Pharrell Williams: Weltstar, selbst gemacht

Er ist keiner, der Songs für sich schreiben lässt. Im Gegenteil: Pharrell Williams produziert Hits für andere am laufenden Band. Dass er einmal selbst Millionen CDs verkauft, war nur eine Frage der Zeit.

Er ist ein fröhlicher Mensch. Er kann sich das Grinsen nicht verkneifen, egal ob er am roten Teppich oder auf der Bühne steht. Seine Zähne glänzen so wunderbar wie sein Schmuck auf Ohren und um den Hals. Nun hat er die ganze Welt mit seinem Gemütszustand angesteckt:

Alle sind „Happy“. In 175 Ländern ging seine Single auf Platz 1 der Charts, allein in Großbritannien hat sie sich 1,3 Millionen Mal verkauft. Nun hat er noch mehr Grund, fröhlich zu sein.
Was für viele Fans das erste Auftauchen auf der medialen Bildfläche Pharrells war, ist nur die Spitze des Eisbergs, nur ein kleiner Teil seiner Karriere.  Seine Geschichte beginnt 1973 im US-Bundesstaat Virginia. Mit 12 Jahren nahm er an einem Sommer- Band-Camp teil und traf dort einen Jungen, der ihn noch sein ganzes Leben lang begleiten sollte: Chad Hugo. Pharrell spielte Schlagzeug und Keyboard, Hugo war Saxofonist, beide hatten nicht viel Freude am Camp, aber umso mehr am Musizieren.

Geniales Produzenten-Duo
Sie gründeten Anfang der 90er die Band The Neptunes und begannen, Songs für andere zu schreiben und zu produzieren. Nach und nach erarbeiteten sie sich ihren Ruf als geniales Produzenten-N.E.R.D Visits fuse TVDuo. Ab der Jahrtausendwende ging es so richtig los: Sie arbeiteten mit Kelis, Britney Spears, Snoop Dogg und Justin Timberlake. Ihre Tätigkeit blieb nicht unbemerkt. 2004 gewannen sie bei den Grammy Awards die Preise „Produzenten des Jahres“ und „Bestes Pop Album“ für Timberlakes „Justified“.

No-one Ever Really Dies
Doch das Songschreiben für andere reichte ihnen wohl nicht. Pharrell und Hugo holten sich ihren Jugendfreund Shay Haley, der bereits zu Beginn bei The Neptunes mitgespielt hatte, und kreierten eine Hip-Hop-/Rock-Band: N*E*R*D („No-one Ever Really Dies“). Die typischen Synthies von Pharrell und Hugo klatschen da ordentlich ins Gesicht, aber dennoch erzeugte die Band einen rauen, analogen Sound echter Instrumente. Für Hip-Hop war das etwas Neues, für Rock auch. Pharrell hatte nie große Berührungsängste, er verband die Genres, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Bei den Grammy Awards 2004 trat er sogar als Drummer auf und gab mit Sting, Dave Matthews und Vince Gill „I Saw Her Standing There“ von The Beatles zum Besten.

Rampensau
Man merkt, er war eher der Bühnentyp als sein Kollege Chad Hugo. Es entwickelte sich langsam, aber stetig, dass Pharrell zur Pop-Ikone werden sollte und Hugo im Hintergrund steht, nicht weniger talentiert – bei Weitem nicht! –, aber eher Songwriter und Produzent als Rampensau. Oft verband die Öffentlichkeit das Werk der Neptunes nur noch mit Pharrell, da er in Musikvideos zu sehen war und selbst mitsang oder rappte (Beispiel „Drop It Like It’s Hot“ von Snoop Dogg).

Brit Awards 2005

Snoop Dog & Pharell

Ein völliges Abkapseln von seinem langjährigen Partner bedeutete dieser Schritt jedoch nicht. Schließlich veröffentlichte Pharrell im Jahr 2006 sein erstes Soloalbum, das weniger in den USA, aber umso mehr in Großbritannien Erfolg fand. In Österreich stieg er auf Platz 5 der Albumcharts ein. Auch N*E*R*D war weiterhin erfolgreich, mit zwei Alben in den Jahren 2008 und 2010.

Anfang vom Ende
Das letzte Album der Hip-Hop-Band war jedoch der Anfang vom Ende der jahrelangen Zusammenarbeit. Zuvor waren die Neptunes fast nicht voneinander zu trennen, nun ging jeder seinen eigenen Weg. Vielleicht ein guter Schritt für Pharrell, wie die Zukunft zeigen würde. Er komponierte 2010 den Soundtrack zu „Ich, einfach unverbesserlich“, mit Filmmusik-Legende Hans Zimmer als Produzenten, Hugo konzentrierte sich auf andere, kleinere Projekte. Auch ein zweiter Teil des Animationsfilms wurde gedreht, zu dessen Soundtrack er erneut Songs beisteuern konnte. Eines dieser Lieder sollte ihn besonders glücklich machen: „Happy“.

Tickende Hitbombe
Im Juli 2013 ging es Schlag auf Schlag: Mit seiner Falsett-Stimme (Hohe Stimmlage für Männer, die künstlich klingt) landete er Hits wie „Get Lucky“ oder „Lose Yourself To Dance“ mit Daft Punk oder „Blurred Lines“ mit Robin Thicke. Die Zeitbombe hatte lange genug getickt, nun war es Zeit für den nicht mehr so jungen Pharrell, seinen eigenen Welthit zu landen. Er veröffentlicht „Happy“ im Dezember als 24-Stunden-Musikvideo, das an dem einen Tag circa 5,5 Millionen Mal angesehen wurde. Die 175 Nummer- eins-Platzierungen wurden bereits erwähnt. Pharrell war zwar schon 40 Jahre alt, doch im Jahr 2013 wurde er als Weltstar wiedergeboren – ein Weltstar, der ständig ein Grinsen im Gesicht hat, mit dem er sämtliche seiner Fans ansteckt.

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Pharrells neues Soloalbum ist ein Sammelsurium der guten Laune. Für ihn selbst ist es aber Eigentherapie, es behandelt schließlich seine Beziehung zu Frauen.Mit dem Vorwurf, Sexist zu sein, hat er spätestens seit „Blurred Lines“ und dem dazugehörigen Video mit Robin Thicke zu kämpfen.Er widerlegt: Er respektiert Frauen, eigentlich vergöttert er sie sogar.

 

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18. September, Marxhalle Wien

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