Very Angry: Bullet For My Valentine

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Entspannt, trotz höchst aggressivem Metalcore? Niemals Wutausbrüche, trotz sehr wütenden Texten auf dem neuen Album Temper, Temper? Keine exzessiven Partys mehr? Matt Tuck von Bullet For My Valentine ist ein ganz netter, sanfter Typ. Außer, wenn es um die Musik geht …

15 Jahre lang kannst du von Metal bestens leben. Deine Gedanken zur Karriere?

Matt Tuck: Die Zeit ist extrem schnell vergangen. Mit der ersten Band, Jeff Killed John, sind wir aufgewachsen, da haben wir noch gelernt. Seit wir 2004 mit Bullet angefangen haben, verschwimmt alles aufgrund des großen Erfolges. Ich kann gar nicht glauben, dass wir jetzt das vierte Album herausbringen. Bizarr! Ich hätte mir nie gedacht, dass ich von der Musik leben könnte, denn je härter die Musik ist, desto schwerer ist es, gutes Geld zu verdienen. Das Musikgeschäft ist eigentlich eine große Lotterie.

Habt ihr Temper, Temper wieder in Thailand aufgenommen?

Matt: Wir haben die meisten Songs wie bei Fever in Thailand geschrieben und auch aufgenommen. Das ist eine supernette Umgebung, entspannt und wunderschön. In dem tropischen Klima kann man schön chillen und kreativ sein. Als wir den Großteil fertig hatten, flogen wir heim, nach England, schrieben noch einige Titel und stellten das Album fertig.

„This is a fucked up World, Insanity is taking over“ – ist das deine Zustandsbeschreibung der Welt?

Matt: Ganz sicher, das ist unsere Realität! Auch wenn das Leben und die Erde an sich schon großartige Dinge sind. Wenn du dir die Nachrichten ansiehst, das Internet… da liegt vieles im Argen.

In einem Titel geht es darum, dass es schon mal gut tut, die Kontrolle zu verlieren und auszurasten. Wann passiert dir das?

Matt: Das ist zwar ein aggressiver Song, aber er ist in einer positiven Art und Weise gemeint. Es geht darum, negative Energie in einer geordneten, positiven Form rauszulassen, damit man sich danach gut fühlt. Mich kann man eigentlich nicht so leicht wütend machen und ich verliere niemals die Fassung. Für mich ist das Schreiben von Songs und sie mit meinen Freunden live zu spielen Aggressionsbewältigung.

Das entspricht aber gar nicht dem Metal-Image…

Matt: Die meisten Menschen die ich in Metal-Bands kenne, sind eigentlich sehr nette, coole Typen. Das sieht vielleicht auf den ersten Blick nicht so aus, aber es ist wirklich so.

In den Videos zu den Singles Temper, Temper und Riot geht es um den Kampf gegen Anzugtypen, Polizei und das Establishment. Wie wichtig sind euch Videos?

Matt: Das waren einfache Ideen, die Songs optisch umzusetzen, wir nehmen das nie zu ernst. Es gibt ein einfaches Konzept und das Ergebnis soll cool aussehen, da braucht es keine tiefere, theatralische Ebene. Mittlerweile ist die Bedeutung von Videos extrem zurückgegangen, da es keine echten Musik-TV-Sender mehr gibt. Die machen wir eher nur noch für den Online-Bereich, damit die Fans uns auch sehen und nicht nur hören können.

Die Zeiten haben sich seit dem Beginn von MTV dramatisch geändert.

Matt: Ja, was schade ist, denn durch die Rock-Clips bei MTV bin ich erst auf den Geschmack gekommen Musik zu machen. Heute, nach zwanzig Jahren, wirken die Musiksender angestaubt und sind eigentlich überflüssig geworden. Deshalb geben wir nicht viel Geld für die Produktion von Videoclips aus.

Es gibt eine Songzeile „Living on the edge of a knife“. Lebst du am Limit?

Matt: Der Song bringt die letzte Tournee auf den Punkt als die Gefahr bestand, dass alles außer Kontrolle gerät. Wir haben uns da sehr gehen gelassen, oft zu viel getrunken, zu viel Partys gemacht und herumexperimentiert. Das hätten wir bleiben lassen sollen. Das war schon ziemlich am Limit. Wenn man das zu lange praktiziert, kann das nicht gut gehen.

Das gesamte Album klingt höchst aggressiv. Weshalb?

Matt: Das stimmt, deshalb auch der Titel Temper, Temper. Die Texte sind sicher die wütendsten und aggressivsten, die ich jemals geschrieben habe. Das soll aber nicht negativ rüberkommen und wurde mir auch erst bewusst, nachdem das Album fertig war.

Hast du niemals sie Sehnsucht nach Love-Songs oder sanfteren Sounds?

Matt: Früher haben wir das ja gemacht, da leitet sich der Bandname ab. Auf Temper, Temper gibt es Titel, die im Grunde genommen Love-Songs sind, aber wir geben ihnen eine dunkle Farbe. Am Beginn waren wir zwar eine Metal-Band, doch die Texte drehten sich ausschließlich um Beziehungen, die großartig oder scheiße sein können.

Auf dem Cover von Temper, Temper finden sich blutige Hände. Steckt da eine bestimmte Idee dahinter?

Matt: Wir wollten dieses Mal etwas Einfaches, ich mochte die Farben und es soll an die EP Hand of Blood erinnern. Es passt auch gut zum Titel des Albums.

Ihr seid mit unzähligen Bands aufgetreten, die ihr als Vorbilder anseht, wie z.B. Metallica. Macht dich das stolz?

Matt: Bis heute kommt mir das nicht real vor. Die Shows, die wir mit diesen Bands gespielt haben, dass wir mit denen herumgehangen sind, Party gemacht haben. Ich bin mit diesen Bands aufgewachsen, das sind meine Idole. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich einmal mit ihnen auf der gleichen Bühne stehen könnte oder mit ihnen sogar befreundet bin. Es ist ein großes Privileg, Teil dieser Welt zu sein.

Ihr tretet bei Mega-Festivals auf und spielt schon mal kleinere Shows. Was ist besser?

Matt: Bei den großen Festivals hat man kaum Kontrolle, es gibt keine Sound-Checks, keine eigene Bühnenshow. Es ist aber die einzigartige Gelegenheit im Jahr, vor solch riesigen Massen zu spielen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Bei einer eigenen Tournee hat man die volle Kontrolle über die Produktion, wie lange man spielen kann und so weiter.

Wieso findet man über euch in der Presse keine Skandal- und Drogengeschichten? Das ist eigenartig…

Matt: Deshalb haben wir mit dem exzessiven Partymachen wieder aufgehört, denn es kam immer regelmäßiger vor und geriet außer Kontrolle. Ich hatte keine Lust auf Skandale oder negative Schlagzeilen.

Im Vorjahr hast du mit AxeWound ein zweites Projekt gestartet. Hast du zu viel Zeit?

Matt: Nein, zu viel Zeit habe ich auf keinen Fall (lacht)! Damals hatte ich zwei Wochen nichts zu tun, also haben wir elf Songs in nur elf Tagen geschrieben und aufgenommen, was in dieser kurzen Zeit ein Wahnsinn ist. Musikalisch ist das etwas ganz anderes, denn ich wollte keinen Klon von Bullet erschaffen.

Interview: Alexander Haide

Mitgröhlen ist angesagt, wenn Bullet For My Valentine am diesjährigen Nova Rock loslegen.

 

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