Stoned Like F*ck

Seit 2007 wabern durch Erdberg süßliche Rauchschwaden. Abgelegt wird die rosa Brille, grün, immergrün ist die neue Lieblingsfarbe. Hierfür sind jedoch keine verbotenen Substanzen verantwortlich, nein, sondern die seit eben 2007 existierende Veranstaltungsreihe Roadtrip To Outta Space  in der Arena Wien, die beweist: die beste Droge ist  immer noch die Musik selbst. Wir unterhielten uns mit den Herren Milo (PR) und Philipp (Booker) über Past, Present und Future.

 

Neben der Party-Reihe Iceberg  und dem DrumNBass-Event Mainframe  ist die Roadtrip To Outer Space-Reihe aktuell einziges „Fixprogramm“ in der Arena Wien. Was gab 2007 die ausschlaggebende Begründung, jene Serie ins Leben zu rufen?

Philipp Gottschall: Die Konzertreihe ist – wie auch viele Konzerte mit jungen oder kleineren Bands in der Arena Wien – aus purer Liebhaberei entstanden mit dem Ziel, die Genres, die durch die Roadtrip-Reihe bedient werden, einem breiteren Publikum schmackhaft zu machen. Es gibt und gab natürlich schon geneigte Konsumentinnen für Stoner Rock, Doom Metal usw., doch hat sich die Reihe nun schon als Marke etabliert. Das hilft den kleinen Bands, die wir veranstalten, die „Hemmschwelle“ für Besucherinnen, sich Bands anzuschauen, von denen sie vielleicht noch nie gehört haben, ist gesunken, da mittlerweile „automatisch“ davon ausgegangen wird, dass bei den Roadtrip-Konzerten immer hohe Qualität und Spezielles geboten wird. Neben größeren Shows mit bekannten Namen wie The Melvins, Brant Bjork & the Bros oder Kyuss Lives entdecken die Leute eben auch die Künstler bei den kleineren Shows.

Wie kam der Titel der Serie zustande?

Philipp: In Anlehung an den Inhalt! Schließich findet sich viel Musik aus den Bereichen Stoner, Experimental, Psychedelic in unserem Programm. Wenn man minutenlange Drone-Nummern hört und der Bass durch Mark und Bein kriecht, kann man schon von gedanklichen Ausflügen in andere Sphären sprechen. Wer in der komplett eingenebelten Halle beim Konzert von Sunn O))) war, weiß, wovon ich spreche!

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Bereits oft zu Gast waren unsere deutschen Nachbarn Colour Haze und Rotor, aber auch die Truckfighters und Dozer aus Schweden, sowie Church Of Misery aus dem fernen Japan. Außer  Konkurrenz laufen freilich die Melvins-Konzerte. Was waren eure bisherigen Highlights in der bewegten Geschichte?

Philipp: Too many to name, aber die eben angesprochene Sunn o)))-Show ist auf jeden Fall dabei! Daneben waren es für mich persönlich Entdeckungen wie Hypnos 69, die schwedische Sludge-Maschine Suma und Saint Vitus, als sie nach langer Zeit wieder auf Tour gingen. Außerdem Pentagram, Electric Wizard, Earth, Crippled Black Phoenix und und und!

Milo Bauer: Die Auftritte von so legendären, totgeglaubten Bands wie Saint Vitus, Pentagram und Eyehategod waren für alle Beteiligten ein Triumph. Persönliche Highlights waren außerdem Electric Wizard, Om, Jex Thoth & Sleep – allesamt Giganten des Stoner Dooms.

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Wodurch würdet ihr in wenigen Worten das breite Spektrum zwischen Doom, Stoner und Psychedelic definieren, welche Charakteristika sind allen Künstlern gemein, was hebt sie insbesondere aus der breiten Masse heraus?

Milo: Eine konventionslose Liebe zu ehrlicher Musik und der reinigenden Macht des Riffs verbindet wohl alle Roadtrip-Bands. Durch die schwierige bis unmögliche kommerzielle Vermarktbarkeit von Doom- und Drone-Acts ist der Hörer sehr nahe an der uneingeschränkten Vision des Künstlers. So werden neue Wege beschritten.

Bevorzugt werden die Konzerte im Dreiraum und der kleinen Halle abgehalten. Wie haben sich die Besucherströme seit den Anfängen entwickelt?

Milo: Im Bereich von 70s lastigem Psychedelic Rock gibt es durchaus Erfolgsgeschichten; Bands wie Colour Haze oder Graveyard konnten im Laufe der Jahre ihre Besucherzahlen verdrei- oder vierfachen. Wir selbst betrachten die “dichte” Atmosphäre der kleinen Halle und des Dreiraums als ideal für Roadtrips.

Wie vollzieht sich der Booking-Prozess? Erfüllt ihr euch auch eure „persönlichen Wünsche“ bzw. „Bedürfnisse“, oder sind im Rahmen der Roadtrip To Outer Space-Reihe – ohne dies abwerten zu wollen – reine Promoter-Angebote zu finden?

Philipp: Zu 80 Prozent erfüllen wir uns hier Wünsche oder laden Bands ein, die wir für uns neu entdecken. Daneben gibt es natürlich auch altgediente Namen, die alle paar Jahre auf Tour gehen und willkommene Wiederholungstäter sind. So oft es geht laden wir auch heimische Bands ein, um entweder als Support zu spielen oder ihre eigenen Shows bei uns zu machen, an der Stelle muss ich gleich mein Bedauern über das Ende der Band Been Obscene aus Salzburg zum Ausdruck bringen und – um nur zwei zu nennen – den Leserinnen Iron Heel und Pastor ans Herz legen!

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Milo: Es gibt eine Reihe von Acts, die schon lange auf unserer Liste waren und dann auch ihren Weg nach Erdberg geschaftt haben. Klarerweise fließt unser persönlicher Geschmack in die Programmgestaltung.

Kommendes Jahr in der dritten Saison stehen die Desertfest-Veranstaltungen in Berlin und London. Wäre dies auch für Wien denkbar, oder wodurch unterscheiden sich London, Berlin und Wien dahingehend?

Philipp: Überlegungen dazu gab es schon, ebenso einen Ableger des Roadburn-Festivals in Wien zu etablieren, allerdings bleibt das Roadburn bis auf weiteres eine einmalige, lokale Angelegenheit in Tilburg (Niederlanden), die Desertfest-Geschichte ist vielleicht für die Zukunft einmal ein Thema. Eher warten wir auf eine gute Gelegenheit, unser „eigenes Ding“ auf die Menschheit loszulassen – hier gibt es aber keinen konkreten Zeitplan, es geht da um Terminfindung und darum, einen Zeitpunkt abzupassen, zu dem ein paar namhafte Headliner an ein bis zwei Tagen zusammen Wien besuchen können. Das kann man nicht erzwingen, beziehungsweise gibt es kein Budget für so ein Event, Künstlerinnen aus der ganzen Welt einfliegen zu lassen. Im kleineren Rahmen hatten wir aber schon ein paar Mal „Double-Features“, bei denen an zwei Tagen in Folge Konzerte passiert sind, für die es dann natürlich auch Kombitickets gab. Ein Highlight war hier sicherlich 2011 Electric Wizard, Pentagram, Graveyard und noch weitere Bands – das war hart für die Besucherinnen und auch für uns!

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Mir scheint, dass die Marke Roadtrip To Outer Space generell wenig präsent gehalten wird – während vergleichbare Veranstaltungen im Ausland durchaus mit dem Titel arbeiten, stehen bei der Arena primär die Bands im Vordergrund. Eine marketingtechnische oder wirtschaftliche Entscheidung?

Milo: Die Künstler stehen für uns immer im Vordergrund. Wir bewerben kleine Shows mit den selben Mitteln wie große Shows und behandeln große Bands genauso wie kleinere Bands. Wir lassen das Programm für uns sprechen. Diese Strategie funktioniert bis jetzt sehr gut.

Welche persönlichen Genre-Top-5 würdet ihr aus dem Jahr 2013 ziehen – und welche Releases erwartet ihr mit Spannung für 2014?

Milo: Highlights dieses Jahr waren sicherlich Uncle Acid & The Deadbeats mit Mind Control, Jex Thoth mit Blood Moon Rise, von The Black Angels Indigo Meadow und von Jastreb Mother Europe. Nicht zu vergessen auch Lilacs & Champagne mit Danish & Blue! 2014 sollte endlich kommen: Iron Heel mit ihrer Book Of Grief LP und Pastor mit ihrer Debüt-7-inch. Außerdem stehen Electric Wizard, The Sharon Tate Experience und Dopethrone in den Startlöchern.

Was tut sich 2014?

Philipp: Wir werden weiterhin unser Prorgamm nach dem Prinzip „No Bullshit“ planen, ich kann versichern dass wir keine Lückenfüller promoten werden! Eventuell ergibt sich 2014 die Möglichkeit, einen 1-2-Tage-Event etwas größer aufzuziehen, daneben setzen wir uns selber einfach keine Schranken. Wir planen Film-Screenings, Parties – und wer weiß was noch kommt beziehungsweise mit welchen Partnern uns Specials einfallen!

 

Die folgenden Termine:

8. April Scorpion Child / Horisont / Jackson Firebird
10. April Old Man Gloom / Circle / Trepaneringsritualen
20. April Windhand / Inter Arma
22. April ASG / Anciients
23. April Radio Moscow / Castle / Prima Circus
12. Mai Blood Ceremony / Spiders
29. Mai Conan / Belzebong / The Moth
9. Juni Primitive Man / Wake

 

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