Volldampf mit Volbeat

Volbeat

Volbeat gehören zu den wenigen „jungen“ Bands, denen Festival-Headlinerqualitäten attestiert werden. Mit dem neuen Album „Seal The Deal & Let’s Boogie“ wird die Erfolgsgeschichte um ein gewichtiges Kapitel erweitert – ein Ende der Erfolgssträhne ist nicht in Sicht.

Volbeat Live 2013 - CMS Source

Die Festivals werden vorrangig von den Dinosauriern der Pop- und Rock-Szene angeführt, obwohl man die großen Bands ohne ewig zurückreichende Vergangenheit mittlerweile mit der Lupe suchen muss. Nur ganz wenige jüngere Combos schafften es, die Phalanx der Größen aus den 70er- und 80er-Jahren zu durchbrechen, um selbst zu Vorbildern und Wegbereitern für die musikalische Zukunft zu werden. Coldplay, die Foo Fighters oder Muse sind die wohl berühmtesten Beispiele – mit Volbeat könnte aber bald eine weitere Band an die Spitze stoßen. „Wir werden sehen, ob wir auch einmal zu einer Legende werden“, gibt der stets gut gelaunte Sänger und Gitarrist Michael Poulsen im Interview bekannt, „ich verschwende jedenfalls keinen Gedanken daran. So etwas sollte man nicht jagen. Ob wir mitten am Tag auftreten oder spätnachts als Headliner ist eigentlich einerlei“.

Erfolg versus Nostalgie

Zu viel Bescheidenheit für ein musikalisches Erfolgsmärchen, das in Zeiten von Streaming und nicht enden wollender Nostalgie tatsächlich unerwartete Blüten trieb. Für das sehr poppig geratene 2013er-Album „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ kassierten Volbeat nicht nur drei Platinauszeichnungen, sondern durften sich auch über zahlreiche Premieren freuen. Erstmals Nummer eins in Österreich und Deutschland, erstmals Top 10 in den USA und zum krönenden Abschluss vor der mehrmonatigen, dringend benötigten Livepause ein Konzert vor 35.000 Fans in der dänischen Heimat Odense.

2016 wird diese Erfolgsgeschichte nahtlos weitergeschrieben. Nachdem die Band im April erstmals beim Coachella-Festival in Kalifornien auftrat, folgen zahlreiche Europa-Termine – unter anderem ein Headliner-Auftritt am 11. Juni beim Nova Rock in Nickelsdorf. „Ganz ehrlich, ein paar Österreicher erkenne ich immer, die Gesichter der ersten Reihe merke ich mir!“

23249Diese werden bereits die ersten Songs aus dem brandneuen Album „Seal The Deal & Let’s Boogie“ zu hören kriegen, für das sich Volbeat nicht nur erstmals drei Jahre Zeit ließen, sondern auch die thematische Ausrichtung veränderten. „Es gibt kein bestimmtes Konzept“, erklärt Poulsen, „aber ich habe mich verstärkt mit Voodoo-Geschichten aus den alten Tagen von New Orleans befasst.“ Insgesamt 27 Songideen hat Poulsen vor der Finalisierung des Albums gekübelt und zeigt sich mit dem 14 Songs starken Endergebnis zufrieden wie nie zuvor. „Die alten Volbeat-Fans werden bestimmt happy sein, gleichzeitig haben wir unseren Stil weiterentwickelt, um interessant zu bleiben.“ Neben den typischen Rockabilly-Songs mit Mitgröl-Charakter gibt es auf „The Gates Of Babylon“ orientalische Gitarren zu hören, mit dem Georgia Satellites-Cover „Battleship Chains“ hat sich die Band verstärkt um ihre Country-Liebe gekümmert und auf „Goodbye Forever“ setzen die Dänen sogar einen Gospelchor ein, womit sich Poulsen einen lang gehegten Wunsch erfüllte.

Back to the roots

Die breitenwirksamen und sehr eingängig vorgetragenen Kompositionen garantieren den nächsten Chart-Erfolg, der Volbeat wieder stärker in den Mainstream-Fokus stellen wird. Je größer und erfolgreicher die Konzerte werden, umso stärker denkt Poulsen aber auch über eine Rückbesinnung auf seine Wurzeln nach. Seine musikalische Karriere begann 1991 bei der dänischen Death-Metal-Band Dominus – den Kontakt zu der Szene hat er nie verloren, was Gastbeiträge von Kreator-Sänger Mille Petrozza, King Diamond oder Napalm-Death-Brüllwürfel Barney Greenway auf den letzten Volbeat-Alben bewiesen. „Mit Barney habe ich schon oft über ein Side-Project gesprochen, das wohl ziemlich brachial enden wird“, lacht Poulsen, „ich bin aber auch mit dem alten Morgoth-Sänger Marc Grewe in Kontakt. Wir sprachen mehrfach über ein richtiges Oldschool-Death-Metal-Projekt.“

Bis dorthin bleibt aber genug Zeit, um weiterhin die Massen zu verzücken und vielleicht tatsächlich in die Fußstapfen von Metallica, Iron Maiden und Co zu treten.

Volldampf

Michael Poulsen hat also Lust auf ein richtiges Oldschool-Death-Metal-Projekt. Der Däne ist aber bei Weitem nicht der einzige Musiker, der gerne mit anderen Genres flirtet.

Federführend beim kreativen Fremdgehen sind etwa die beiden Carcass-Masterminds Jeff Walker und Bill Steer. Ersterer veröffentlichte mit zahlreichen Freunden und Gaststars unter dem Namen Jeff Walker und die Flüffers ein Country-Album, Steer hingegen ist seit 2009 Mitglied der britischen Rocker Gentlemans Pistols, nachdem er bereits bei Firebird in fremden Teichen fischte. Da er nach langen Touren „die Schnauze voll“ von lautem Death Metal hatte, entwickelte Nile-Mastermind Karl Sanders gemütliche Ambient/Folk-Klänge und veröffentlichte sie unter seinem Namen. Ob Poulsen bei Volbeat aber jemals so weit gehen würde wie Jason Newsted bei Metallica, bleibt fraglich. Dieser verließ die Band 2001 unter anderem deshalb, weil er sein Alternative-Rock-Projekt Echobrain forcieren wollte, und ihm das von James Hetfield untersagt wurde. Manchmal gewinnt das Herz eben doch gegen den Kopf.

 

Mit neuem Album im Gepäck werden uns die Dänen in unseren Breitengraden u. a. am Rock am Ring und Rock im Park sowie am burgenländischen Nova Rock (9. bis 12. Juni) von ihren Qualitäten überzeugen. Napalm Death spielen (mit den sensationellen Cattle Decapitation) am 25. Juli in der Wiener Arena!

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