Von Kreator zu Kreatürke

Bülent isst mit Pommesgabel und macht selbst die Hair Metal-Kapazunder neidisch. Mit Wilde Kreatürken beweist er nun zum letzten Male, dass nicht nur der Heavy Metal, sondern auch sein innerstes Ich wahrlich viele verschiedene Spielarten hat. Auf Wacken heißt es übrigens nun „Annelies!“ statt „Helga!“

Kannst du dich noch an deine ersten Gehversuche im Heavy Metal erinnern?

Bülent Ceylan: Das war ein eher schleichender Prozess. Erst hört man irgendwo mal Popsongs, Rap, Hip-Hop, Funk und Soul und natürlich alle Rockgenres und dann fällt irgendwann die emotionale Entscheidung, das eine oder das andere besser zu finden.

Nach dem Durchwühlen der elterlichen Plattensammlung?

Bülent: Es war so, wie es bekanntermaßen fast immer ist. Der Musikgeschmack der Eltern ist eher gegensätzlich und das Interesse der eigenen Kinder liegt dann ebenfalls oft in einer ganz anderen Richtung.

Wie metalaffin bist du tatsächlich? Verfolgst du Entwicklungen, erkennst du „Schulen“?

Bülent: Nach meiner „aktiven“ Zeit hab ich mich mehr auf das Hören beschränkt und dabei oft nach Laune und Tagesform entschieden, was mir jetzt gerade am besten gefällt. Dabei spielt weder die Herkunft des Stiles, noch die prägenden Einflüsse einzelner „Schulen“ eine Rolle.

Du warst auch einmal als Sänger in zwei Bands aktiv, Gist und Maine. Hast du – insbesondere nach deinem Intermezzo bei Korn – auch heute noch musikalische Ambitionen?

Bülent: Ich genieße es, als Comedian in meinen Programmen auch meinen eigenen Musikgeschmack repräsentiert zu sehen. Im Gegensatz zu meinen Hobby-Bands aus der Schulzeit stehe ich jetzt natürlich ganz anders im Rampenlicht und kann meine eigenen Songs intensiver zelebrieren als zu Zeiten, wo sich das Musikerleben doch mehr im Proberaum abspielte.

Der Schriftzug deiner Show erinnert stark an Metallica. Eine Band, die dich maßgeblich prägte – oder einfach massentauglich?

Bülent: Metallica hat in der Metalszene die wohl größte Schnittmenge unter den Fans. Ich kenne niemand, der da weghören würde. Der Schriftzug und wahrscheinlich auch der folgende sind einfach dem Stil der Metalszene geschuldet und soll unterstreichen, dass den Zuschauer hier eine etwas andere Comedy erwartet.

Weil wir gerade bei Metallica sind: Glücklicherweise giltst du als einer jener „Metalheads“, die auch über den Tellerrand zu blicken wissen. Wie empfindest du ihre Entwicklung?

Bülent: Als Genusshörer hab ich mich nie gezwungen gesehen, in die Diskussionen um Sinn oder Unsinn von Veränderungen in Stile einzusteigen. Natürlich hat man sich früher schon mal den ein oder anderen Song vorgespielt und darüber gequatscht, ob einem das jetzt besser gefällt als das vorher, aber ausschlaggebend für eine dauerhafte Sympathie-veränderung war das nie. Ich hör das eine gern und das andere lieber – mehr nicht.

Was war dein bisher emotionalster Konzertmoment?

Bülent: Natürlich gibt es da die zwei größten Momente – persönlich in Wacken live auf der Bühne zu stehen und dann Korn in der eigenen TV-Show als Gast zu haben und gemeinsam mit diesen charismatischen Menschen auf der Bühne zu stehen. Das werde auch ich, mit meinen vielen eigenen Show-Erfahrungen, nicht als selbstverständlich einordnen.

Bist du ein reger Konzertbesucher?

Bülent: Leider nein. Das ist aber nicht meinem Desinteresse, sondern wirklich einfach nur meinem Terminplan geschuldet. Ein weiterer Grund ist auch mein hierbei sicherlich hinderlicher Bekanntheitsgrad. Einfach mal so in Mannheim zu einem Konzert von Tool zu gehen, wie ich es noch vor ein paar Jahren tun konnte, würde mir heute kaum noch möglich sein.

Eines deiner Markenzeichen sind deine langen Haare, lange Zeit in der Szene quasi Pflicht wie Kutte, Army-Hose und Boots. Nerven die nicht auch mal?

Bülent: No way! Ich trage die langen Haare ja nicht kalkuliert als Markenzeichen, dazu haben sie die Medien und meine Fans gemacht. Ich trage sie aus Überzeugung und weil es mir gefällt – und das wird auch noch lange so bleiben.

Du spieltest bereits am Summerbreeze, sowie am Wacken vor zig Tausenden. Wie weit unterscheiden sich – auch abgesehen von der Größenordnung – jene Auftritte von deinen „Soloshows“?

Bülent: Da, wo ich zwar immer noch angespannt und konzentriert, aber längst ohne lähmende Angst und tagelangem Lampenfieber auskomme – nämlich auf der Comedy-Bühne – fühl ich mich bedingungslos wohl. Auf der Open-Air-Bühne als Gast vor einer Crowd zu stehen, die gerade vorher noch Ozzy Osbourne oder Sepultura zugejubelt hat, ist da schon eine etwas andere Dimension. Die Mischung aus Vorfreude und Nervosität hält mich auf Trab und dementsprechend ist auch der Augenblick auf der Bühne dann ein ganz besonderer.

Wie sieht es mit dem Metal eigentlich in der Türkei aus? Es ist dies, glaube ich, in Europa das „schwächste“ Land mit etwa 0,60 Metal-Bands pro 100.000 Einwohner.

Bülent: Ich glaube, dass es in Deutschland mehr türkische Metalfans gibt als in der Türkei. Ich denke, dass diese „wilde und ausufernde Art“ der Musik dort noch mehr als Subkultur eingestuft wird. Da haben die nächsten Generationen noch einiges zu tun.

Bei dir trifft Komik auf Metal, funktioniert es in deinen Augen auch andersrum, Stichwort: Fun Metal wie bei ganz plakativ bei JBO?

Bülent: Ja, durchaus. Ich glaube auch, dass gerade die verrückten und witzigen Texte in den doch knallharten Songs meines Hausmeisters Mompfreed Bockenauer ein gutes Beispiel dafür sind, dass es gerade auch im Metal keine Grenzen geben darf. Und einen Metalsong über die Hausordnung hat es in der Branche bestimmt auch noch nicht gegeben.

Du bist aus Mannheim. Hast du ein Lieblingswort auf Mannheimerisch?

Bülent: Wir bieten in Mannheim ein Sammelsurium an Wortschöpfungen, die es sonst nirgendwo anders, nicht mal ähnlich gibt. „Hossebember“, „Schbääbrenner“ oder „Quasseldutt“ für kleinen Jungen, „Geizhals“ oder „Tratschtante“ sind Beispiele für unsere melodiöse und bildhafte Sprache.

Wie wichtig ist die Musik in deinem Leben?

Bülent: Ich höre oft bis immer bewusst oder als Hintergrundsound Musik. Manchmal brauche ich aber auch absolute Ruhe. Die Pflege eines Plattenschranks ist leider zu zeitintensiv und für mich zurzeit nicht machbar. Das hebe ich mir für die Rente auf.

Wie sieht es mit deiner Kenntnis ob der österreichischen Metal-Szene aus?

Bülent: Ich weiß, dass sie sehr klein ist, und dass sie leider auch gerade im Black Metal von Neonazis unterwandert wurde und als Sprachrohr ewig gestriger Agitatoren missbraucht wird. Das hat nix mit Musikkonsum oder einer grundsätzlichen Metal-Einstellung zu tun, das ist Missbrauch zum Zweck der Einflussnahme auf weiche Gehirne. Da würde ich mir gerade in Österreich schärferen Gegenwind wünschen!

Funktioniert für dich Metal auch in anderen Sprachen als auf Englisch?

Bülent: Auf jeden Fall. Schon in meinen älteren Programmen habe ich mit Ruh im Hof und Hausordnung dafür die besten Beispiele geliefert. Es kann sein, dass da sogar noch mehr kommt und wir die bundesdeutsche Metalszene in Zukunft mit rein deutschen Texten ein bisschen aufmotzen werden.

In deinem Figurenrepertoire spielst du gern mit zahlreichen Alter Egos, mit Vorurteilen. Spielen wir auch einmal damit und basteln Bülent neu zusammen: Was an dir als Privatperson ist „typisch“ Deutsch, was „typisch“ Türkisch?

Bülent: Ich würde, als vehementer Verfechter von Toleranz und Respekt unter den Menschen unterschiedlicher Herkunft, dem entgegen arbeiten, wenn ich mich jetzt ländertypisch klassifizieren würde! Ich bin Monnemer, ausgestattet mit dem unterschiedlichsten Gen-Material und damit ein hervorragendes Beispiel einer einzelnen Multikulti-Person. Aber das sind wir doch alle, oder?

Bei Konzerten stellt sich ja stets die Frage: Open Air oder Halle. Was bevorzugst du?

Bülent: Mein Arbeitsplatz ist die Bühne. In manchen Hallen sieht es aus, als stünden wir

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alle in einer alten Fabrik, auf manchen Freilicht-Veranstaltungen ist der Ausblick und der Eindruck ähnlich. Das kommt doch auch immer auf die Menschen und den Anlass an, egal ob es außen rum gerade beeindruckend toll oder langweilig ist. Das sind nur Randerscheinungen, denn der Fokus liegt auf mir und dem, was ich in der Lage bin, an diesem Abend zu bieten.

Wie sieht es eigentlich mit der Religion aus? Selbige ist im Türkischen doch sehr groß geschrieben, als Metaller doch gern negiert, außer, wenn es um Odin oder Wotan geht, was wiederum politisch gern fragwürdig ist …?

Bülent: Gott oder Allah oder Manitu – es wird ihn geben, er ist der Erschaffer und der Lenker. Es ist wie schon oft zitiert das Bodenpersonal, das mich davon abhält, zu allem Ja und Amen zu sagen. In allen Religionen kämpfen die unterschiedlichsten und meist charakterlich unter-qualifizierten Würdenträger um Macht und Einfluss und dabei bleiben Respekt, Nächstenliebe und Empathie meist auf der Strecke. Jeder Mensch muss seine eigene Wahrheit finden und leben. Ohne Anleitungen von selbsternannten Heilsbringern, die für ihren Rat oder Vorgaben niemals Verantwortung übernehmen würde. Die Suppe löffelst du immer selbst aus. Also koch ich mir auch mein Süppchen selbst!

Wacken: Einst ein Mekka, mittlerweile „verkommen“ Metal- und Rock-Festivals immer mehr zu einer „Kirmes“. Was braucht für dich ein gutes Festival?

Bülent: Mindestens einen Höhepunkt und zwar auf der Bühne. Nur um sich vollzuschütten und morgens zwischen den Überresten des Zeltes und des eigenen Abendessens aufzuwachen halte ich nicht für erstrebenswert und befriedigend. Das Drumherum ist mir auch zu viel Kommerz und abgesehen von dem durchaus berechtigten Merchandising der Bands brauche ich sonst nicht viel mehr als gute Mucke!

Zum Abschluss: Stell mal dein All-Star-Bandprojekt zusammen!

Bülent: Ich glaube nicht, dass ein bunt zusammen gewürfelter Haufen von Top-Musikern automatisch meine neue Lieblingsband bilden könnten. Deshalb hab ich ein paar mehr Kombinationsmöglichkeiten anzubieten.

Vocals: Ozzy Osbourne, James Hetfield, Jonathan Davis, Heino (Scherzl)

Guitar: Kirk Hammett, John Petrucci, Yngwie Malmsteen

Bass: Steve Harris, Justin Chancellor, Robert Trujillo

Drums: Joey Jordison, Danny Carey, Lars Ulrich

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