hast du einen Drumbeat, der dir gefällt – es kann auch sein, dass du einen anderen Song hörst und dadurch inspiriert wirst. Ich finde Songs zu schreiben schon fast schmerzhaft. Es ist der einzige Teil, den ich wirklich nicht mag. Wenn ich das sage meine ich, dass es mir einfach sehr schwer fällt. Du musst aus nichts etwas kreieren. Es ist sehr schwierig – nicht nur in der Musik sondern in den verschiedensten Bereichen. Es ist als würdest du mit deinem Kopf gegen eine Wand laufen. Du arbeitest Tag für Tag daran und dann endlich keimt ein kleiner Lichtblick auf. Das Gefühl, wenn du dann fertig bist und etwas geschaffen hast ist natürlich unvergleichbar. Das ist dann die große Belohnung.

Interview: Petra Albrecht

Steven Wilson wird Wien am 2. November im Gasometer beehren.

Wissenswertes

Der in London geborene Musiker, begann sich schon im Alter von acht Jahren für Musik zu interessieren. Er wurde dazu verdonnert Gitarre zu spielen, aber er beschäftigte sich viel lieber mit anderen, außergewöhnlichen Klängen und begann schon ziemlich früh verschiedenste Mixe mit zwei Kassettenrekordern aufzunehmen. Die Liste seiner Projekte ist lang – zu dem bekanntesten zählt wohl die Prog-Rock-Band Porcupine Tree, die bereits seit 1987 existiert. Auch seine Zusammenarbeit mit Opeth Frontman Mikael Åkerfeldt, Storm Corrosion, kann sich sehen lassen. Steven Wilson sollte man als Musikfan auf jeden Fall immer auf dem Schirm haben!

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!