Stubnblues – Ois offn beim Herrn Wilhelm R.

Beinahe wäre man versucht, “Neues von Kurt Ostbahn” zu schreiben, doch die aktuelle Partie des Willi Resetarits, Stubnblues, hat nur die Sprache mit dem legendären Rocker aus Simmering gemein. “Ois Offn” nennt sich die empfehlenswerte, brandneue Live-CD, die auch der beste Grund war, sich mit dem Urgestein der österreichischen Musikszene auf einen Kaffee zu treffen…

 

TICKET: Was ist das Faszinierende an Stubnblues?

Herr Wilhelm Resetarits: Das Musizieren mit Leuten, die das können, aber auf der Basis einer wie zufälligen Ebene. Das ist das Stubn im Namen, dass wir wo auch immer spielen. Am Berg war’s halt in unserem Fall. Das is’ aber nicht Bedingung. Bei unserer Freizeitbeschäftigung, beim Schitourengehen, beim Bergtourengehen haben wir musiziert, weil wir eben Musiker san. Dieser Drang, der hat dazu geführt, dass wir immer mehr gespielt haben, aber immer weniger Bergtouren gemacht haben. Leider. Vom Berg simma dann ins Tal, in den Konzertsaal gegangen. Die Musik soll aber so bleiben, eher privat, und das Spektrum sollte breit sein. Alles, was uns einfallt, was wir uns wünschen.

TICKET: Andere wollen immer größer und lauter werden…

Herr Wilhelm: Das sollte intim sein, vor allem akustisch. Ich hab’ Hörprobleme, wie viele Musikerkollegen, und das äußerst sich net im derrisch werden, sondern man is’ paradoxer Weise sehr nahe am Hörsturz gebaut, wenn irgendwas scheiße klingt. Daher mach’ ich gern Musik die den Ohren gut tut!

TICKET: Wieso ein Live-Album?

Herr Wilhelm: Ich bin der Grund! Ich meine, dass eine Band, auf jeden Fall i, vor Publikum den Song besser bringen kann. Die ganze Struktur, die Dynamik. Das hat man in sich, wenn man vier Jahrzehnte Berufsmusiker is’. Man spürt, dass es richtig dargeboten wird, wenn jemand zuhört. Wenn da 500 Leut’ die Ohren spitzen, g’spürt man das als Sänger. Wenn man das nur einem Mikrophon mitteilt, im Studio, dann geht des a, aber net so leicht. Die Stubnblues-Geschichte sollt’ intuitiv passieren.

TICKET: Was treibt dich nach deiner langen Karriere noch an? Du könntest dich ja längst zur Ruhe setzen…

Herr Wilhelm: Ich will auf der Bühne stehen und meine Lieblingsmusik machen. Wenn ich zu dem Album sagen darf: Diese Suche, wie man intuitiv scheene Musik macht. Wo man sagt, habt’s mich alle gern, i muaß nix, i brauch’ nix, i wü’ die Erlaubnis, dass ich diese Musik spielen darf! Was uns antreibt, die Karotte vor der Nase des alten Zirkuspferdes, ist die Suche nach dem schönsten Lied der Welt mit der großen Hoffnung, dass man’s nie findet, aber ein paar Hundert spielt, die es fast sind.

TICKET: Können die Ostbahn-Kurti-Fans damit auch etwas anfangen?

Herr Wilhelm: Du wirst es ahnen, dass nicht alle Ostbahn-Kurti-Fans da sind. Da hätt’ ma ein Problem mit der Saalgröße, die wir derzeit bespielen. Es gibt einen harten Kern an Willi-Fans, die durch dick und dünn gehen und die das interessiert, was sich der Oide überlegt an komischen Sachen.

TICKET: Mir fiel auf: Muss man dich nun Wilhelm nennen?

Herr Wilhelm: Herr Wilhelm! Na, das ist blödeln. Die Kollegen sagen oft Herr Wilhelm zu mir, das hat sich ein Bissl eingebürgert mit einem leicht ironischen Touch. Dass net sagen müssen: Der oide Trottl oder so… so quasi mit Anführungszeichen gesprochen.

Interview: Alexander Haide

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