Voll-Gass

Sie haben den „besten Song der Welt“ geschrieben und wurden soeben mit einem Grammy für „Best Metal Performance“ ausgezeichnet: Tenacious D. Dass die eine Hälfte, Kyle Gass, nebenher auch noch Mitglied beim KGB ist, wissen jedoch die wenigsten.

 

KGB, damit ist ausnahmsweise nicht der sowjetische Geheimdienst gemeint, sondern die Kyle Gass Band, die nun danach trachtet, ihr Debüt auch auf der anderen Seite des Teiches vorzustellen. Zugegeben, man muss schon ein bisschen Musik-Nerd sein, um KGB als „Supergroup“ zu titulieren: Nix mit Dave Grohl am Schlagzeug, mit Lemmy am Bass oder Slash an der Gitarre. Nichtsdestotrotz ist Kyle Gass mit seinen Mitstreitern der Sprung weg vom „D“-Comedy-Rock gelungen, hinein in ein Fahrwasser irgendwo zwischen Eagles Of Death Metal und Ugly Kid Joe, Kid Rock und The Beach Boys. Aber lest selbst, was der sympathische Kalifornier, der zum Interview im Schlabberlook stilecht mit Badeschlapfen und Sportsocken aufkreuzt, über seine musikalischen Ambitionen auch ohne Jack Black zu erzählen hat!

 

Warum nur, warum Socken in Flip-Flops?

Es schaut verdammt gut aus!

Es ist eigentlich ziemlich „deutsch“.

Ist das etwas Negatives? Ihr seid doch gewissermaßen Brüder?

In etwa so wie England und Irland, Amerika und Mexiko, ja. Wenn wir schon Modepolizei spielen: Welchen Körperteil würdest du dir bleichen lassen?

Meine Augenbrauen. Ich steh voll auf den Look, den David Bowie mit rasierten Augenbrauen hatte, oder auch Die Antwoord. Ziemlich fertig …

Mir kommt vor, dass du mit der Kyle Gass Band – nicht nur textlich, auch musikalisch – radiotauglicheres Material geschrieben hast als mit Tenacious D. Absicht?

Hoffentlich sehen das die Radiostationen ähnlich (lacht). Selbst Tenacious D bekommen in den Staaten – abgesehen von „Tribute“ – kaum Airplay. Jedenfalls war es nicht Absicht, mit KGB „fürs Radio“ zu schreiben, zumal das Songschreiben für mich immer noch ein kleines Wunder ist, das passiert, wann und wie es will.

Schreibt es sich mit KGB und The D anders an den Songs?

Absolut. Bei Tenacious D sitzen Jack und ich rum und improvisieren, klauben anschließend die guten Stücke zusammen. Bei KGB sind dann doch mehr Musiker involviert, die auch unabhängig voneinander schreiben.

Zum Anbeginn der Rockmusik war die Produktivität der Musiker viel höher. Kannst du hierfür einen Grund finden?

Gute Frage. Die Beatles haben ein bis zwei Alben pro Jahr rausgebracht, und sie alle gelten heute als Klassiker! Bei Tenacious D haben wir einen Kreislauf von fünf, sechs Jahren, im Normalfall sind es wohl zwei bis drei. Aber: Ich weiß nicht, warum. Natürlich ist dieser ganze Business-Kram heute langwieriger. Aber auch ich als Musiker bin einfach nicht so produktiv wie eben die Beatles oder ein Bob Dylan – auch wenn ich es gern wäre: Erzwingen kann ich es nicht, und halbgaren Mist abliefern möchte ich noch viel weniger. Das Schreiben neuer Songs ist jedenfalls nicht meine Lieblingsbeschäftigung, es ist manchmal einfach frustrierend, die einzelnen Bestandteile zusammen zu klauben und richtig zu sortieren. Und dann ist es auch wieder sehr persönlich und du hast Angst, dass es die Leute nicht mögen. Es ist irgendwie manchmal ein sehr waghalsiges Manöver.

Was macht einen guten – nein, den besten! – Rocksong aus?

Ein geniales Riff, eine ekstatische Stimme, Spannung, Pep – und natürlich das obligatorische Solo.

Würdest du KGB auch als Versuch sehen, dich als „ernsthaften“ Musiker zu etablieren?

Ich nehme mich bei Tenacious D genauso ernst wie bei KGB, das ist mein Job. Das hindert mich aber nicht daran, auch Spaß an der Sache zu haben – und mich gleichzeitig auf meinem Instrument weiterzuentwickeln, immerhin sind mir Mike Bray und John Konesky meilenweit voraus. Das ist stellenweise dann schon eine Herausforderung, und da wären Gedanken über meine Wirkung echt nur Zeitverschwendung.

Wie gewichtest du beide Bands?

Tenacious D mache ich schon seit 20 Jahren und wir haben durchaus Erfolg damit, also ist es schon mein Hauptaugenmerk. Aber KGB macht immens viel Spaß, Spaß, den ich mir aber nur leisten kann, weil Tenacious D meine Rechnungen bezahlt. Du musst ja auch bedenken: Bei KGB sind wir fünf Leute, nicht nur zwei – und bei Weitem nicht so populär.

KGB trägt deinen Namen auch als Bandnamen …

Ja, weil ich der Berühmteste von allen bin (lacht).

Naheliegend. Was sind deine Lieblingsbands, die auch den Namen eines – des berühmtesten – Musikers im Titel tragen?

Die Dave Matthews Band mag ich schon einmal nicht … Bon Jovi? Auch Mist. Ich glaube, ich bin da in eine miese Tradition gerutscht … Wir sollten uns wohl umbenennen.

Nun, die Jimi Hendrix Experience könnte dich noch erretten …

Das ist ein gutes Beispiel, ja! Vor KGB spielte ich neben The D auch schon bei Trainwreck, und wir wurden immer mit „featuring Kyle Gass von Tenacious D“ beworben. Das war mir zwar etwas unangenehm, wenn auch aus Marketingsicht verständlich – also haben wir uns nun gedacht, wir nehmen meinen Namen gleich in den Bandnamen mit rein, um die Sache zu vereinfachen. Dennoch: Die Kyle Gass Band bin nicht nur ich, das ist ein Team.

Also bist du kein Band-Diktator?

Nein, also schon (lacht). Es tendiert schon eher in die demokratische Richtung.

Wer ist die Spaßkanone bei KGB?

Wir haben gemeinsam viel Spaß, KGB ist nicht einfach nur „meine Begleitband“, sondern sie sind tatsächlich Freunde, mit denen man auch gemeinsam herumalbert und lacht. Es ist gewissermaßen eine permanente Party.

Aber die „Bromance“ ist schon Jack-exklusiv?

Bromance ist immer und überall! Aber natürlich sehr individuell.

 

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Sind „Bro Hos“ besser als „Girly-Girls“?

Mike hat den Text zu diesem Song geschrieben. Es kommt wohl drauf an. Aber irgendwie sind doch alle Frauen gut, oder? Zumindest ich mag alle Frauen (lacht). Natürlich ist’s toll, mit einer Frau auch „Jungs-Sachen“ machen zu können, aber alle Frauen sind irgendwie … magisch.

Siehst du Unterschiede zwischen Film- und Rockstars?

Definitiv. In Amerika ist „Rockstar“ synonym mit „Gott“ zu sehen, so wirst du geadelt, auch wenn du gar keine Musik machst, sondern als Physiker, TV-Moderator oder was auch immer immens populär bist. „Rockstar“ ist die Freifahrt zur Sonderbehandlung, immer und überall. Gut, als Hollywood-Star ist das nicht viel anders, aber dein Publikum ist weniger direkt „bei dir“: Dort arbeitest du zwischen Bluescreens und Stativen, bevor du auf die Leinwand kommst, als Rockstar stehst du auf der Bühne und fühlst die Fans richtiggehend vor dir. Das macht Spaß. Andererseits: Ich bin auch kein wirklicher Filmstar, also muss ich mich so oder so wohl mit der Rockstar-Kategorisierung anfreunden (lacht).

Wer ist dein „Guitar Hero“?

Die üblichen Verdächtigen: Jimmy Page, Hendrix, aber auch sehr viele, die rein akustisch spielen, so wie Paul Simon, James Taylor oder auch Monte Montgomery, der seine Akustikgitarre durch Amps jagt. Sehr gerne höre ich auch die großen Jazzer wie George Benson, Tal Farlow, Barney Kessel und Joe Pass – allerdings lebe ich viel lieber in meiner eigenen Traumwelt, ich spiele lieber selber, als dass ich mir andere Musiker anhöre.

Hast du nach wie vor Lampenfieber?

Manchmal, ja. Eher mit Tenacious D, weil wir da teilweise schon vor einem gewaltigen Publikum spielen. Aber nach ein, zwei Stücken geht das dann meistens auch vorüber. Ganz am Anfang war das für mich schon schlimm, da wollte ich mich nicht selten mit dem Rücken zum Publikum drehen (lacht).

 

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