The Gaslight Anthem – über Mixtapes und das Tourleben

The Gaslight Anthem sind bekennende Bruce-Springsteen-Fans, und das hört man bei ihrem eingängigen Gitarrensound auch! !ticket hat sich mit dem Mann hinter den Drums, Benny Horowitz, getroffen und ein bisschen über das neue Album „Get Hurt“ und den Bandalltag geplaudert.

Euer Albumcover ist sehr simpel gestaltet – wer hat es designt?

John Van Hamersveld. Er hat schon Albencovers für die Stones gemacht! Er hat uns dann in New York besucht und wir haben ein Fotoshooting gemacht. Es kamen dann einige Vorschläge, die waren auch schon ziemlich cool, aber dann hat er dieses Bild mit dem Herzen geschickt, und es hatte mit den anderen Vorschlägen wirklich gar nichts zu tun. Mir gefällt die Idee eines wirklich starken Symbols, das das Album repräsentiert. Egal ob dir die Platte gefällt oder nicht, du erkennst sie auf jeden Fall sofort im Geschäft. Ein wichtiger Punkt bei diesem Album war, uns weiterzuentwickeln, nicht in dem Sinne, eine andere Band zu sein, sondern uns in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Das Einzige, das du wirklich kontrollieren kannst, ist deine Musik selbst, die Kunst und die Ästhetik, wie du dich präsentieren möchtest.

Wenn du ein Mixtape machen würdest, welche Songs wären auf diesem?

Da wäre so einiges drauf! Mein Musikgeschmack hat sich ein bisschen verändert, je älter ich werde. Wenn ich jetzt eines machen würde, dann wären sicher ein paar Hip-Hop-Songs, dann auch einige Stoner-Metal-Songs – eine meiner Lieblingsbands ist beispielsweise Isis – und dann vielleicht noch Sigur Rós darauf. Zurzeit höre ich Beck rauf und runter. „Morning Phase“ ist mein Lieblingsalbum aus 2014, es ist einfach so cool. Wenn ich auf Tour bin, höre ich gar nicht so viel Rockmusik, das macht mich dann fast schon unrund. Ich höre dann eher Hip-Hop und auch Podcasts. Auf dem Mixtape wäre aber Rock auf jeden Fall vertreten. Led Zeppelin und Queen sind zwei meiner All-time-Favorites. Ich würde über dieses Mixtape auf jeden Fall lange nachdenken. Es geht ja vor allem um den Flow und die Konstellation. Du brauchst als ersten Song einen wirklichen Kick-off, gefolgt von einem Knaller an zweiter Stelle und dann vielleicht wieder etwas Ruhigeres. Es gibt da eine richtige Formel. Ich vermisse es, Mixtapes zu machen, das hat richtig Spaß gemacht. Ich habe noch sehr viele Kassetten, aber keinen Kassettenspieler mehr.

Wie viele Tage im Jahr seid ihr auf Tour?

Mindestens 200 oder so. Wenn wir gerade dabei sind, ein neues Album zu promoten, wie jetzt gerade, dann sind es natürlich mehr. In einem Jahr wie diesem, sind wir so um die acht Monate unterwegs.

Bekommst du von den Städten in denen ihr spielt auch etwas mit?

Du musst dich wirklich bemühen, die Stadt auch kennen zu lernen. Es wird natürlich leichter, wenn du an demselben Ort öfter spielst. Manchmal ist es nur Glück. Wenn es ein kalter, regnerischer Tag ist, und du am schrägen Stadtrand spielst, wo nicht sehr viel ist … so ähnlich wie hier gerade. Zum Glück war ich schon öfter in Österreich, vor allem in Wien. Ich habe mir hier schon sehr viel angesehen. Ich hatte auch ein paar Tage frei hier und konnte mich wie ein normaler Tourist bewegen. Ich habe also eine Art Beziehung zu Wien und ich liebe die Stadt. Es gibt aber auch Städte, wo ich nur einmal war und nichts anderes als den Parkplatz vor der Konzerthalle gesehen habe. Das ist sehr schade. Ich kenne viele Bands, die die ganze Zeit einfach nur im Tourbus bleiben und dann ihr Konzert spielen. Das würde mich total verrückt machen. Ich möchte den Ort kennen lernen, an dem wir spielen. Ich verstehe es nicht, warum Bands das machen. Das fühlt sich dann so an, als wärst du gar nicht wo anders, wenn du einfach nur im Bus bleibst und dein Konzert spielst. Ich befürchte, dass viele britische und amerikanische Bands das machen, um in ihrer „Blase“ zu bleiben, sie müssen mit niemandem reden, sie müssen sich nicht in unbequeme Situationen begeben. Aber das gehört einfach dazu, wenn man ein Reisender ist, gibt es auch ein paar unangenehme Dinge, man kann das auch als Abenteuer sehen. Ich mag es sehr gerne. Wir alle, die Crew, die Band, wir möchten einfach etwas Neues erleben.

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Gibt es irgendeinen Ort an dem du noch nicht warst, den du aber gerne kennenlernen würdest?

Ich würde so gerne nach Südamerika! Wir waren noch nie dort. Wir hatten über die Jahre ein paar Angebote dort zu spielen, aber irgendwie ist es dann nie passiert. Aber wahrscheinlich nächstes Jahr und ich freue mich schon irrsinnig darauf. Bis vor kurzem war die Infrastruktur in Südamerika für kleinere Rock-Bands noch nicht vorhanden. Iron Maiden oder so, sie konnten in Südamerika durch Stadien touren, aber Bands, die einfach mit dem Bus herumfahren und kleinere Hallen bespielen, da gab es nicht so viele Möglichkeiten. Nun haben Länder wie Chile, Argentinien und Brasilien in ihren Städten aber schon viele Auftrittsmöglichkeiten. Es wird einfacher dort zu spielen, denke ich.

Was war denn die größte Halle, die ihr je gefüllt habt?

Ich denke das größte Publikum hatten wir natürlich bei Festivals. Und das größte Konzert, das wir gespielt haben, ist einfach so passiert im Sommer, in New Jersey. Wir haben dort im PNC Bank Arts Center gespielt – ich war da schon als Kind. Ich habe Nine Inch Nails und Van Halen dort gesehen. Wir hatten die Möglichkeit dort zu spielen. Wir wussten, wir werden die Halle nicht ausverkaufen, weil sie so groß ist. Ich glaube, es waren aber dennoch an die 10.000 Leute bei unserer Show.

Liest du noch Bücher und Magazine, oder bist du lieber online?

Ich lese ständig! Den Job, den ich für The Gaslight Anthem gekündigt habe – ich war Produktions-Manager bei einer Tageszeitung. Ich mag Zeitungen wirklich gerne und versuche sie so oft wie möglich in die Hände zu bekommen. Es ist natürlich schwer in Europa, weil ich sie nicht verstehe, aber ich mag es wirklich gerne. Eine Zeitung zu einem Kaffee, dann löse ich auch die Kreuzworträtsel. Ich lese auch viele Bücher. Jemand hat mir ein E-Book geschenkt – ich habe es glaube ich zwei Mal verwendet, es ist einfach nicht dasselbe, als ein Buch in der Hand zu haben. Ich habe in meinem Rucksack meistens zwei Bücher, eines aus dem Fiction-Genre, und ein Sachbuch. Zurzeit lese ich gerade “The Circle” von Dave Eggers. Es ist wirklich gut, es geht um eine Art Google-Firma in der Zukunft und wie es ist, dafür zu arbeiten. Es wird dann schnell ziemlich seltsam. Dann lese ich noch “Death Of The Liberal Class” von Chris Hedges. Ich bin politisch sehr interessiert, ich bin ein ziemlich liberaler Mensch und habe immer das Gefühl, dass Liberale zu wenig für ihren Glauben einstehen. Wir leben gerade in einer Zeit voll von Panik und Angst, Menschen denken viel zu wenig nach. Es nervt und frustriert mich, was teilweise in Amerika passiert.

Wie sieht denn eure Setliste aus?

Sie ist bei jedem Auftritt anders. Wenn man auf Tour ist, hat man natürlich ein paar Songs, die gut zusammen passen, aber es kommen ja auch manche Fans zu mehr als einem Konzert und wir finden, dass es nicht nur für sie wichtig ist, interessant zu bleiben, sondern auch für uns. Die Idee, dass du jeden Abend das gleiche machst, wie bei einer Theatervorstellung, finde ich ziemlich nervig und da geht auch der Spaß verloren. Irgendwie geht dabei auch der Spirit einer Live-Show verloren, da kannst du dir ja gleich zu Hause ein Live-Album laut anhören. Wir möchten einfach nur ehrlich sein. Ich sage das auch immer zu Brian, wenn man einen schlechten Tag hat, hat man einen schlechten Tag und wenn man gerade superlustig ist, ist dem auch so. Man sollte sich nicht verstellen, man ist ja nicht Tom Cruise. Es geht darum, eine gute Performance abzuliefern und ehrlich zu sein. Ich finde es gut, dass Menschen bei unseren Konzerten nicht immer wissen, was sie erwartet. Genau das ist der Spirit einer Live-Show.

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