Unter Sternen mit Amy Macdonald

Amy Macdonald

Mit ihrem neuen Album „Under Stars“ reist die Schottin Amy Macdonald von ihrer Heimat aus in die ganze Welt – denn Musik, die kennt keine Grenzen. Erst recht nicht diese.

Amy Macdonald Under Stars Deluxe - CMS SourceZehn Jahre nach ihrem Knaller-Debüt „This Is the Life“ und nach vier Jahren kreativem Leisetreten legt die Ferrari-Fahrerin Amy Macdonald mit „Under Stars“ ein neues Album vor. Nicht einmal ihre Plattenfirma hatte eine Ahnung, dass die bildhübsche Schottin an neuen Songs gearbeitet hat. Schon gar nicht wussten sie, dass Amy zum ersten Mal nicht alleine an neuen Hits schreibt. Dass einige der zumeist persönlichen Texte durch Ereignisse dies- und jenseits des Atlantiks nun auch politisch interpretiert werden können, war nicht beabsichtigt.

Schon der Titelsong mit seinen Zeilen „Be Who You Are“ und „Stars and Stripes“ bekommt eine politische Richtung, die du ja überhaupt nicht beabsichtigt hattest?

Amy Macdonald: Es gibt viele Songs, die ich vor der Brexit-Abstimmung geschrieben habe. Wenn ich sie mir jetzt anhöre, haben sie eine ganz neue Bedeutung bekommen. Es klingt manchmal so, als ob ich das alles vorhergesehen hätte. Das gilt vor allem auch für die Ereignisse der vergangenen Tage. „Under Stars“ habe ich eigentlich für meine beste Freundin geschrieben. Es geht darum, dass egal wo wir sind, immer den gleichen Himmel und die gleichen Sterne sehen.

Das könnte aber genauso gut auf einem Transparent in Washington stehen, bei einer Demo gegen Trumps Visa-Bestimmungen.

Amy Macdonald: Ja, es ist doch verrückt. Keiner von uns hätte sich so eine Entwicklung je vorstellen können. Aber gerade das mag ich an der Musik so sehr, es gibt keine Grenzen, keine Unterschiede. Menschen mögen den gleichen Song, egal aus welcher Schicht sie stammen, oder ob sie religiös sind oder nicht. Wenn man ein Lied mag, mag man es einfach. Man müsste nur viele der Regeln abschaffen, die den Alltag so verkomplizieren. Derzeit denke ich mir oft: Schlafe ich, träume ich? Oder passiert das alles wirklich? Ich habe erst gestern gelesen, dass der Berliner Bürgermeister gemeint hat, Trump sollte einmal mit Berlinern sprechen. Die wissen, was eine Mauer bedeutet und dass man Mauern besser niederreißt als sie zu bauen.

Keiner der Songs ist politisch motiviert. Bist du happy damit, dass einige nun sehr politisch verstanden werden könnten?

Amy Macdonald: Das ist großartig, denn es gibt ihnen eine größere Bedeutung. Das Tolle an Musik ist, dass jeder seine eigene Interpretation finden kann. „Under Stars“ ist, wie bereits zuvor angesprochen, ein Lied für meine beste Freundin, die für ein Jahr nach New York gezogen war und schreckliches Heimweh hatte. So großartig New York auch ist …! Wenn du aber ganz alleine bist, kannst du dich ganz schön isoliert fühlen. Ich bin ein paar Mal zu ihr geflogen um sie zu besuchen. Jedes Mal gab es beim Abschied eine echte Tragödie, sie war immer wie am Boden zerstört. Also geht es in dem Song um Freundschaft und um Freundschaftsbeteuerung.

Du bist eine politisch interessierte Person. Es stört dich also nicht, wenn Menschen einem deiner Songs eine politische Message unterstellen?

Amy Macdonald: Ich war schon immer an Politik interessiert, habe das aber nie jemandem aufgezwungen oder gar politische Texte geschrieben. Nichts davon. Ich werde auch niemandem vorschreiben, was er zu denken hat. Wenn mich Menschen nach meiner Meinung fragen, habe ich überhaupt kein Problem damit, über Politik zu sprechen. Aber ich würde nie eine Meinung predigen. Ich mag auch nicht, wenn das jemand bei mir versucht.

Du bist also definitiv keine Politik-Missionarin?

Amy Macdonald: Definitiv nicht! Ich bin eine Geschichtenerzählerin. Wenn natürlich so etwas wie derzeit auf der Welt passiert, hat das schon einen Einfluss auf mich. Es inspiriert mich manchmal.

Es würde dich nicht stören, wenn jemand einen deiner Songs in seiner Wahlkampagne verwendet?

Amy Macdonald: Das klingt zwar verrückt, aber im Prinzip habe ich keine Kontrolle darüber. Als Ronald Reagan „Born in the USA“ verwendet hat, ohne übrigens auf den Text zu achten …

Die Stones haben sich auch über Trump beschwert.

Amy Macdonald: Ja, aber die Rolling Stones können tausend Mal sagen, sie haben mit Trump nichts zu tun. Aber sobald deine Musik da draußen ist, kannst du nichts dagegen tun, dass sie jemand spielt. Das vergessen wir oft. Wir müssen nämlich niemandem die Erlaubnis erteilen, damit unsere Lieder verwendet werden dürfen. Wenn Trump einen meiner Songs nimmt ist da leider nichts, was ich dagegen tun kann.

Für den Titel „Under Stars“ gibst du die TV-Serie „House of Cards“ als Inspirationsquelle an. Dann meinst du wieder, dass „From the Ashes“ gut zu einem „Hunger Games“-Streifen passen würde. Siehst du Bilder oder Filme im Kopf wenn du schreibst?

Amy Macdonald: Die „House of Cards“-Referenz bezieht sich nur auf die Rolle von Kevin Spacey. Es hat mich wirklich fasziniert, wie sich sein Charakter entwickelt. Wenn mich etwas fasziniert, dann denke ich ständig darüber nach, immer und immer öfter. Dann schleicht sich so ein Gedanke auch in meine Musik ein. Manchmal habe ich am Beginn keine Ahnung, woher ein Song kommt. Erst wenn ich genauer darüber nachdenke, dann bemerke ich, dass sich da so etwas wie „House of Cards“ eingeschlichen hat.

Vor vier Jahren hast du mir erzählt, dass es für dich noch immer etwas ungewöhnlich ist, deine eigenen Lieder im Radio oder auch im Supermarkt zu hören. Hat sich das geändert?

Amy Macdonald: Nein, das wird wohl immer so bleiben. Erst vor ein paar Tagen war ich im Kino, und obwohl es nur ganz leise im Hintergrund lief, erkannte ich meine Songs sofort. Vor allem die Bass-Line von „This Is the Life“ ist unverkennbar. Da muss ich immer noch lächeln und mich daran erinnern, wie ich als 14-Jährige in meinem Zimmer gesessen bin und Gitarre gespielt habe. Hätte man mir damals gesagt, dass überall meine Lieder gespielt werden … Daran werde ich mich niemals gewöhnen, es ist noch immer aufregend!

Du bist gerade einmal 29 Jahre alt und hast bereits Riesenerfolge hinter dir. Ist es ein Fluch oder eher Segen, so jung so erfolgreich gewesen zu sein?

Amy Macdonald: Es ist keine Last, ich bin sehr dankbar. Ich habe ein ziemlich normales Leben, nicht so ein verrücktes wie Lady Gaga, die ständig von Kameras verfolgt wird. Ich habe viele Menschen, die mich in den zehn Jahren unterstützt haben, damit ich diesen verrücken Job machen kann. Und es ist der einzige Job, den ich jemals hatte. Das ist vielleicht für viele Menschen ziemlich krank. Für mich ist Musikmachen ein normaler Job. Ich durfte viele großartige Menschen treffen, ich konnte viel herumreisen, ich konnte meiner Familie und meinen Freunden unter die Arme greifen. Keiner hat große Probleme. Das ist vielleicht das Beste am Erfolg.

Zum ersten Mal hast du nicht alle Songs alleine geschrieben, sondern hast mit Mitgliedern deiner Band komponiert. Zwang dich das zu Kompromissen?

Amy Macdonald: Nein, gar nicht. Wir haben so viel Zeit miteinander auf Tour verbracht, da beginnt man bei Soundchecks, kleine, alberne Melodien zu erfinden. So sind über die Jahre etliche Nonsense-Songs entstanden und wir fragten uns, ob wir nicht einmal einen richtigen Titel gemeinsam machen sollten. Am Beginn war es für mich seltsam, vor den anderen meine Gefühle auszubreiten, die in den Texten stecken. Das hat sich schnell gelegt und „Automatic“ ist der erste Song, den wir gemeinsam geschrieben haben. Der war gar nicht so schlecht, also haben wir weitergemacht. Es war auch angenehm, dieses Mal nicht die gesamte Last des Liederschreibens zu tragen. Ich konnte mich zum ersten Mal komplett auf die Texte konzentrieren. Davon hat aber nicht einmal meine Plattenfirma gewusst. Erst, als ich ihnen die Demos schickte, meinten sie, ich soll sofort damit ins Studio gehen. Unterm Strich war es ein sehr angenehmes, natürliches Arbeiten. Ich denke, das werden wir vertiefen.

Bist du am Weg von der Solo-Künstlerin zur Band-Sängerin?

Amy Macdonald: Ich habe das nie getrennt gesehen, es waren immer ich und meine Band. Wir sind in den Jahren sehr zusammen gewachsen, das ist so ähnlich wie Bruce Springsteen und seine E-Street Band. Ich bin sehr happy, dass ich so eine großartige Band habe.

Du hast jetzt bereits zwei Mal Springsteen erwähnt. Als Bonus-Track auf der Luxus-Ausgabe des neuen Albums gibt es mit „I’m on Fire“ eine akustische Coverversion seines Hits. Wieso hat es der Titel nicht auf das reguläre Album geschafft?

Amy Macdonald: Weißt du, Plattenfirmen wollen für eine Deluxe-Ausgabe immer etwas Spezielles haben. Es war aber nichts Geplantes, wir haben im vergangenen Sommer diese Coverversion bei Festival-Gigs gespielt und die Fans haben sie gemocht. Als ich über die Extras für das Album nachdachte, fiel mir „I’m on Fire“ in letzter Minute ein.

Du wurdest 2014 zur schottischen Mode-Ikone des Jahres gewählt. Hat das den Umgang mit deinem Styling nachträglich verändert?

Amy Macdonald: Auszeichnungen wie diese bedeuten mir nicht wirklich viel. Ich sehe mich nicht so sehr als Mode-Ikone, aber das war damals eine Fan-Wahl. Fans konnten also ihre Stars nominieren. Da haben dann sehr viele aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz für mich gevoted. Das war nicht ganz fair, da die anderen Nominierten nicht so eine große Fan-Base hatten. Aber klar! Ich liebe Mode, Shoppen und Klamotten, nehme das aber nicht zu ernst.

 

Amy Macdonald kommt am 27. März in den Wiener Gasometer. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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