The Walking Dead

Es gibt in der Musik nur wenige Künstler, die derart konstant und verlässlich den auditiven Genuss (ihrer Zielgruppe) befriedigen, wie CANNIBAL CORPSE aus dem Sonnenstaat Florida. Dass da zwangsweigerlich Überraschungen fehlen müssen, wurde Ende Juli in der Wiener ((szene)) erneut bewiesen.

 

„Der Tod, das muss ein Wiener sein“, dachte sich wohl nicht der wandelnde Minotaurus George „Corpsegrinder“ Fisher allein, sondern bereits die lokalen Opener Taxidermist, die ihrem Fachbereich (Haltbarmachung von Tierkörpern zu Studien-, Lehr- oder in diesem Falle: Dekorationszwecken) alle Ehre machten. Nebst der fünfköpfigen Band fand sich mit Hermann auch ein ausgestopfter Mops zur Flanke von Rauschkind und dem der Taxidermie entflohenem Frontschwein Thor ein, das jedoch zwangsweigerlich wenig zum Geschehen beitragen konnte, sondern vielmehr genüsslich seiner Spaß-Zigarette frönte. Es wäre auch nur bedingt nötig gewesen, dass auch der Canis Lupus Familiaris musikalisch seinen Beitrag geleistet hätte, sorgte immerhin das stimmliche, dynamische Duo (Na na na, Batman!) bereits für ausreichend Wumms sowohl in den tieferen, wie auch den höheren Regionen und konnte mit den Deathcore-Pfaden, die seit der Abwendung vom schnöden Goregrind seit 2012 beschritten werden, eine tiefe Kerbe in die graue Masse treiben. Aber: Dies fördert bekanntlich das Denkvermögen! Die kurzweilige, energetische Show, bei der nicht nur musikalisches Geschick und Spielvermögen, sondern insbesondere auch die Spielfreude und ein geschickter, augenzwinkender, spitzbübischer Witz überdeutlich wurden, lässt auf das baldige erscheinen des Neo-Debüts warten, welches Freunde von Dying Fetus bis hin zu Thy Art Is Murder (und sämtliche Graustufen dazwischen) wohl mit einer schmerzlich-blutigen Dauererektion ausstatten wird.

(c) Markus Wetzlmayr https://www.facebook.com/wetphoto

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Zur meditativen Gedankensammlung verzichtete der Rezensent auf die nachfolgenden Epsilon, die ihre neue CD „zu richten“ erstmals einem öffentlichen Publikum vorstellten und mit Partyhut und Tröten im Gepäck aus St. Pölten mit einem Allerlei an illustren Gästen – so die graue Eminenz Reini Reither von stormbringer.at und dem STP Metalweekend – angereist kamen.

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Wie auch schon Gaius Iulius Caesar, der nach der Schlacht bei Zela (am 21. Mai 47 vor Christi Geburt) lakonisch „Veni, vidi, vici“ reüssierte, betraten die Seniorenstaatler Cannibal Corpse schließlich die Bretter der ((szene)) Wien, droschen kurz und bündig alles klein, machten einen galanten Knicks (der bei Corpsegrinder zwangsweigerlich etwas ungelenk ausfällt) und zogen flugs von dannen. Da bedarf es keiner großen Worte, keiner Litaneien als Zwischenfüller – da steht das knackige Songmaterial seit dem Debüt „Eaten Back to Life“ (1990, damals noch mit dem aktuellen Six Feet Under-Fronter Chris Barnes am Mikro) bis zur aktuellen Scheibe „A Skeletal Domain“ (2014) für sich.

Agierte man anfangs – auf den ersten beiden Scheiben – noch etwas thrashig, fand man ab der Überscheibe „Tomb of the Mutilated“ (1992) und „The Bleeding“ seinen ureigenen, brachial-knarzigen Sound und schuf in einem Aufwasch gleich zwei Szene-Referenzwerke, die jedoch diesmal (wie auch die beiden Vorgänger) beinahe sträflich vernachlässigt wurden: Kein „Fucked With a Knife“, kein „Necropedophile“, kein „Staring Through The Eyes of the Dead“, „Gutted“ oder gar „Mangled“.

(c) Markus Wetzlmayr https://www.facebook.com/wetphoto

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Der Schwerpunkt der Songauswahl lag eindeutig auf der Mittel- und Spätphase, als Corpsegrinder (ex-Monstrosity) bereits das Zottelmonster Barnes an der Glottis abgelöst hatte. Dennoch: Mit „Vile“ (1996) startete ohnehin ein neues Zeitalter für die Kannibalen, die sukzessive technisch-tighter wurden, ohne dabei in eine songundienliche Onanie abzudriften, gerade Scheiben wie „Bloodthirst“ (1999) und „Evisceration Plague“ (2009) ziehen auch heute noch all den Möchtegern-Slam-Death-Kiddies im Laufen ihre Boxershort aus und klatschen ihnen selbige feist ins Zuckergoscherl. Dass dabei neben dem, auch über die Genregrenzen hinaus agierenden Bassisten Alex Webster insbesondere das Auftreten von Corpsegrinder – der erneut bewies, das ein ordentlich absolvierter Death-Metal-Gig mehr für die Muskelmasse bringt, als das tägliche Schwitzen im Fitte – optischer Anreiz war, versteht sich für Band-Kenner ebenso von selbst, wie dass Paul am Schlagzeug zwar das schwächste Glied in der Kette ist („They’re coming to get you, Barbara!“) – dennoch diesmal keinen Larsulrich machte und durchaus tight spielte. Pat O’Brien (ex-Nevermore) und Rob Barrett (ex-Malevolent Creation) sorgten diesmal auch lieber für wehende Frisuren, als für Überraschungen – dank Drei-Wetter-Taft sitzt die Frisur auch hier.

Neben minimalen Abweichungen der Setlist zum letzten Wien-Gig im November (mit internationalem Support von Aeon und Revocation) bot somit diesmal nur der Wetterbericht, wie Kollege Wetzlmayr (der auch die Fotos zur Verfügung stellte) gekonnt resümierte, eine Überraschung: Bierbecher flogen diesmal keine. Aber vielleicht genau deswegen sind Corpse nach wie vor eine beständige Instanz und Pflichtprogramm.

 

Auf den Geschmack bekommen? Am 14. August geht es im Salzburger Rockhouse mit Amongst The Deceit als Opener deftig zur Sache. Wir verlosen 3×2 Tickets. Hierzu einfach bis 10. August eine E-Mail mit Betreff „Cannibal Corpse“ an gewinn@ticketmagazin.com schicken und uns eure absolute Lieblings-Death-Metal-Band (neben Cannibal Corpse) mitteilen!

 

Alle Fotos wurden dankenswerter Weise von Markus Wetzlmayr / WET – photographie zur Verfügung gestellt.

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