The Cure: Wir werden alle sterben!

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The Cure sind Kult. Noch immer. Auch wenn Ober-Gruftie Smith nicht mehr auf Teenie-Postern mit obligat verschmiertem Lippenstift und Spinnweben in Särgen liegt.

The_Cure_c_Andy_VellaWir sangen darüber, dass es egal ist, ob wir alle jetzt sterben, und wir haben das auch geglaubt.“ Die Attitüde dieser neuen Band aus London schockierte zu Beginn der 80er-Jahre die etablierte Musikszene und die Elterngeneration, auch wenn die erste Single „Boys Don’t Cry“ eigentlich gar nicht so wirklich gruftig war und erst später als Re-Release zum Hit wurde. Man flirtete mit Selbstmord, schlief in Särgen, liebte dunkle Farben.

Imagefrage

Obwohl The Cure als Urväter des Gothic gelten, hat Gitarrist, Sänger und Band-Kopf Robert Smith dies stets zurückgewiesen: „Uns kann man in keine Schublade stecken!“ Dass viele die britische Band lediglich über ihr dunkles Image definieren, wird ihr nicht gerecht. Das hätte sich alles nur ergeben, weil man eben anders sein wollte als die etablierten Rock-Acts zu Beginn der 80er-Jahre. Sagt zumindest Smith. „In den USA hat man sich immer mehr für unsere Musik interessiert als um das Image“, analysierte Smith in einem Interview. „Vor allem in Frankreich und Spanien hat man sich immer mit unserem Styling identifiziert. Fans haben das dann nachgemacht. Allerdings glaube ich nicht, dass wir je eine trendy oder eine coole Band waren. Ich empfinde mich auch nicht als cooler Typ. Ich denke, die Menschen mögen eher unsere Texte und wofür wir als Band stehen. Und nicht die Coolness.“

Bravo Kuschelrock?

Amüsiert war Smith stets, wenn man ihn auf die seichten Pop-Hits ansprach, die immerhin das Fundament des kommerziellen Erfolges legten. „Songs wie ,Friday I’m In Love‘ sind Pop-Songs, die die Menschen auf The Cure aufmerksam machten und sie in unseren Bann ziehen sollten. Das ist der einzige Grund, idiotische Singles zu veröffentlichen: Damit sich die Menschen vielleicht das ganze Album anhören und bei dem einen oder anderen Track hängen bleiben. Ich habe nur sehr selten Songs mit dem Hintergedanken geschrieben, dass sie im Radio gespielt werden. ,Friday I’m In Love‘ ist einer davon. Das war aber damals sehr offensichtlich. Immerhin hat der Titel die Chance, zumindest einmal in der Woche gespielt zu werden. Das ist doch besser als einen Weihnachtshit zu haben, den man nur einmal im Jahr auflegt.“

The Sky is the Limit

Robert Smith, der berechnende Mastermind? Oder doch der sensible, intellektuelle Feingeist, der Perlen wie das von Albert Camus inspirierte „Killing An Arab“ mehr schätzt? Die Idee zu einem, bisher nicht realisierten Lieblingsprojekt outet ihn: „Ich wollte schon immer ein Dance-Album mit zehn Tracks machen, von denen jeder einem anderen Philosophen gewidmet ist. Die Essenz eines Nietzsche in vier, fünf Textzeilen zu verdichten wäre die Idee. Auch, wenn das ziemlich unmöglich scheint. Nietzsche, Camus und Schopenhauer herzunehmen wären mal ein guter Beginn.“

Schwarzes Licht

Auch wenn es in den vergangenen Jahren still um The Cure geworden ist – zumindest was neues Songmaterial betrifft –, zieht es die dunklen Stars wieder auf die Bühne. Das war schon immer so: „Im Grunde kann man kein Cure-Fan sein, wenn man uns nicht auch gerne live sieht. Auch deshalb geben wir wieder Konzerte. Außerdem wüsste ich gar nicht, was ich sonst machen sollte. Vielleicht in meinem Stamm-Pub auftreten …“ Finanziell haben Smith und seine Mannen ja längst ausgesorgt, mehr als dreißig Millionen verkaufte Alben sorgen für ein gutes Polster. „Ich spiele Konzerte ausschließlich, weil ich hoffe, dabei Spaß zu haben. Für mich gibt es keinen anderen Grund mehr“, ist Ober-Cure Robert entspannt.

Und so beglücken The Cure im Herbst im Zuge ihrer Europa-Tournee auch das Wiener Publikum, um einen schrägen Querschnitt aus beinahe vier Jahrzehnten musikalischem Schaffens zu servieren. Neben den Hits und selten live gespielten Titeln soll es sogar unveröffentlichtes Material zu hören geben – ob das ein dezenter Hinweis auf ein längst überfälliges Studioalbum ist? „4:13 Dream“, der bisher letzte Longplayer, datiert immerhin bereits aus dem Jahr 2008 …

 

Die Herren rund um Robert Smith kommen am 26. Oktober in die Wiener Marx Halle und werden neben den größten Hits der 37-jährigen Bandgeschichte auch noch unveröffentlichte Songs präsentieren. Im Vorprogramm erleben wir The Twilight Sad.

 

Der düstere Reigen

Bauhaus gelten als Urväter des Gothic. Gegründet 1978, wurde die englische Band zum Vorbild der Dunkel-Rocker auch jenseits des Atlantiks. Sie landeten übrigens erstaunlicherweise mit einer Cover-Version von Bowies „Ziggy Stardust“ den größten kommerziellen Erfolg. Das Debüt-Album „In The Flat Field“ zählt zu den ersten Gothic-LPs überhaupt.

Obwohl The Sisters Of Mercy seit den 90ern keine neuen Alben mehr veröffentlicht haben, tourt Gott Andrew Eldritch nach wie vor mit seinen dunklen Gesellen durch die Lande, erst kürzlich schaute er auch wieder in Wien vorbei. Das Ungewöhnliche bei den Sisters: Sie verzichten auf viele Rock-Elemente und stützen ihren Sound auf Dance-Beats und Bass-Hooks. Das gipfelte im kommerziellsten Longplayer „Floodland“ (1987), dem u. a. Meat-Loaf-Producer Jim Steinman den Sound verlieh.

Es war das Gossip-Thema der Goth-Szene: 1985 stiegen Wayne Hussey und Craig Adams nach einem Streit bei einer Aufnahme Session bei The Sisters Of Mercy aus, und machten als The Mission nahtlos weiter. Die Verwendung des ursprünglichen geplanten Bandnamens The Sisterhood ließ Ex-Bandkollege Eldritch gerichtlich verbieten, das Fan-Volk teilte sich in zum Teil heftig streitende Blöcke. Das Debütalbum „God’s Own Medicine“ gilt als wegwesend.

Das britische Quartett Joy Division mit dem Über-Hit „Love Will Tear Us Apart“ vom zweiten (und gleichzeitig auch letzten) Album „Closer“ schaffte es in nur vier Jahren, Musikgeschichte zu schreiben. Mit seinem Selbstmord im Alter von nur 23 Jahren erfüllte Frontman Ian Curtis oberflächlich Suizid-Fantasien, er hatte allerdings vermutlich gesundheitliche Gründe: Curtis litt an Epilepsie, die Krämpfe schränkten sein Leben drastisch ein.

Die zweite Generation Grufties fand in den Finnen HIM rund um den charismatischen Frontman Ville Valo perfekte Idole, auch wenn viele den Megahit „Join Me In Death“ aus dem Kult-Album „Razorblade Romance“ falsch interpretierten. Nach dem Ausstieg von Schlagzeuger Mika arbeiten HIM derzeit an neuem Material, das eventuell noch im Dezember erscheinen könnte.

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