Thomas Maurer – über Ideen und Blödheit

Aus der österreichischen Kabarettszene ist er nicht mehr wegzudenken – seit nunmehr 25 Jahren ist Thomas Maurer mit seinem bissigen Wortwitz auf heimischen Bühnen unterwegs. Sein Neues Programm wird sicher wieder ein Gustostückerl! Wie entsteht so etwas eigentlich?

War es schwierig auf den Titel Neues Programm für das neue Programm zu kommen?

Thomas Maurer: Ja (lacht)! Es ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass ich in einer Situation war, in der wahrscheinlich jeder Kabarettist immer ist. Wegen der Ankündigungen, Presseaussendungen und sonst was, muss man den Titel des Programms zu einem Zeitpunkt bekannt geben, an dem man oft noch nicht einmal zu arbeiten angefangen hat. Die Gelegenheiten, wo man weiß, wohin es in ein, zwei Jahren gehen wird, sind selten im Leben. Jeder hat sich glaube ich schon einmal gedacht, sein neues Programm einfach „neues Programm“ zu nennen – aus einem Grantreflex heraus. Ich habe dann nachgeschaut, ob das schon einmal jemand gemacht hat, habe niemanden gefunden.

Was war eigentlich die blödeste Frage, die je ein Journalist gestellt hat?

Thomas Maurer: Ich glaube die blödeste war von einer Redakteurin des Standards, die im Bemühen um eine originelle Gesprächseröffnung gefragt hat, ob mit ihr etwas nicht stimmt, wenn sie beim Villacher Fasching nicht lachen muss. Eine provokante Frage, da machst du dann kurz das Fenster auf, damit sich der Geruch verzieht und versuchst halbwegs höflich zu antworten.

Wie kann man sich den Entstehungsprozess für ein neues Programm vorstellen?

Thomas Maurer: Das ist sicher von Künstler zu Künstler unterschiedlich. Ich sperre mir immer einen bestimmten Zeitraum, in dem ich versuche, keine anderen beruflichen Verpflichtungen zu haben. Es ist dann leider auch manchmal notwendig, das Privat- und Familienleben auf ein fast unvertretbares Maß zu kürzen. Dann setzt man sich oder legt sich hin, geht im Kreis oder spazieren und notiert sich alles, das man versucht hat sich einfallen zu lassen in einem Buch. Das stellt sich dann meistens in den ersten Phasen durch die Bank als totaler Quatsch heraus. Irgendwann einmal – so war es zumindest bisher immer – kommt eine erste substantielle Idee. Es gibt keine Garantie, dass das jedes Mal funktioniert. Wenn diese Idee dann gefunden ist, dann fängt die eigentliche Arbeit an.

Holt man sich auch Input von anderen Leuten?

Thomas Maurer: Einen gewissen inneren Kompass braucht man natürlich schon, sonst könnte man gar nicht arbeiten. Aber es gibt eben auch diesmal wieder Regie, und mit der Regisseurin spreche ich natürlich weiter im Vorfeld schon und auch mit Freunden oder befreundeten Kollegen. Ab dem Zeitpunkt, an dem man selbst ein bisschen Ahnung hat, ist es ganz angenehm sich darüber austauschen zu können. Man wird sich dann, während man darüber spricht, auch selbst über manche Dinge klarer. Es gibt einen Teil der Arbeit, die ist, als würde man einen Roman schreiben – da sitzt man als einsamer kleiner Stern vor seinem Laptop und legt dann meistens doch leider Patiencen, als brillante Sätze zu Papier zu bringen. Es gibt natürlich auch die Ebene, dass man sich über das, das einen gerade umgibt austauscht, um einfach mehr Klarheit zu bekommen.

Künstler ist ein sehr
kunstfeindlicher
Beruf.

NeuesProgramm_Maurer1a(c)IngoPertramer

 

Ein wichtiges Thema bei Kabarett ist auch Politik. Wir haben uns ja eben erst im Wahlkampf befunden – nervt da etwas ganz besonders?

Thomas Maurer: Ganz allgemein – die Blödheit (lacht)! Das ist aber nichts Neues. Ich werde das diesmal splitten – es wird österreichische Politik im Soloprogramm so gut wie gar nicht vorkommen, dafür machen wir mit den Staatskünstlern ein Wahlspecial im Akademietheater und im Dezember dann einen Jahresrückblick, der dann wieder explizit österreichisch wird. Ich finde das ganz angenehm, dass man das so timen kann.

Bleibt noch Zeit auszugehen? Und wohin gehen Sie denn gerne?

Thomas Maurer: Das Interessensspektrum wäre sehr breit! Ich komme nur nicht annähernd so viel weg, wie ich gerne möchte, da ich einen Beruf habe, der es mit sich bringt, dass ich selbst auf der Bühne stehe, wenn
interessante Veranstaltungen stattfinden. Wenn das einmal nicht der Fall ist, habe ich noch immer zwei kleine Kinder und muss mich hie und da zu Hause auch anschauen lassen. Man muss es vielleicht warnend den jungen
Menschen zurufen: Künstler ist ein sehr kunstfeindlicher Beruf – zumindest Bühnenkünstler. Ich wäre heuer auch gerne zum Frequency Festival gefahren, habe das aber aus Gründen der Arbeitsdisziplin verwehrt. Ich hätte gerne Nick Cave gesehen, oder auch System Of A Down, James Blake und etliche andere. Ich finde es jedes Mal als großes Privileg und Geschenk, wenn Freunde, die Konzertvereinsabos oder ähnliches besitzen, mich irgendwo hinnehmen. Ich gehe ins Kino vom 500 Millionen Blockbuster-Scheißdreck bis zum modernen, südkoreanischen Kunstfilm. Wenn ich nicht Kabarettist sondern zum Beispiel Erbe wäre, dann würde ich mir wahrscheinlich fast alles anschauen.

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