The Dead Daisies – Das ultimative Rock-Star Kollektiv

Guns N’Roses, INXS, The Rolling Stones, Thin Lizzy, The Cult, Whitesnake, Nine Inch Nails oder Mötley Crüe – die Rocker der Dead Daisies können auf eine unglaubliche Liste an Credentials verweisen und mischen jetzt die harte Rock-Welt auf.

Gegründet von Guns-Gitarrero Richard Fortus sind die Dead Daisies keine „normale“ Rock-Band mit gleichbleibendem Line-Up, denn jedes der einzelnen Mitglieder hat eine Art „Brotjob“ bei einer der Soupergroups des Rock-Biz. Mit dem zweiten Album „Revolución“ hat sich ein harter Kern bei den toten Gänseblümchen herauskristallisiert, der nun mit KISS – und im Herbst mit Whitsnake – auch Wien kräftig beschallt. Ex-Mötley Crüe- und aktuelle Dead Daisies-Voice John Corabi erklärt die Mechanik hinter einer der spannendsten Retro-Hardrock-Bands.

Was ist die Dead Daisies-„Revolución“?

John Corabi: Um ehrlich zu sein, geht es nicht um eine Revolution per se, sondern um uns. Wir wollen die Musik dorthin zurückbringen, wo sie hin gehört. Wir wollten ein Album machen und nicht bloß einige brauchbare Songs abliefern und sonst nur Füller und so ein Zeugs dazu zu packen. Wir versuchen Spaß zu haben und zurück zum Gefühl der 70er zu kommen, wo es um das Ganze gegangen ist, um ein Album, um das Artwork…

Macht es die Sache nicht kommerziell schwerer, wenn man versucht, ganze Alben zu verkaufen anstatt einzelner Songs als Download?

John: In den 70ern, als ich jung war, wusste man, dass morgen ein neues Aerosmith- oder Queen-Album herauskommt und du konntest es nicht erwarten, die ganze LP zu hören. Vom Anfang bis zum letzten Ton. Heute gehst du auf iTunes und gibst einem Song gerade mal zehn bis 15 Sekunden lang eine Chance. Das ist zwar auch cool, aber auch ein wenig seltsam.

Weshalb habt ihr euch für den klassischen Hardrock-Sound entschieden?

John: Wir sind alle in einem ähnlichen Alter und in diesem Genre einfach zu Hause. Wir sind alle mit Deep Purple, Grand Funk, Humble Pie, Aerosmith und den Beatles aufgewachsen. Also gingen wir zu unseren Wurzeln zurück, hatte die Art Spaß die wir als Teenager beim Proben in einer Garage hatten, schrieben Songs und nahmen sie auf. Wir hatten gerade einmal dreißig Tage, um das komplette Album zu machen. Wir haben alle Titel in dieser Zeit geschrieben, sie aufgenommen und gemastered. Es sind sogar noch vier Songs übrig, die wir nicht auf das Album packen konnten.

Denkst du, die Zeiten des „härter, schneller, lauter“ sind vorbei?

John: Davon hab‘ ich wirklich keine Ahnung. Meine Heimat sind, wie ich schon gesagt habe, die 70er Jahre. Ich kümmere mich nicht darum, was sonst so abgeht. Meine Idole sind die Beatles, auf meinem iPod sind 15.000 Songs und die Mehrzahl stammt von Grand Funk, Deep Purple, Led Zeppelin… also kam ich nie in die Verlegenheit, mich um aktuelle Trends zu kümmern.

Ihr seid als erste US-Band nach der Lockerung der Sanktionen gegenüber Kuba dort aufgetreten und habt auch einen Teil des Albums in Havanna aufgenommen. War das eine ganz neue Erfahrung?

John: Es war genial! Nach all den Jahrzehnten war ich wirklich gespannt an einen Ort zu reisen, von dem mir mein ganzes Leben erzählt wurde, es sei kein gutes Land. Die Fans waren total aus dem Häuschen, denn die hatten seit dreißig oder vierzig Jahren diese Art Rock and Roll nicht mehr live gehört. Es war richtig, dort aufzutreten und aufzunehmen. Einfach grandios.

Gibt’s eine Wiederholung?

John: Wir sprechen darüber, denn wir wollen noch weitere Konzerte in andern Teilen der Insel geben. Bisher sind wir ja nur in Havanna aufgetreten.

Derzeit listet Wikipedia genau die gleiche Anzahl von aktiven und ehemaligen Bandmitgliedern auf. Ist das aktuelle Line-Up nun endgültig oder werden die Dead Daisies ein offenes Kollektiv bleiben?

John: Eigentlich hat David Lowy, unser Gitarrist, die Band gegründet. Er wollte einfach nur Spaß haben, keinen Stress, keinen Druck. Er wollte, dass sich auch die anderen wohlfühlen. Zudem wusste er, dass wir alle andere Projekte haben. Ich habe meine Solo-Band oder Richard (Fortus) hat Guns N’Roses. Also war klar, dass nicht jeder immer Zeit für die Daisies hat und so konnten wir immer auf andere Musiker zurückgreifen, die gerade keine Verpflichtungen hatten. So kam diese Liste zustande, die crazy aussieht. Es gibt eine Kern-Band, aber David lässt sich alle Optionen offen, wenn einer von uns eine Show oder eine Tournee nicht spielen kann. Es ist alles ganz easy…

Hilft es, dass die Band aus verdienten, alten Rock-Haudegen besteht?

John: Ich habe es schon gesagt, dass dieses Album sehr einfach und entspannt entstanden ist. Innerhalb einer Woche, in der jeder seine Ideen, Songs oder Riffs und Melodien einbringen konnte, hatten wir die Titel zusammen. Jeder ist ein Könner auf seinem Gebiet und, was viel wichtiger ist, der Umgang miteinander ist sehr entspannt. Da gibt’s keine Ego-Trips mehr wie in der Vergangenheit.

Gibt’s bereits konkrete Pläne nach der Tour mit KISS?

John: Im Sommer widme ich mich meiner Solo-Band, ich kann mich über Arbeit also nicht beschweren.

Waren die Gigs mit KISS eine Art Kick-Start für die Dead Daisies-Karriere?

John: Die Zusammenarbeit hatte bereits begonnen, noch bevor ich bei der Band eingestiegen bin. Ich kenne Gene (Simmons) und Eric (Singer) schon viele Jahre und auch die anderen Jungs sind mit ihnen befreundet. Also haben uns KISS auch heuer wieder gefragt, ob wir mit ihnen auf Tour gehen wollen. Demnächst steht noch die KISS-Cruise (eine Fan-Kreuzfahrt in der Karibik, Anm.) an, danach sind wir mit ihnen in Australien. Im Herbst geht’s mit Whitesnake wieder zurück nach Europa (ein Wien-Konzert im Planet.tt im Gasometer am 19. November inklusive, Anm.).

Ehrlich: Schmerzt es das Musikerherz nicht, dass KISS vor allem aufgrund ihrer spektakulären Shows Jahrzehntelang sehr erfolgreich sind und nicht wegen ihrer exzellenten Songs?

John: Ich würde nicht sagen, dass sie sind keine guten Musiker sind. Einige der Bass-Lines und Gitarren-Parts sind ziemlich cool und clever. Simpel, aber clever. Wie viele Platten haben die aufgenommen? 25? Mehr? Dass sie noch immer neue Musik schreiben, sagt doch eine Menge aus. KISS sind eine hart arbeitende Band, die immer 100% fokussiert ist. Klar, die Show ist ein wichtiger Teil der Konzerte, aber sie sind allesamt gestandene Musiker und Komponisten. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen als ich so 14, 15 Jahre alt war. Dass ich nun, in meinen 50ern, mit ihnen auf der gleichen Bühne stehe… das fühlt sich schon außergewöhnlich an!

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