Videopremiere: Japanische Kampfhörspiele – „Weiß“

Japanische Kampfhörspiele

Am 2. September erscheint die siebente Studio-LP „The Golden Anthropocene“ der deutschen Grindpunk-Formation Japanische Kampfhörspiele. Bereits jetzt gibt es mit „Weiß“ einen gewohnt sozialkritischen Anreizer!

JAPANISCHE_KAMPFHOERSPIELE_Bandfoto2016Vom Grindpunk zum Popgrind zum Hyperpunk: Seit ihrer Gründung 1998 zeichnen die Ruhrpotter Japanische Kampfhörspiele für eine lärmuntermauerte Collagendichtung verantwortlich, welche die heutige Heuchler- und Konsumgesellschaft kritisiert: „hauptsache laut und launig“, wie es auf dem neuen Album „The Golden Anthropocene“ heißt. Stücke wie „Rauchen und Yoga“, „Verpackt in Plastik“, „Fresssucht“, „Der Homo Sapiens“ oder auch „Die Kriterien eines perfekten Produkts“ sprachen in der Vergangenheit bereits Bände.

Dass gewissermaßen nebenher – die Discographie umfasst bisher neben sechs Studioalben auch zahlreiche Splitveröffentlichungen, u.a. mit Das Krill und Eisenvater, sowie mehrere EPs, darunter die aktuell zweiteilige Hommage an deutschsprachige Musik, „Deutschland von vorne“ – auch zwei Gedichtbände entstanden, zeugt von Produktivität: Christof Kather, seines Zeichens Bandgründer, Schlagzeuger, Texter, Grafiker und Kopf der aktuell als Quintett formierenden Band präsentiert in seiner „Japanischen Kampflektüre“ Textpassagen, die auf keiner der bisherigen Veröffentlichungen vertont wurden.

Dass die Japanischen Kampfhörspiele zwischen 2011 und 2013 vorübergehend auf Eis gelegt wurden, tat gut – die Wiederkehr „Welt ohne Werbung“ (2014) reihte sich auf der hauseigenen Qualitätsskala irgendwo zwischen „Hardcore aus der Ersten Welt“ (2004) und „Rauchen und Yoga“ (2007) ein und konnte in der Fachpresse querbeet frenetische Reaktionen einheimsen. Nun steht mit „The Golden Anthropocene“ der siebente Studio-Longplayer vor der Türe, der am 2. September via unundeux auf CD und via Phantom Records auf LP den Weg in die heimischen Plattenregale finden soll. Mehr Informationen zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft findet man ausschließlich auf der Website der Band, dem sozialen Netzwerk verweigert man sich nach wie vor – die Band ist, mit Verweis auf eines der neuen Stücke, nach wie vor „anti“, hat weder Facebook noch eine Wii-Box, ein Charlie-Hebdo-Abo oder ein Tattoo.

Wir präsentieren hiermit nicht nur Cover und Tracklist der neuen Scheibe, sondern mit „Weiß“ auch die erste Videosingle und zudem vier ziemlich abgefuckte Fakten zu „The Golden Anthropocene“:

Japanische Kampfhörspiele

Es musizieren und kritisieren 41 Minuten lang: Christof Kather, Marco Bachmann, Markus Hoff, Martin Freund und Robert Nowak.

01. Verklappt
02. Weiß
03. Planeten planieren
04. Antisein
05. Ping
06. Posthumane Weltregierung
07. Reiz-Reaktion-Automat
08. Der Untergrund
09. Folter und gezieltes Töten
10. Pimmel kneten
11. Tellerrand (feat. Junge of EA80)
12. Mitmachdiktatur
13. Burnout ausgesessen
14. Absolution in spe
15. Der Durchschnittsmensch
16. Smart
17. Weltorganismus
18. Tag 1 nach den Menschen (feat. Christian Markwald von Diaroe)
19. Aus dem Mark der Nebenniere 2016
20. Verpasst (Bonus Track CD) / Beyond Earth (Bonus Track LP)

Fakt 1/ Mit „The Golden Anthropocene“ trägt zum ersten Mal in der 18-jährigen Geschichte der Band ein Album einen englischen Titel. Ob ihr das endlich den langersehnten, internationalen Durchbruch verschaffen wird? Das wollen wir ja mal nicht hoffen!

Fakt 2/ Yin Yang JAKA? Von wegen! Während JAKA-Style bisher immer bedeutet hatte, aus vielem Falschen zwischen Tür und Angel aufgenommenem etwas zu destillieren, was, wenn überhaupt, erst auf dem Wege der Entstehung korrigiert, größtenteils aber einfach so gelassen wurde, ist das neue Album nach westlichem Standard generalstabsmäßig durchgeplant und in einem ordentlichen (!) Studio aufgenommen worden. Gemischt hat die Platte Starproduzent Carsten Benninghoff, und zwar – kein Witz! – auf einer Müllhalde. Gemastert hat sie der legendäre Tim Schuldt in den weltberühmten 4CN-Studios in Bochum.

Fakt 3/ Insgesamt 20 Tracks befinden sich auf dem Album, darunter auch einige Short-Proses à la „Luxusvernichtung“. Wenigstens hier blieben sich die JAKA treu.

Fakt 4/ Die Texte sind zum Teil nicht unstrittig, da anschlussfähig an rechts und links und grün und rot. Auch das also im Grunde wie immer.

Zum Auswendiglernen für die Karaoke-Stunde:

Hinter der Fassade der Freundlichkeit
definiert man, was Wahrheit ist.
Unter linken Vorzeichen bringt man auf Linie,
gibt sich als Antirassist.
Ist aber einer, denn das weiß ja jeder,
unser super dupa Lebensstil
stützt sich auf das Recht des Stärkeren
und noch ist der Stärkere weiß.

Weiß wie grüne Energie. Weiß wie
Kinderarbeit nach dem Social Washing.
Weiß wie das viele Unrecht, das man stets guthieß,
ein Erdölteppich im Paradies.
Weiß wie eine strahlende Zukunft.
Weiß wie die schmutzige Vergangenheit.
Weiß wie der Ernst der Lage,
der Glaube an die eigene Unverwundbarkeit.

Weiß wie frisierte Abgaswerte.
Weiß wie ein deutsches Kanonenrohr.
Weiß wie militärischer Humanismus.
Weiß wie französischer Trauerflor.
Weiß wie ein Gewissen ohne Regeln.
Weiß wie die koloniale Last.
Weiß wie Himmlers schwarzer Orden,
neben dem die verblasst.

Weiß wie ein gebleachtes Arschloch.
Weiß wie das Böse im Anzug.
Weiß wie ein Container in Nevada,
eine Reaper-Drohne im Anflug.
Weiß wie unsere Verantwortung in der Welt.
Weiß wie ein Luftschlag, ausgeführt mit größter Präzision.
Weiß wie ein Burn-out-Ascheregen,
dein mickriger Stundenlohn.

Weiß wie die Freundlichkeit der Googlewelt.
Weiß wie ein Shitstorm zur schönsten Jahreszeit.
Weiß wie Smoothiegefühl und Austrittswunde,
verkitschtes Grauen, heilige Scheiße, oh my god!

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