Von der Tolle – The Baseballs

Rock n‘ Roll ist ihr Ding. Genau wie das Markenzeichen des Berliner Trios von The Baseballs: die gerollte Elvis-Tolle. Eher weniger kann die Band dafür mit dem Eurovision Song Contest oder Lana Del Reys Depression anfangen. Mehr dazu beim !ticket- Interview in der Wiener Ottakringer Brauerei.

Es sind nur wenige Stunden bis zum Aufritt von The Baseballs. Der Geruch von Malz und Hopfen, zusammengebraut in Ottakring liegt in der Luft. Kein Wunder, dass Sam an Bier denkt:

Sam: Wie heißt dieses Bier umgangssprachlich?

Sechzehner Blech. Und habt ihr auch schon Käsekrainer gegessen? Die wird „Eitrige“ genannt.

Sam: Ach Käsekrainer. Wir lieben Käsekrainer…

Digger: Wie ekelhaft ist das denn?

So sind die Wiener eben…

Digger: Manchmal ein bisschen derbe, aber gut.

Die Eitrige gab’s in den 50ern und 60ern noch nicht. Euch beeinflusst aber die Musik aus genau dieser Zeit. Warum?

Sam: Rock n‘ Roll- Musik macht Spaß. Die ganzen Titel der 50er wie etwa „Tutti Frutti“ sind keine Songs, die tiefsinnige Texte haben. Da war der Spaß im Vordergrund. Ich glaub, das ist das, was die Menschen daran fasziniert. Die Menschen, die zum Konzert kommen, wollen einfach vielleicht zwei Stunden feiern, Party machen.

Digger: Wir sehen uns jetzt nicht als Party-Band. Wir machen für uns schon wichtige Musik. Denn aus dieser Zeit stammt Musik, die auch einen großen Teil der jetzigen Musik ausgemacht hat. Aus Rock n‘ Roll ist echt viel entstanden mit der Zeit: die Beat-Musik, das Rockabilly-Comeback. Wir sind froh an diesem Ursprung, zumindest vom Stil her, mit rumrühren zu dürfen. Das ist faszinierend zu sehen, so viele junge Menschen im Publikum zu haben, die nicht nur Justin Bieber oder Lady Gaga hören. Zumindest Lady Gaga in einer viel besseren Version.

Ihr covert auch moderne Pop-Songs. Gibt es Nummern, die ihr nie covern würdet?

Sam: Wir wollen nicht die Original-Songs der 50er auf einer Platte aufnehmen, weil sie an sich schon so authentisch sind und so viel Energie haben. Da kann man nur verlieren, wenn man einen Song von „Elvis“ oder „Little Richard“ covern würde. Live bringen wir die allerdings manchmal.

Basti: Manchmal ergeben sich jedoch Cover-Songs, wo wir früher gesagt haben, das würden wir nicht machen. Zum Beispiel Michael Jackson. Und jetzt haben wir einen Song in der Show. Oder früher haben wir gemeint, Hip-Hop würde sich nicht eignen. Dann hatten wir auf der zweiten Platte „Candy Shop“. Hier mussten wir Melodien dazu erfinden. Das ist auch schön, wenn man neue Wege dadurch beschreiten kann, deswegen sollte man nichts ausschließen.

Digger: Wir wollen immer versuchen, unberechenbar zu bleien. Deshalb haben wir zum Beispiel nicht „Wrecking Ball“ oder „Happy“ gecovert. Deswegen gehen wir über diese Grenzen. Ob es nächstes Mal Metallica oder Heino ist, können wir noch nicht sagen.

Ich war zum Beispiel glücklich über eure Version von „Video Games“, weil aus diesem deprimierenden Song, doch etwas Peppiges geworden ist. Was ist dabei wichtig?

Digger: Bei Lana Del Rey war’s wichtig sie mal aus dieser scheiß Depression herauszuholen. Wir hören Musik nicht, um uns noch weiter runterzuziehen, wenn‘s uns schlecht geht. Bei Lana Del Rey hab ich nie verstanden, warum Menschen sie so hypen.

Sam: Ich find’s ja mal sympathisch, dass sie von sich selbst sagt, dass sie keine gute Sängerin ist. Das würd ich jetzt nicht unbedingt sagen, aber es ist nicht förderlich, wenn sich jemand gerade von der Brücke stürzen möchte.

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Beim neuen Album stehen Eigenkompositionen im Vordergrund. Was war hier die Herausforderung?

Sam: Zunächst war es wichtig, uns als Band ein Stück weiterzuentwickeln, zu zeigen, wir haben auch noch anderes auf Lager. Bei Covers hatten wir schon unsere bestimmte Herangehensweise nach einem Schema. Dieses Mal war das anders. Wir wollten etwas Eigenes machen, aber trotzdem den Leuten zeigen, dass hier der Rock n‘ Roll drin ist, aber dennoch noch ein Twist für die moderne Seite. Soundtechnisch war das nicht immer ganz einfach. Deshalb sind hier auch Sounds dabei, die im Vorgängeralbum und Live nicht zu hören sind. Auf der Bühne versuchen wir nach 50er Rock n’Roll zu klingen.

The_Baseballs_Game_Day

Ihr habt ja auch heuer versucht beim Song-Contest mitzumachen. Warum ist es nichts geworden?

Basti: Das wäre eh aussichtslos gewesen. (lacht )

Digger: Das war ja zunächst mal die Deutschland-Wahl. Unser Ziel war da: Lass uns mal die Bühne rocken! Da war so ne Harfenspielerin mit roten Haaren dabei. Kein Mensch backstage hat verstanden, warum diese Frau weitergekommen ist. Jeder mit dem du in Deutschland sprichst sagt: „Was für eine blöde Pratze!“. Dann muss man sagen, dass das einfach eine große Veranstaltung ist, wo auch Plattenfirmen ihre Finger im Spiel haben.

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Also geschoben?

Basti: Nein, das wäre jetzt zu viel gesagt…

Digger: Also das ist eigentlich ganz richtig gesagt…

Basti: Es geht ja auch gar nicht darum, dass man Anrufe manipulieren muss, sondern, das ist eine Frage von Berichterstattung, wer mehr Marketing-Geld ausgibt für gewisse Sachen usw. Wir wollten vordergründig, dass die Bühne brennt. Es war eine tolle Stimmung, wir sind von der Bühne gegangen und haben genau das erreicht, was wir erreichen wollten. Am Ende geht es auch um das Publikum. Bei ARD ist es vielleicht auch ein anderes und darum, ob die Leute Rock n‘ Roll hören wollen. An diesem Tag wollten sie es eben nicht. Was ja nichts Schlimmes ist. Wir fragen bei Auftritten auch immer, für wen es das erste The Baseballs- Konzert ist. Im Schnitt waren das 80 Prozent. Vielleicht hat es also den einen oder anderen durch die Songcontest-Vorausscheidung mitgenommen.

Sam: Ich glaube wir sind alle schon in einem Alter, wo wir das richtig einschätzen können. Ich hab mir jetzt keine Träne ausgeheult, dass wir nicht weiter gekommen sind.

Basti: Wir hätten schon gerne einen zweiten Song gesungen, aber das wäre schwierig geworden. Wir haben nämlich vor unserem Auftritt schon das eine oder andere Gläschen getrunken, um etwas lockerer zu werden.

Digger: Wir sehen uns auch nicht als Boulevard-Medien-Hype-Band. Klar ist es cool, dass man plötzlich mit Rock n’Roll- Musik so viele Leute erreichen kann, aber ganz ehrlich: viele Teilnehmer des Songcontests wären glücklich so ein Publikum zu haben wie wir.

Basti: Die Sieger von solchen Wettbewerben, müssen auch teilweise im eigenen Land absagen, weil sie keine Tickets verkaufen. Die deutschen Vertreter sind als New-Comer gestartet. Für die wird es jetzt schwer werden.

Meine letzte und allerwichtigste Frage: Wie bekommt man so eine tolle Elvis-Tolle? Tipps?

Sam: Man braucht lange Haare. Ich habe erst vor Kurzem ein Bild von Elvis gesehen. Der hatte das Deckhaar bis zur Nasenspitze runter. Man föhnt sich die Haare erst mal nach oben, dann nimmt man etwas Gel.

Digger: Es kommt jetzt auf die Tolle an. Sam und Bastis ist sie ja mehr ausgeprägt. Ich probier öfter auch mal was Neues.

Und wie trägt ihr eure Haare privat?

Sam: Wir tragen die auch privat so.

Basti: Das ist ja auch zeitlos. In den letzten 3-4 Jahren machen das auch immer mehr Leute. Es sieht gepflegt aus, es ist ein ordentlicher Haarschnitt.

Sam: In den 50er Jahren haben alle Eltern gesagt: „So lange Haare, kannst du die dir nicht mal abrassieren“

Basti: Und jetzt: „Mann, siehst du adrett aus.“

 

Genauso wie die adrette Elvis-Tolle lassen The Baseballs Rock n’Roll wieder aufleben. Das nächste Mal am 22. November im Wiener Gasometer.

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