VILLE VALO – DER NACHDENKLICHE FINNE

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Seit über 15 Jahren steht die Love-Metal-Band rund um Frontman Ville Valo schon auf der Bühne. Kann man da eigentlich noch leidenschaftlich dabei sein? Wie hat man den Fortschritt in der Musikindustrie erlebt? All das und viel mehr war der sympathische Sänger bereit zu erzählen.

Du bist nun schon sehr lange im Musikbusiness …

Ville Valo: Wenn du es wirklich Business nennen willst. Wir sind Musiker und bringen ein paar schlechte Platten heraus.

Was motiviert dich noch immer?

Ville: Songs und die Musik. Wir hatten mit Join Me In Death großen Erfolg und haben das sogenannte Business ziemlich gut kennengelernt. Wenn du das einmal kennen gelernt hast, realisierst du wieder, dass Musik das Wichtigste ist. Von dem ganzen Business-Zeug willst du dann einfach nur weg. Musik, mit dem ganzen Drumherum – wie beispielsweise im Proberaum abhängen und einfach nur Lärm machen – das motiviert mich einfach.

Was zeichnet die skandinavische Musikszene aus?

Ville: Die finnische Szene ist nicht so weit entfernt von der norwegischen. Dort gibt es Bands wie Turbonegro oder Kvelertak – die machen wirklich einzigartige Musik. Schweden war eigentlich immer als Popnation bekannt, aber auch die Metalszene ist sehr groß. Schweden zieht da sein eigenes Ding durch, die Bands dort sind nicht so ein Einheitsbrei. In Skandinavien ist es generell so, dass Menschen ihre eigene Identität behalten wollen und das ist das Spezielle daran. Ich denke, dass wir im Norden alle irgendwie auf dem gleichen Level sind. Nur in Dänemark ist es ein bisschen anders – es gibt nicht so viele dänische Bands, die über die Grenzen bekannt sind. Es gibt Volbeat, das ist fast schon eine Ausnahme – die sind riesig!

Meinst du, dass Finnland typisch skandinavisch ist? Es liegt ja auch sehr nahe an Russland …

Ville: Hier kann man nur spekulieren. Ich habe ja nichts, mit dem ich es vergleichen könnte. Finnland ist ein sehr kleines Land. Viele Menschen denken gar nicht an die Möglichkeit, aus diesem auszubrechen – oder auch als Band über die Grenzen hinauszugehen. Wir haben es versucht und waren erfolgreich. Es war natürlich eine große Herausforderung und nicht immer einfach. Man muss es wirklich wollen und auch darum kämpfen. Aber wir sind sehr glücklich, dass wir diesen Schritt getan haben.

Wenn du einen Tag lang mit einem anderen Musiker tauschen könntest – wer wäre das?

Ville: Ich habe letzte Nacht nur drei Stunden geschlafen, wir hatten eine sehr anstrengende Reise – deshalb würde ich zurzeit am liebsten mit Elvis tauschen. Ich würde gerne im Sarg liegen (lacht).

Im Oktober werdet ihr ja auch wieder in Wien ein Konzert geben …

Ville: Ja, wir arbeiten an einer großen Europa-Tourne. Wir werden im Gasometer spielen, das Venue kennen wir schon gut. Vor der Europa-Tour starten wir im August in Amerika, wir spielen mit Volbeat als Coheadliner. Es wird viel zu tun sein. Wir werden so um die 50, 60 Gigs in drei Monaten haben.

Wie ist es denn für dich fast jeden Tag in einer anderen Stadt aufzuwachen?

Ville: Man gewöhnt sich schnell daran. Es ist eigentlich auch einfacher, als auf Festivals zu spielen. Festivals sind so wahnsinnig groß und es arbeiten so viele Menschen daran. Auch das Publikum ist viel verrückter als bei einer Einzelshow. Wenn du tourst, schläfst du einfach ganz bequem im Bus – du kommst dann ganz leicht in den Bus-Modus. Du musst über nichts nachdenken – auch nicht darüber deine Rechnungen zu bezahlen (lacht). Man muss sich nur darum kümmern, dass man gesund bleibt, gute Auftritte abliefert und dass man gesund nach Hause kommt.

Siehst du eigentlich irgendetwas von den Städten, in denen du spielst?

Ville: Das kommt darauf an. Meistens sind die spielfreien Tage dann als Reisetage eingeplant. Es ist aber auch schön, wenn man weitere Strecken mit dem Bus fährt – in Amerika zum Beispiel. Da sieht man zwar nicht unbedingt Städte, aber sehr aufregende Landschaften und Orte, an denen du dich sonst nie aufhalten würdest, an denen es noch keine Touristen gibt. Ich finde es auch gut, öfter an den gleichen Orten zu spielen. Das gibt mir die Möglichkeit immer mehr über sie zu erfahren.

Meinst du dass Styling und Attitüde als Musiker wichtig sind?

Attitüde auf jeden Fall! Man muss sie in allen Bereichen besitzen. Du musst deinen Träumen und deiner Leidenschaft folgen. Es muss nicht zwangsmäßig etwas damit zu tun haben ein Star zu sein. Manche Leute programmieren Computer, manche Leute putzen leidenschaftlich. Das ist sehr wichtig!

Was denkst du über YouTube-Wunder? Ist es nicht sehr schwierig, mit dem schnellen Erfolg umgehen zu müssen?

Ville: Es gab so etwas ja früher auch schon – man denke an Kinderfernsehstars. Das einzige, das ich an YouTube problematisch finde ist, dass das ganze mysteriöse wegfällt. Es kann schon jeder Auftritt online gestellt werden. Ein paar Jahre früher, war es noch anders – da wusste man noch nicht genau was auf einen zukommt, wenn man ein Konzert von dieser oder jener Band besucht. Ich persönlich bin auch nicht sehr an Sozialen Netzwerken interessiert – es ist schon gut, dass es sie gibt, aber mir geht das Private dabei ab. Ich bin gerne ein privater Mensch – eigentlich vermisst das fast jeder zurzeit. Es gibt Handys, Facebook, Mails und das alles – es hat aber früher auch funktioniert, ohne dass jeder alles über den anderen wusste und man immer erreichbar war.

Wie siehst du in diesem Zusammenhang die Entwicklung weg von haptischen Tonträgern hin zu digitalen?

Ville: Das gab es ja eigentlich schon vor Platten und CDs – das Radio. Da hatte man auch nichts in der Hand und hörte einfach zu. Noch viel früher waren es einfach nur Konzerte – man denke nur an den Typen aus Salzburg. Die Live-Auftritte sind noch immer wichtig, das kannst du mit deinem Smartphone nicht erleben!

Das ist ein interessanter Ansatz – so hat das noch niemand gesehen!

Ville: Ich bin sicher nicht allwissend – das ist niemand. Außerdem wird Iggy Pop immer besser als alle anderen sein (lacht).

 

Interview: Petra Albrecht

 

Am 13. Oktober kann man den sympathischen Ville mit HIM im Wiener Gasometer live erleben!

 

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