Udo Jürgens

Gestern ging mit Udo Jürgens einer der größten Musiker und Entertainer von uns. Wir ziehen unseren Hut vor ihm und veröffentlichen hiermit den letzten Bericht, den unser Redakteur Andy Zahradnik Anfang dieses Jahres verfasst hat:

Das kleine goldene Reh hat er dieses Jahr bekommen: Udo Jürgens wurde für sein Lebenswerk mit dem Bambi ausgezeichnet. Es war bereits das vierte Kitz für Jürgens und es gesellt sich nun zu Romy, Echo, Amadeus, Berliner Bär, Goldener Kamera und und und … „Lebenswerk“ steht hier nun auch für einen Blick in den Rückspiegel.

Die 80er Jahre waren eine, wenn nicht sogar die stärkste und kreativste Epoche von Udo Jürgens. Die Texte noch intensiver, die Musik viel näher am Chanson, ebenso am großen Pop als in den Jahren davor und die Arrangements viel mehr auf die jeweiligen zeitgemäßen musikalischen Strömungen aufbauend, von den orchestralen Werken einmal abgesehen. Die Konzerte wurden zu Ereignissen, dabei liefen auf der Bühne alle Beteiligten zu musikalischen und kreativen Höchstformen auf. Stand in den 70ern noch das reine Konzertereignis im Vordergrund, waren die 80er Jahre das Jahrzehnt der großen Shows, sie wurden – bis heute – zu einem komplett durchgeplanten und orchestrierten Ereignis. Die 80er waren auch jene Epoche in der Musikgeschichte, wo sich die einzelnen musikalischen Strömungen in zahlreiche Einzelgenres begannen aufzuteilen. War in den 70ern die Grenze zwischen Schlager und Deutsch-Pop noch eine sehr fließende und während Künstler wie Chris Roberts oder Christian Anders im Bravo seitenweise abgefeiert wurden, ging der Schlager in den 80ern komplett seinen Weg, völlig und endgültig abgekoppelt vom Pop. Die Neue Deutsche Welle tat ihr Übriges. Deutsch singen war wieder hip und deutsch(sprachig)e Künstler begannen tatsächlich mit der deutschen Sprache anders umzugehen und dadurch völlig neue Türen zu öffnen.
Ohne Grenzen
Für einen Singer-Songwriter wie Udo Jürgens entwickelten sich so die 80er zur kreativen Arbeitsfläche ohne Grenzen. Geholfen hat dabei, dass er sich keine Gedanken über seine kommerzielle Zukunft machen musste, denn der Mann hat einen lebenslangen Schallplattenvertrag mit seinem Label Ariola – heute ein Teil von Sony Music. Die Bedeutung eines solchen ist enorm. Es ist wohl die größte Bestätigung fürs eigene Tun, die man von einem Unternehmen bekommen kann, dessen Aufgabe es ist, die Rechte, die aus diesem Tun erwachsen, zu vermarkten. Auf gut deutsch: „Mach nur, mach was immer du willst, wir freuen uns darauf.“ Mal ehrlich, hätten Sie diesen Zug von einer Plattenfirma erwartet?
Udo Jürgens war in jeder Dekade, in jedem Jahrzehnt kommerziell erfolgreich. Im Musikgeschäft wird dieser Erfolg mit Edelmetall ausgezeichnet und die sammelt der Mann mit schöner Regelmäßigkeit, wobei eines deutlich hervorzuheben ist: Udo Jürgens erreichte die jeweils für Gold- oder Platinauszeichnungen notwendigen verkauften Stück an Tonträgern immer mit seinen Neuprodukten! Es ist da nicht die x-te Wiederholung von „Best Of“ und „Greatest Hits“, sondern immer wieder sind es neue Lieder, ein inhaltlich komplett neues Album, das den Weg zu den Hörern, den Käufern fand und findet. „Natürlich gab es nicht immer nur Höhepunkte, aber da kam dann immer wieder etwas, das erfolgreich war, so dass ich heute sagen kann: Ich habe dem Haus Ariola nie Kopfzerbrechen bereitet. Und: Ich habe viele meiner Kollegen überlebt. Nicht nur Künstler, auch Leute aus dem Haus, Direktoren, Vorstandsvorsitzende – ich habe sie alle überlebt und bin noch immer da“, sagt er und im persönlichen Gespräch über diesen berühmten, lebenslangen Vertrag verrät Herr Jürgens, „dass er gar nicht genau weiß was da überhaupt drin steht“. „Ich bin kein Mensch, der in Verträgen blättert, ich mache meine Musik.“

Udo, der Winzer
Wichtig ist, dass dieser Vertrag die künstlerische Entscheidungsfreiheit garantiert, dass niemand drein redet. „Ich wollte keine hohen Garantiezahlungen mehr, ich wollte raus aus diesem Druck, keine schlaflosen Nächte mehr haben.“ Gab
es die, die schlaflosen Nächte? „Klar gab es die“, so Jürgens. Hohe, ans astronomische grenzende Vorschusszahlungen bauen Druck auf, sie schrauben den „Breakeven Point“ in die Höhe und so steht der kreative Prozess unter dem Druck der Zahlen. Das ist kontraproduktiv, kann hemmen. Nur wer sich frei bewegen kann, der schafft es auch, die Kreativität fließen zu lassen. Das, genau das bringt den Unterschied von industriell hergestellter Musikproduktion und der langsamen Reife des Schaffens. Es ist ein wenig so wie mit Wein. Industriewein ist gut gemachter, stets nach demselben Rezept auf den Massengeschmack unter zur Hilfenahme von High Tech und ausgeklügelter Software, zugeschnittener Rebensaft. Das einzigartige Erlebnis aber, das des Erkennens des Unterschieds, der Herkunft, dem Zusammenspiel von Boden, Wetter und Mensch, das bietet nur die individuelle Handarbeit. Udo Jürgens ist so ein Liedwinzer, der im Gärkeller wacht, neben den Trauben schläft und den Prozess der Produktion vom Anfang bis zum Ende mit Hingabe begleitet. „Ich wollte mich ausschließlich künstlerisch entwickeln, mich mit der Sprache der Musik der Zeit anpassen können und dabei ich selbst sein können.“ Nachsatz: „Der lebenslange Vertrag spielt insofern eine Rolle, dass ich jetzt in der glücklichen Lage bin gefragt zu werden, wann man sich denn wieder auf eine neue Produktion freuen darf. Zu meiner großen Freude mehren sich die Anfragen, wenn ich länger nichts mehr produziere. Es ist Gott sei Dank nicht so, dass man sich fragt: ‚Wie werden wir den denn langsam los?‘“ Die Historie der Karriere spricht eine deutliche Sprache: Es ist gewachsene Kontinuität mit all den dazugehörenden Kurven und Umleitungen, darum ist jede Frage nach einem Karriereende eine Beleidigung. „In meinem Beruf wird man immer schief angeschaut, wenn man älter wird und es wird immer vermutet, dass da einer nicht loslassen kann. Solche Fragen würde man einen älter werdenden Dirigenten nie stellen.“

Udos Achtziger:

Die Siebziger schloss er am 17. Dezember 1979 mit „Udo 80“ ab und signalisierte damit bereits im Titel, dass nicht nur ein neues Jahrzehnt sondern ein weiterer, kreativer Abschnitt begonnen hatte.
1981 erschien „Willkommen in meinem Leben“ mit den Hits „Gaby wartet im Park“ und „Vielen Dank Für Die Blumen“ – zweiten kennen begeisterte Tom& Jerry-Schauer. Im selben Jahr erschien auch
„Leave A Little Love“ mit elf englischen Titeln und Harold Faltermeyer und Donna Summer alsCo-Autoren.
1982 erscheint „Silberstreifen“.
1983 folgt der „Traumtänzer“.
Am 30. September 1984 wurde Udo Jürgens 50 Jahre alt. Im gleichen Jahr erschien „Hautnah“, und darauf der Titel „Noch einmal 25“. Der Refrain lautet:
„Ab 50 fühlt so mancher sich, als Midlife-Criser Tatterich. Ich aber sage: Ohne mich! An meinem 50. werde ich noch einmal 25!“ Diese Zeile beschreibt den Künstler Udo Jürgens wie keine andere. In den 80ern erlebte er den kreativen Freigeist – wie er ihn in den Sechzigern nie hatte – mit der absoluten Hingabe zur Kunst eines gereiften Menschen. Hautnah“ ist das Album der Achtziger mit der längsten Chart-Performance in Deutschland: Die LP stand nahezu ein halbes Jahr in den deutschen Longplay-Charts!

1985 erschien „Treibjagd“. So wie mehrere LPs von Udo Jürgens war auch diese Platte ein Gesamtkunstwerk, mit einem Opening und einem großen Finale. Im Anschluss an Treibjagd Finale findet sich noch der Titel Ihr von Morgen – die Hymne an die Zukunft: „Ihr von morgen habt gefunden, was uns unerreichbar schien. Schlugen wir der Welt auch Wunden, vielleicht habt ihr uns verziehen?!“ Der Song greift thematisch das auf, was sich in Deutschland, später auch in Österreich sowohl politisch als auch gesellschaftlich vom Randthema in die Mitte bewegt hat: Umweltschutz, Ressourcen-Verschwendung. „Waldsterben“ – der Begriff prägte wie kein anderer die Medien zum Thema Umweltschutz
in den 80ern.
Im selben Jahr erscheint auch noch „Deinetwegen“.
1988 folgt das blaue Album, darauf zu finden unter anderem „Gehet hin und vermehret euch“. Der Bayrische Rundfunk packte das Lied wegen einer Verbindung zwischen dem Papst und einem Bibelzitat auf den Index. Moskau – New York nahm ein Jahr zuvor den Fall der Berliner Mauer vorweg. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 war es dann tatsächlich soweit.
Die Achtziger beendet Udo fulminant 1989 mit „Ohne Maske“.

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2 Kommentare

  1. renate gschaider

    udo jürgens ist tot!
    ich habe 2 karten für den 3.3.2014 in linz
    in der tips arena linz!

    frage was ist nun mit den karten,
    bekommt man das geld retour oder was sonst?

    ich erbete um nachricht,
    mlg.renate g.

    1. Redaktion

      Liebe Renate,
      bitte wende dich an unser Callcenter unter 01/96096. Die KollegInnen können hier sicher weiter helfen!
      LG vom !ticket Magazin

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