The Sword – High Country

Mit ihrem fünften Studioalbum „High Country“ wagen die vier Texaner eine Stilkorrektur – endgültig weg vom düsteren Doom, hin zu spritzigem Rock. Funkt!

 

Mittlerweile sollte man es von The Sword gewohnt sein – angefangen bei „Age Of Winters“ bis zuletzt bei „Apocryphon“ wurde stets am Sound gefeilt, nie das Erwartete abgeliefert, sondern unablässig neue Wege beschritten. Damit reckte man rotzfrech auch all jenen den Mittelfinger in die Hackfresse, die anfangs noch zu unterstellen trachteten, es handle sich hier um eine gehypte Eintagesfliege, die halt dank der Fittiche von Metallica und einer „gefälligen“ Black-Sabbath-Anbiederung Ikarus gleich in luftige Höhen steigen, wohl aber bald auch wieder plumps machen würde. Weit gefehlt!
 

 
Bereits mit der dritten Scheibe „Warp Riders“ wurde dieser sabbatheske Referenzrahmen der Norm entzogen, der Härtegrad sukzessive zurückgeschraubt, bis eben „High Country“ nun gar gen NWoBHM schielt, mit den wunderschönsten Twin Gitarren seit Judas Priest aufwartet. Man klatsche Beifall! Gerade „Empty Temple“ lässt auch wehmütig Tränen verdrücken, werden hier immerhin Erinnerungen an Thin Lizzy wach, gleich ob in der Rhythmus- oder Leadsektion: The Sword sind keine schnöde Kopie, sondern authentisch, und gerade das organische Klangbild passt hervorragend zu den 70er-Referenzen, die mittlerweile überaus filigran geraten sind – aber doch noch nicht die Grenze zum Prog überschreiten. Sag jedoch niemals nie, da ist durchaus noch Luft nach oben!
Die Tränen fließen auch weiter zu „Tears Like Diamonds“, einem dreckigen Bastard mit grollendem Grundgerüst, oder auch zu den wunderschönen Bluesepen „Mist And Shadow“, „Early Snow“ und dem finalen „The Bees of Spring“. Einzig „Seriously Mysterious“ lädt vielleicht ad interim zu einer Pinkelpause ein, kleine Hänger seien aber im Kontext von Übernummern wie „Suffer No Fools“ gestattet. „High Country“ macht klar, dass man mittlerweile nicht mehr bestrebt ist, einem stumpfen Formular zu folgen (wenngleich „Gods of the Earth“ auf ewig und drei Tage die Überscheibe bleiben wird), sondern vielmehr in einem alles andere als eng gesteckten Rahmen zu flirren und zu künden, dass nicht nur im Pop und Schlager eingängige Melodien machbar sind, sondern auch hier, in der Rock Musik, mit Anspruch. Dass man an einigen Stellen ziemlich trippy abdriftet – bei „Unicorn Farm“ oder „Agartha“ beispielsweise – tut auch durchaus wohl und dem nostalgischen Vergnügen keinen Abbruch.

Puristen werden sich vielleicht mokieren, objektiv betrachtet ist mit „High Country“ jedoch akustischer Tiefgang gelungen – ohne jedweder Vorsehbarkeit, dafür mit massig Schwung. Nun hat man den richtigen Sound gefunden, um in die Stufe von The Black Keys und Queens Of The Stone Age aufzusteigen, vergönnt sei es ihnen.

 

The Sword erlebt man live am 2. September in der Wiener Arena, am 3. September im Backstage in München, und am 5. September im Rahmen des Stonerhead Festivals in Salzburg. Tickets gibt es bei oeticket.com und unter 01/96096.

Mehr zum Stonerhead Festival lest ihr im Artikel “Fuzzgitarren statt Zauberflöten”.

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