Super Duper Alice Cooper

Die Kunstfigur Alice Cooper zählt heute zu den Pionieren der Schock-Rocker, als geistiger Vater von Charakteren wie Rob Zombie oder Marilyn Manson. Die Doku „Super Duper Alice Cooper“ wagt einen Blick in die bewegte Historie.

 

Mit Hits wie „Poison“ oder „School’s Out“ hat Vincent Furnier, so der Bösewicht Alice Cooper bürgerlich, Musikgeschichte geschrieben. Er diente Richard O’Brien als Vorlage für die Figur des Frank-N-Furter in der „The Rocky Horror Picture Show“, spielte Freddy Kruegers Vater in der „Nightmare-on-Elm-Street“-Serie – und spielt leidenschaftlich Golf. Wie das nur alles zusammenpasst?

 

In deiner Doku „Super Duper Alice Cooper“ schwelgst du in Erinnerungen an Hendrix und Morrison, dein kommendes Cover-Album wäre beinahe mit „My Dead Drunk Friends“ betitelt worden: Mit welchem der Verblichenen würdest du gern nochmals Zeit verbringen?

Ich würde gerne noch mehr Zeit mit Groucho Marx verbringen. Groucho war einer meiner engsten Freunde, als ich noch in Hollywood lebte. Ich hatte immer einen starken Bezug zum „alten Hollywood“, und Groucho war eines der letzten Relikte aus dieser Zeit. Wir saßen immer auf seinem Bett, schauten uns Filme an und er erzählte mir allerlei schmutzige Geschichten über die Schauspieler. Diese Momente vermisse ich.

 

Wie fühlt es sich an, für „Super Duper Alice Cooper“ wieder zurück in die eigene Vergangenheit gezogen zu werden?

Es ging mir nahe, Neil (Smith, Ur-Schlagzeuger) und Dennis (Dunaway, Ur-Bassist) in der Doku über die damalige Trennung sprechen zu hören, wie sie sie berührt hat. Und dann sind da natürlich die Drogengeschichten – etwas, was ich immer ausgeblendet habe. Der Charakter Alice war sich eigentlich immer zu gut für das, ich schämte mich richtiggehend dafür. Aber es war irgendwie auch erleichternd, offen alles aufzuarbeiten …

 

Wie kamst du auf diesen Bösewicht-Charakter namens Alice Cooper?

Es gab überall diese Rock’n’Roll-Heroen, aber keine Bösewichte – lauter Peter Pans statt Captain Hooks. Und ich war richtiggehend gierig darauf, einen Captain Hook zu spielen …

 

Mir scheint, dass Schufte tendenziell mehr Tiefe haben, als „Helden“.

Absolut. Alice ist ja auch nicht nur furchteinflößend, es ist durchaus auch ein Stückchen Peter Sellers in Alice. Es hat was, einen Bösewicht schlimme Dinge tun zu sehen, kurz bevor es ihm auf einer Bananenschale auf die Nase haut (lacht). Charaktere wie der seinige sind normalerweise überdurchschnittlich intelligent und komplex, eine hervorragende Basis für Gruselgeschichten (lacht).

 

Wie weit unterscheiden sich Alice Cooper und Vincent Furnier?

Wir könnten uns nicht mehr unterscheiden. Zu allerforderst: Ich golfe. Alice hasst Golf. Alice hasst es, mit Menschen zu sprechen, ich jedoch bin ein immens sozialer Mensch. Wenn ich etwas mag, hasst Alice es und umgekehrt – und genau deswegen habe ich ihn vor all den Jahren aus mir herauslösen müssen. Wenn du deine Egos nicht trennst, dann verendest du irgendwann wie viele meiner Saufkumpanen von damals: tot.

 

Der legendäre Produzent und Musiker Bob Ezrin sagte einmal über dich, dass du der Gesellschaft einen Zerrspiegel vorhältst …

Bob ist einer der wenigen Menschen auf diesem Planeten, der Alice annähernd so gut versteht, wie ich – abgesehen von der originalen Band und meinem Manager Shep Gordon. Alice hält seinen Finger in die Wunden der Gesellschaft und lacht dabei. Deswegen war „Elected“ auch so absurd – Alice würde niemals in die Politik gehen, aber er zieht sie gerne durch den Kakao. Alice ist der Klassenclown mit dem Springmesser.

 

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Wie passierte eigentlich der Schritt von Bands wie The Who, die theatralisch ihre Instrumente zertrümmerten, hin zu einem Spektakel, das Alice Cooper begründet hat und sich heute auch bei Künstlern wie Marilyn Manson bis Rob Zombie wiederfindet?

Bands wie The Who waren durchaus prägend für uns – aber wir hatten damals weder Geld für Requisiten, noch dafür, unsere eigenen Instrumente zu zerstören. Also klaubten wir Backstage irgendwelches Zeug zusammen, das wir dann theatralisch auf der Bühne einsetzen.

 

Hattest du jemals die Befürchtung, dass die Leute zu Alice Cooper nur wegen des Spektakels Willen kommen und nicht wegen der Musik?

Natürlich. Aber jeder kann mit einer gigantischen Lichtshow und Requisiten auf die Bühne kommen – was es schlussendlich wirklich braucht, ist die Musik, die die Showeinlagen verbindet und untermalt. Das Theater ist nur der Zuckerguss, die Musik jedoch der Kuchen.

 

Du hast die Geldprobleme zu euren Anfängen bereits angesprochen. Gibt es auch heute noch Effekte, die du gerne fabrizieren würdest, aber nicht umsetzbar sind?

Natürlich gibt es die immer noch! Wir hatten da einmal eine „magische Leinwand“, aus der ich raus- und wieder reinspringen konnte. Das Ding ist nur leider immens teuer und ziemlich komplex in der Verwendung. Du brauchst eine eigene Crew dafür und natürlich auch dementsprechende Locations, in denen du damit spielen kannst. Auch heute müssen wir uns also noch überlegen, ob die Kosten-Nutzenrechnung aufgeht, ob es Sinn macht, für diesen oder jenen Effekt Geld auszugeben.

 

Kann man die Menschen mit einer derartigen Show heute eigentlich noch so wie anno dazumal schocken?

Kaum. Selbst wenn ich mir auf der Bühne den Kopf abschlagen lasse, brauchst du nur daheim den Fernseher aufdrehen und siehst dasselbe, nur passiert es dort wirklich. Die Welt ist tatsächlich viel schrecklicher als Alice Cooper sie je darstellen könnte. Die reale Welt ist für die Medien wie ein gefundenes Fressen – die Menschen stehen auf Drama und schaufeln all das in sich hinein. Sensationen sind gut für das Geschäft.

 

Welches Album repräsentiert Alice Cooper am besten?

In meinen Augen „School’s Out“. Es hat die Stimmung zwischen uns als Band, aber auch der Zeit hervorragend eingefangen. Gerade die Jugend sprang gierig drauf an, und über Nacht wurden wir zu Anti-Heroen. Jeder, der eben nicht cool war, stand auf uns – aber plötzlich auch die coolen Kids.

 

Du hast dein eigenes Restaurant Cooperstown. Mit welchem Menü lockt man dich?

Nichts geht über die Fleischlaibchen meiner Mama!

 

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