Sundance Film-Festival

Gerade gingen die Golden Globes über die Bühne, unter anderem mit U2s Mandela-Song Ordinary Love stehen auch schon die Oscar-Nominierten fest – und der Gucci-Countdown zu den Grammys tickt: noch neun Tage. So lang warten muss man nicht, bis das gigantische Sundance Film Festival in Park City, Utah über die Bühne geht – denn jenes hat bereits gestern gestartet.

 

Es ist nichts Neues, dass neben der Creme-de-la-Creme der Filmszene auch Musiker fliegerweise in Utah einfallen, um zu performen und zu promoten, was nur geht – doch dieses Jahr, da hat das Sundance schon per se eine ordentliche musikalische Schlagseite, mit einem Programm, das neben Dokumentationen über Fela Kuti und das Electric Daisy Festival auch Abhandlungen über 60-er Jazz, die Brooklyner Musikszene und die Straßen von Glasgow beinhält.

Bereits die letzten zwei Jahre zeigten besondere Schmankerl: Sony Pictures premierten die Rodriguez-Doku Searching for Sugar Man, welcher später auch einen Oscar in der Kategorie „beste Dokumentation“ einheimste, und letztes Jahr zeigte man nebst Twenty Feet From Stardom, Muscle Shoals und Pussy Riot – A Punk Prayer auch Dave Grohls grandioses Sound City. Dieses Jahr dürfen wir gleich einen galtten Zehner gar vermelden.

 

Heute, am 17. Jänner, findet die Premiere von Finding Fela statt. Regisseur Alex Gibney (Oscar-Gewinner für Taxi to the Dark Side) befasst sich mit der Musik der nigerianischen Afrobeat-Legende Fela Kuti und seiner Rolle im postkolonialen politischen Aktivismus. Steve Hendel, Produzent des Broadway-Musicals Fela!, ist hier gemeinsam mit seiner Frau Ruth Hendel ausführender Produzent – und die Band des Musicals heißen wir für drei Auftritte im Rahmen des Festivals herzlich willkommen.

Sundance Fela

 

Auch Frank, eine Komödie über einen jungen Möchtegern-Musiker – der geheimnisvolle Frank eben –, der eine Bande exzentrischer Pop-Musiker anführt, premiert heute. Die Herren der Schöpfung ziehen sich, um ein Album aufzunehmen, zurück in eine Hütte im Wald. Maggie Gyllenhaal, Scoot McNairy und Michael Fassbinder spielen in Lenny Abrahamsons Film Hauptrollen, Stephen Rennicks ist Komponist.

Sundance Frank

 

Ebenfalls heute sehen wir My Prairie Home, einen Film über den Transgender-Singer-Songwriter Rae Spoon, der sich (unter den Fittichen von Chelsea McMullan) auf eine Tour quer durch Kanada begibt. Außerhalb des Films gibt Spoon auch zwei Auftritte zum besten – nicht in Kanada, sondern in Utah.

 

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Morgen, Samstag, erleben wir das Debüt von Stuart Murdoch (Belle & Sebastian), der mit God Help The Girl ein Indie-Pop-Musical geschaffen hat, welches in den Straßen Glasgows spielt. Im Cast finden sich unter anderem Emily Browning, Olly Alexander und Hannah Murrayare.

 

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Ebenfalls morgen: Under The Electric Sky aus den Händen der Top Chef– und – wichtiger – Justin Bieber: Never Say Never– und Katy Perry: Part Of Me-Verantwortlichen Dan Cutforth und Jane Lipsitz. Sie schauten sich das Festival in Las Vegas 2013 etwas näher an, und gewonnen den KCRW-Musikdirektor Jason Bentley als Supervisor, sowie Kaskade als Komponisten.

Sundance Electric

 

Mein persönliches Goldstück, aber auch objektiv betrachtet Kernstück des Sundance, ist die Premiere von 20.000 Days On Earth am 20. Jänner. Iain Forsyth und Jane Pollard, die auch schon Sound-Installationen mit Scott Walker fabrizierten, kombinieren hier – Nick Caves künstlerischen Schaffensprozess zeigend – Drama und Dokumentarfilm, Cave und Warren Ellis zeichnen für die Musik verantwortlich. Wer Lawless, The Road, sowie The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford und The Proposition gesehen hat, weiß, dass die Herren es können.

sundance cave

 

Noch einen Tag davor, am 19. Jänner, erleben wir Low Down von Jeff Preiss. Jener Film erzählt das Leben des Jazz-Pianisten Joe Albany und seine Kämpfe mit der Heroinsucht, erzählt durch die Augen seiner Tochter Amy. Red Hot Chili Peppers Anthony Kiedis und Flea, welcher auch einen Auftritt im Film hat, produzieren jenes Kleinod gemeinsam mit Amy-Jo Albany. John Hawkes, Elle Fanning, Glenn Close und Peter Dinklage gehören zu der Besetzung, Ohad Talmor schuf die Musik.

sundance low down

 

Wieder zurück zum 20. Jänner: Amme Hathaway und Johnny Flynn spielen im Leinwanddebüt von Kate Barker-Froyland, welches sich unter dem Titel Song One in die Musikszene der U-Bahn-Troubadoure von Brooklyn wagt. Jenny Lewis und Jonathan Rice lieferten die Musik, Marc Platt und Jonathan Demme produzierten.

Sundance Song One

 

Sport ist ein beherrschendes Thema unter den diesjährigen Dokumentationen am Sundance, darunter auch No No: A Dockumentary, das das Leben des Pittsburgh-Pirates-Pitchers Dock Ellis nachzeichnet, der auf Acid einen No-Hitter warf. Randall Poster (Springbreakers, Moonrise Kingdom und Boardwalk Empire!) ist hierbei Musik-Supervisor, Adam Horovitz (Beatie Boys) debütiert hier als Composer.

Sundance nono

 

Zwischen gestern und 24. Jänner wird Sound + Vision aus der Feder von Chris Milk gezeigt. Milk kooperierte schon mit Kanye West, Arcade Fire, Johnny Cash und Jack White und setzt hierbei einen „360-Grad-Blickwinkel“ auf „Beck reimagining David Bowie“, eben Sound And Vision (1977). Das Wunderbare dabei – neben Bowie – ist die Tatsache, dass das Publikum gewissermaßen in der Lage ist, gemeinsam mit Beck (Virtual Reality macht’s möglich) auf der Bühne zu stehen und durch das Film-Publikum und Orchester umher zu streifen. Leider dauert Sound + Vision nur 10 Minuten.

sundance sound

 

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