Sym-, Em- und Iriepathie

 „Irie“ kommt aus der jamaikanischen Kreolsprache Patois und heißt so viel wie „positiv, glücklich, frei“. Nach dem Hören des vierten Studioalbums Auf Wiederhören  des östererichischen Reggae-Duos fühlt man sich passend positiv „irietiert“. Hier gibt es nämlich so manch Neues, jenseits von vertrauten Reggae-Rythmen.

„Für jedes Gefühl im Leben gibt es auch Musik“, singen die Austro-„Reaggenten“ Iriepathie im Track Ich tanz die ganze Nacht. Nun ja, führt man sich allein den Titel dieses Klangouvres zu Gemüte, fragt man sich nach dem Lebensgefühl, das durch Reggae versprüht wird. Vor allem, wenn die beiden Tiroler Brüder im gleichen Song die Erklärung für das nächtelange Abshaken liefern: „weil der Wald mich glücklich macht.“ Schön. Musste schließlich auch einmal gesagt werden.

Reggae also als Musik für eine wild gewordene Herde an Naturfreunden, die im nächtlichen Mondschein um ein Lagerfeuer tanzt, in ihrer Haarpracht allerlei Getier beherbergt und ihrem Leib zu vielen Produkten von Mutter Erde dauerfrönt?

Iriepathie Pressefoto 02 (c) Nina Post

© Nina Post

So ist es auch wieder nicht.

Dass Reggae auch eine tiefere, politisch und sozialkritisch motivierte Botschaft – und das abgesehen von der Legalisierung von diversen Trockengräsern – haben kann, bewies schon der Urkönig des Reggaes, Bob Marley, oder „Clandestino“ Manu Chao.

Auch die österreichische Reggae-Szene kommt mit dem neuen, vierten Studioalbum Auf Wiederhören keineswegs so seicht daher, wie man aus früheren Nummern voreilig urteilen könnte und lässt Fans eben wieder aufhören. Auf den 14 Tracks merkt man die frische Sound-Energie von Professa und Syrix. Die schweift immer öfter von den gewohnten Reggae-Rhythmen ab, mit dem sich Iriepathie 2006 den Amadeus Music Award in der Kategorie Atlernative FM4 einheimste. “Die schwierigste Aufgabe war, den Kopf frei zu bekommen und neue Ideen zuzulassen.”, meint Syrix und erklärt weiter: “Wir haben uns eine ganze Woche lang in einer Kärntner Almhütte eingeschlossen, ohne Internet und ohne Fernseher. Dort sind unter anderem die Demos zu Action Hero und Ich entstanden. Zwei Songs, die nicht mehr viel mit Reggae zu tun haben.” Tatsächlich klingen die Nummern eher nach Hip-Hop, Cro lässt grüßen, auch Seeed schauen vorbei. Erquickend frisch macht sich auch das französische Hoch von Irie Révoltés beim Song Laut sein. Im Lied Träumer riecht es trotzdem „nach Weed“. Ein bisschen Klischee darf sein.

Auf Wiederhören ist bei Irievibration Records erschienen.

Auf Wiederhören ist bei Irievibration Records erschienen.

 

 

 

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