VOLUME + BEAT = VOLBEAT

Die dänische Metal-Band Volbeat ist eine der angesagtesten am Rockolymp. Dass Dänen sympathisch sind und Rock noch lange nicht tot ist, beweist Schlagzeuger Jon Larsen, der gerne über die Beatles und Horrorfilme plaudert.

Euer neues Album Outlaw Gentlemen & Shady Ladies erscheint im April – wer von euch hatte die Idee, ein Album über Revolverhelden des 19. Jahrhunderts zu machen?

Jon Larsen: Eigentlich weiß ich es gar nicht mehr so genau. Als wir die letzten Jahre auf Tour waren, hat Michael (Anm.: Gesang, Gitarre) viele Bücher und Artikel über den alten Westen gelesen. Außerdem hat er viele gute, aber auch schlechte, Western gesehen. Ich glaube, irgendwann kam ihm dann einfach die Idee ein Album zu machen und kleine Stories über den Wilden Westen in diesem zu unterzubringen. Ich glaube auch, dass die damalige Zeit, die Gesetzlosen, die Gangster und das ganze Drumherum ziemlich faszinieren.

Magst du eigentlich Western? Auch lustige Filme wie solche mit Bud Spencer und Terence Hill?

Jon: Diese nicht so sehr. Ich mag eher die Klassiker mit John Wayne, wie z.B. Rio Bravo. Außerdem bin ich ein großer Clint Eastwood Fan. Ich mag auch seine neueren Sachen.

Fördert Dänemark eigentlich junge Musiker?

Jon: Ich glaube schon. Bei uns ist das schon etwas her, dass wir Amateurmusiker waren. Es gibt eine Organisation, die junge Bands beim Booking unterstützt und ihnen auch ermöglicht als Vorband zu spielen. Zum Glück gibt es noch einige Menschen, die kleinere Acts unterstützen.

Ihr spielt auf vielen Festivals – was magst du persönlich daran?

Jon: Wenn das Wetter gut ist, kann auf einem Festival zu spielen echt ein fantastisches Erlebnis sein. Wenn es wie verrückt regnet, ist es eher eine Schlammschlacht. Prinzipiell finde ich Festivals aber cool, weil man die Gelegenheit hat, mit vielen Menschen abzuhängen und sich auch andere Bands anzusehen. Außerdem bekommt man selten die Möglichkeit vor so einer großen Menschenmenge zu spielen. Als ich noch jünger war und Festivals besucht habe, konnte ich so auch viele neue Bands kennenlernen.

Glaubst du, dass Menschen wegen der Musik auf Festivals gehen?

Jon: Ich glaube, dass das Besuchen von Festivals hier in Dänemark schon Tradition wurde. Man geht dann einfach hin, nur um dort zu sein – wie eine Art Sommerurlaub. „Hey, es ist Festivalzeit, gehen wir einfach hin, weil wir das auch gemacht haben, als wir jünger waren.“  Abgesehen davon glaube ich – und hoffe auch – dass viele noch immer wegen der Musik kommen.

Warum hast du dich für das Schlagzeugspielen entschieden?

Jon: Als ich zehn Jahre alt war, habe ich die Beatles im Fernsehen gesehen – einen ihrer Filme, so alt bin ich nun auch wieder nicht (lacht). Das war wohl eines der beeindruckendsten Dinge, die ich bis zu diesem Zeitpunkt in meinem ganzen Leben gesehen habe. Speziell der kleine Typ hinter dem Schlagzeug hat mich gefesselt. Jeder hat ihn ein bisschen verarscht, aber er hat es einfach mit einem Lächeln hingenommen. Er war auch extrem witzig! Ich fand einfach: „Das ist ja ein toller Job, das möchte ich machen wenn ich groß bin!“ Ich wollte dieser kleine Typ sein. Nun ja – Ringo bin ich nicht geworden, aber fast (lacht).

Hast du auch so viel Spaß wenn du spielst?

Jon: Natürlich! Wenn man keinen Spaß an der Sache hat, ist es Zeit aufzuhören. Manchmal, wenn du zum Beispiel krank bist, macht es natürlich nicht so viel Spaß. Aber es ist wichtig seine Freude und Begeisterung nie zu verlieren wenn man auf die Bühne geht. Wenn du das nicht mehr hast, dann ist es – nichts für ungut – wie ein alltäglicher Beruf.

Gibt es Musik, die du absolute nicht leiden kannst?

Jon: So hart würde ich das nicht sagen – ich verstehe einfach manche Sachen nicht. Ich bin ziemlich konservativ, wenn es um Musik geht. Ich bin einer derjenigen, der keine neue Musik mehr kauft, sondern eher die alten Sachen – auch alle remasterten Versionen. Es ist eher selten, dass ich etwas Neues finde, das mir gefällt. Ich glaube, ich bin irgendwo zwischen den 60ern und 80ern hängen geblieben. Natürlich gibt es eine neue Generation für jede Art von Musik. Rock, Elektronik, Rockabilly oder wie auch immer. Und das ist auch gut so.

Du tourst sehr viel – hast du dir schon einmal überlegt in eine andere Stadt zu ziehen?

Jon: Nein. Ich glaube ich werde nie aus Dänemark wegziehen. Ich schaue mir gerne andere Städte an – vor allem in Europa, weil hier immer so viel Geschichte dabei ist.

Wie hat es sich angefühlt, als du bemerkst hast, dass du berühmt bist?

Jon: Also ich würde nicht sagen, dass ich berühmt bin. Ich kann noch immer einfach auf der Straße spazieren, ohne dass mich jemand erkennt.

Weil du der Drummer bist?

Jon. (lacht) Ja, ich glaube daran liegt es!

Ist Musik für dich Kunst?

Jon: Das kann es sein. Es ist ja auch ein Handwerk. Genauso wie ein Bild oder eine Fotografie. Aber man braucht z.B. auch ein gewisses Geschick um in einer Fabrik eine Maschine zu bedienen. Eigentlich kann alles eine Form von Kunst sein. Auch Autorennen – nicht jeder kann das!

Kaufst oder sammelst du eigentlich Magazine?

Jon: Nicht mehr. Als ich ein Teenager war, habe ich Spiderman Comics gesammelt. Aber die werden hier in Dänemark leider nicht mehr gedruckt. Das einzige Magazin, das ich kaufe ist das amerikanische Filmmagazin Fangoria – das beschäftigt sich mit Horrorfilmen generell. Manchmal kaufe ich auch Musikmagazine – wenn sie etwas ganz spezielles beinhalten. Ich habe mir letztens z.B. das britische Magazin Uncut gekauft, weil sie ein großes Special über die Beatles brachten.

Das heißt du magst Horrorfilme?

Jon: Oh ja! Mein Lieblingsfilm – wenn das unter Horror fällt  – ist Der weiße Hai.

Und bei den „echten“ Horrofilmen müsste ich eine Münze werfen zwischen Der Exorzist und dem originalen Frankenstein.

Wenn du eine historische Persönlichkeit sein könntest, wer wäre das?

Jon: Hmm … darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich mache mir Gedanken und beantworte es dir das nächste Mal wenn du fragst (lacht).

Interview: Petra Albrecht

 

Outlaw Gentlemen & Shady Ladies ist bei Vertigo Berlin (Universal) erschienen.

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