Strahlemann – Michael Bublé

Dem kanadischen Strahlemann Michael Bublé sahen wir im TICKET-Interview deutlich an, dass das Leben derzeit nur Schokoladenseiten für ihn bereithält. Sieben Millionen Mal verkaufte sich sein Weihnachtsalbum. Seine zehn Shows in der Londoner O2-Arena waren innerhalb von vier Minuten ausverkauft.

Wie fühlt sich das ständige Leben in der Öffentlichkeit an, vor allem, da du bald Vater wirst?

Michael Bublé: Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn sich Menschen für mich interessieren! Im Grunde sind viele einsam, sie gehen jeden Tag zur selben Uhrzeit in die gleiche Bar und hoffen, dass sich jemand mit ihnen unterhält und sich für sie interessiert. Mein Leben besteht unter anderem daraus, dass mir Menschen Fragen über mein Leben stellen und ich kann darüber sprechen, wie gut es mir geht.

Stört es dich nicht, dass jeder alles über dich weiß?

Michael: Zum einen stimmt nicht alles, was du im Internet über mich findest. Zum anderen bin ich nicht einer der Vollzeit-Promis, da gibt es einen großen Unterschied. Ich bin bekannt, weil ich Musik mache und weltweit live auftrete und nicht, weil es von mir einen Sex-Film im Netz gibt. Ich bin nicht oft auf Roten Teppichen zu sehen, ich war noch nie auf dem Cover des Rolling-Stone-Magazins, ich hab‘ noch nie bei den Grammy-Awards gesungen. Ich bin ein ruhiger Typ, ich spiele gerne Fußball, arbeite hart für meine Musik. Es hat 30 Jahre gedauert, bis ich dort ankam, wo ich heute bin.

In deinen Songs geht es um Liebe, Spaß, die Sonnenseiten des Lebens. Ist das dein Weltbild?

Michael: Ich mag die Welt so sehen, auch wenn es in meinem Leben mal aufwärts und mal abwärts geht. Heute bin ich erfolgreich wie noch nie, aber ich habe dafür mein halbes Leben der Karriere gewidmet. Ich begann, als ich 16 Jahre alt war, habe in Bars und Nachtclubs gespielt, unterschrieb meinen ersten Plattenvertrag mit 26. Das ist jetzt zehn Jahre her. Klar denke ich oft darüber nach, wie lange ich noch so erfolgreich sein kann. Und darüber, wann es Zeit ist, sich um meine Familie zu kümmern und Spaß mit meinen Kindern zu haben. Vor einigen Tagen hab‘ ich ein Duett mit Robbie Williams gesungen, danach saßen wir zusammen und haben über dieses Thema gesprochen.

Worüber hast du mit Robbie Williams gesprochen?

Ich erzählte ihm, dass ich manchmal das Gefühl habe, das wahre Leben zu vernachlässigen, weil ich sehr viel Zeit auf Tournee, in Flugzeugen oder wie jetzt mit Interviews verbringe. Ich mag das, ich habe wirklich Spaß dabei, ich liebe mein Leben und meine Arbeit, aber das darf niemals auf Kosten meines Privatlebens gehen. Es kommt der Moment, wo ich alles viel langsamer angehen muss. Ich stamme aus einer einfachen Familie von Fischern und Installateuren – Menschen, die hart arbeiten. Ich hoffe, dass mir das in meinem Leben ebenfalls gelingt. Aber wer weiß, vielleicht finden mich die Menschen eines Tages langweilig und ich muss doch noch einen Sex-Film veröffentlichen (lacht).

War es, rückblickend, ein Vorteil, dass du einen ganz normalen Background hast und dich langsam hocharbeiten musstest?

Michael: In meinen ersten Jahren war ich sehr, sehr ungeduldig, setzte meine Manager unter Druck. Mein Manager hat mir geraten, es langsamer anzugehen und eine solide Grundlage für die Karriere zu schaffen. Klar wäre ich gerne bei American Idol dabei gewesen oder ein Justin Bieber… nicht 15 Jahre lang hart arbeiten müssen, in schäbigen Clubs spielen, wo man mit Zigaretten nach mir geworfen hat. Ich wäre aber nie zu dem Menschen geworden, der ich heute bin, ich wäre nicht der gleiche Entertainer. Ich bin der festen Überzeugung, dass Ruhm die Entwicklung aufhält. An dem Tag, an dem du berühmt wirst, an dem hörst du auch auf, dich weiter zu entwickeln.

Interview: Alexander Haide

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!