The Order Of Israfel – Wisdom

Hier ist sinnerfassendes Lesen gefragt: Mit dem vorderasiatischen Staat, in dem es aktuell an allen Ecken und Enden rappelt, hat das schwedische Quartett nichts am Hut; Israfel ist jener Engel, dessen Herz eine Laute ist, und der über die süßeste Stimme aller Geschöpfe Gottes verfügt.

 

Tatsächlich: Wenn Tom Sutton, ehemaliges Mitglied von Church Of Misery und einem jugendlichen Glenn Hughes zumindest optisch ebenbürtig, “Wisdom” mit einem geheulten “A sea of fire to cross, alone” eröffnet, fühlt man sich sogleich in einen Mahlstrom gezogen, der danach giert, jenen von Black Sabbaths Debüt den Rang abzulaufen ohne ihn jedoch zu plagiieren, zudem vielmehr noch, die Intensität, die jene Altvorderen perfektioniert zu haben scheinen, gar spielerisch auf ein neues Niveau zu heben: Gruppensex der ehrwürdigen Trias Sabbath, Purple und Zeppelin, jeweils in ihrer Urversion.

the order of israfel wisdomZwar fühlt man sich, wie auch in der Frühphase von Sabbath, der Langsamkeit verbunden – was freilich auch Bassist Patrik Andersson, der dereinst bei Doomdogs am Werken war, zuschulden ist -, jedoch komplettiert ein lässiges, beinahe saloppes Schielen auf polternde Psychedelic-Referenzen bei The Order Of Israfel die Grundingredienz, eine Ingredienz, die ähnlich wie bei Edgar Allan Poes “The Pit And The Pendulum” für den nötigen Ausgleich sorgt und allein die potenzielle Möglichkeit einer aufkeimenden Fadesse von vornherein negiert. Denn wie auch in der Literatur in den tiefsten Untiefen für mehr als nur Dunkel, sondern für durch Mark und Bein – oder eher Fleisch und Sehnen – fahrende Bewegung, Dynamik eben, gesorgt wird, wird hier vor allem bei den epischen Stücken deutlich, dass Könner am Werk sind, Könner, die nach hocherotischen Akustik-Intermezzi gerne auch einmal richtig “fett” mit dem Dampfhammer ins Gesicht fahren und generell anstandslos mit Exzessen spielen, die jedoch nie in jazziges Gedüdel abschweifen.

Das Debüt “Wisdom” zählt somit, einerseits durch die Bandbreite, andererseits aber auch durch die beinahe elegische Zelebration, zweifelsohne zu einem der besten Debüts des Genres der letzten Jahre, The Order Of Israfel sind mit einer Stampede wütender Mammuts zu vergleichen, die über knirschende Eisflächen donnern und selbst einen großartigen Charakterdarsteller wie Robin Williams in “Jumanji” vor ein schier unlösbares Problem gestellt hätten: Wie ist der Wucht des Aufpralles zu entkommen? Die Antwort liest sich – im Falle der akustischen Darbietung: glücklicherweise – fatal, nämlich: gar nicht. Sich dem Reiz der vier Schweden zu entziehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Denn ähnlich der folkloristisch-christlichen Klänge von David Eugene Edwards bei Wovenhand und 16 Horsepower ist bei The Order Of Israfel eine Arretierung vorliegend, die nicht himmlisch-jauchzend, sondern mystisch-apokalyptisch tönend ins Inferno zieht, mit Feuerketten fesselt, Stahlnägel durch die Knochen schlägt und an den lodernden Flammen den geneigten Hörer wohlig bruzeln lässt. “And the giddy stars (so legends tell), ceasing their hymns, attend the spell of his voice, all mute”: Oh Engel, sing mir das Lied vom Tod!

 

The Order Of Israfel – “Wisdom” ist bei Napalm Records erschienen.

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