Wer rockt den Songcontest?

Wenn Mitte Mai in Malmö der größte Musikwettstreit der Welt zig Millionen vor die Fernsehbildschirme lockt, soll Österreich ganz vorne mitmischen. Bereits am 15. Februar stellen sich fünf hoffnungsvolle MusikerInnen und Bands den heimischen TV-Zusehern und einer Fachjury. Die große Frage: Wer rockt den Songcontest 2013?

Nach dem Totalabsturz der Trackshittaz im Vorjahr wurde – wieder einmal – der Modus Operandi, mit dem der österreichische Beitrag zum Songcontest ausgewählt wird, geändert. Bereits im Vorjahr machte sich Thomas Rabitsch, anno dazumal u.a. genialer Kopf der Band von Falco und Songcontestveteran, nicht nur unter zahlreichen Bewerbern auf die Suche nach passenden Kandidaten, sondern durchforstete auch den Rest der rot-weiß-roten Musiklandschaft. Vier Solo-Künstler – Falco Luneau, Natália Kelly, Elija und Yela – und die Elektronik-Truppe The Bandaloop schafften es bis zur Vorausscheidung. Dann werden Mitte Februar das Fernsehpublikum und eine internationale Fachjury entscheiden, wer sich mit dem Rest Europas messen darf.

Aber weshalb wurde für den SC 2013 auch aktiv nach Talenten gesucht? „Wir wollten ein paar alte Strukturen aufbrechen und nicht nur einen großen Amateurwettbewerb organisieren“, erklärt Rabitsch. Trotz der Genre-Vielfalt von R‘n’B bis zu Elektropop gibt der Musik-Veteran allen die gleiche Chance auf das Ticket nach Malmö: „Wir sind mit der Absicht herangegangen, dass wir fünf Acts finden, mit denen wir uns vorstellen können, dort anzutreten. So gesehen haben alle für mich die gleiche Chance. Egal, wer gewinnt, es sind alle super und wir können mit allen Österreich amtlich und seriös vertreten.“ Das Ziel ist für heuer realistisch gesteckt. „Ich möchte ins Finale kommen, weil Österreich meistens im Halbfinale ausgeschieden ist“, dämpft Rabitsch Höhenflüge, „Dann ist es spannender und es sehen mehr Menschen zu. Was im Finale stattfindet, entzieht sich einer Logik, da kann man nur auf höhere Mächte und Glück hoffen. Wir vertrauen auf unsere Professionalität.“ Und ein Sieg beim Songcontest? „Ich seh‘ uns in der Mitte und gewinnen dürfen wir eh nicht, denn das (die Austragung des SC in Wien, Anm.) könnte sich Österreich nicht leisten. Zweiter sollten wir werden“, lacht der Mastermind.

Natália Kelly ist trotz ihrer 18 Jahre kein Frischling mehr im Musikgeschäft. Geboren wurde sie in der Heimat des Rock ‘n‘ Roll, in den USA, gewann bereits einige (klassische) Gesangswettbewerbe und brilliert bei ihrem Titel Shine mit einer erwachsenen R’n’B-Stimme. Außergewöhnlich: Die Songcontestantin hat beim Text zu dem Song, der in schwierigen Situationen Hoffnung geben soll, mitgearbeitet.

Warum möchtest du unbedingt zum Songcontest?

Natália: Der ESC ist eine riesige Chance tolle Leute kennenzulernen, Erfahrung zu sammeln und mein musikalisches Können weiter zu entwickeln. Und auch die Möglichkeit, für Abermillionen an Zuschauern singen zu dürfen ist unheimlich reizvoll.

Wer von den anderen vier Künstlern ist für dich die größte Konkurrenz?

Natália: Jeder Künstler stellt dem Publikum und der Jury seine persönliche Musik und Performance vor. Trifft man die Geschmacksrichtung und das Herz der Zuhörer, kommt man weiter. Ich sehe die anderen Kandidaten viel mehr als talentierte Künstler und weniger als „Konkurrenten“.

Angenommen, du gewinnst die Vorausscheidung. Was ist das (realistische) Ziel in Malmö?

Natália: Wenn ich die Vorausscheidung gewinne, gehe ich nach Malmö um mein Bestes zu zeigen und eine möglichst hohe Platzierung zu erreichen. Alles ist möglich!

Wie groß ist die Angst, beim ESC zu versagen?

Natália: Nur wer nicht versucht, versagt. Schon dabei zu sein als die Kandidatin, die Österreich beim ESC vertritt,  ist eine große Ehre und Freude.

Welche Alternativpläne hast du, sollte es bei der Vorentscheidung bzw. beim ESC nicht bis ganz nach vorne klappen?

Natália: Ich bin Musikerin geworden, um zu bleiben! Mein erstes Album mit Universal Music wird bereits in nächster Zeit auf den Markt kommen. Ich bin erst 18 Jahre alt und habe noch eine Menge vor. Und wer weiß, 2014 wird auch bald kommen!

Avantgarde, Style und Dance – bereits seit drei Jahren präsentieren The Bandaloop bei Gigs ihr künstlerisches Gesamtkonzept zwischen Elektropop und Performance. Mit einem Altersdurchschnitt um die dreißig Jahre sind die drei Musiker alte Hasen im Musikgeschäft und begeistern mit dem Partysong Back To Fantasy. Das Motto: „Love. Do it, give it & you are fulfilled.“

Warum möchtest du unbedingt zum Songcontest?

Barca: Weil es eine Chance ist, unseren Sound einem größerem Publikum zu präsentieren. Außerdem ist es sicher eine leiwande Party. Oder zwei Partys. Oder zwei Wochen lang …

Wer von den anderen vier Künstlern ist für dich die größte Konkurrenz?

Barca: Also das angenehme ist, dass wir uns musikalisch von den anderen ganz einfach unterscheiden und ich deshalb wirklich keine Konkurrenzgedanken habe.

Angenommen, ihr gewinnt die Vorausscheidung. Was ist das (realistische) Ziel in Malmö?

Barca: Zweite/r – but never second best!

Wie groß ist die Angst, beim ESC zu versagen?

Barca: Sehr. Hoffentlich stolpere ich nicht und brech‘ mir vor laufender Kamera das Genick!

Welche Alternativpläne hast du, sollte es bei der Vorentscheidung bzw. beim ESC nicht bis ganz nach vorne klappen?

Barca: Den Protestsongcontest. Und das Debüt-Album kommt auf jeden Fall vor dem Sommer raus: Komme was wolle!

Völlig unbekannt ist auch Elija nicht, der im Vorjahr sein Debütalbum Beautiful, But Incomplete auf eigenem Label veröffentlichte und 2009 den Austrian Newcomer Award gewinnen konnte. Jetzt, mit 21 Jahren, möchte der gebürtige Grazer mit Give Me A Sign, einem Titel über eine gescheiterte Beziehung, die Songcontestjury und die TV-Zuschauer überzeugen.

Warum möchtest du unbedingt zum Songcontest?

Elija: Weil es unfassbar großartig sein muss, vor über 100 Millionen Menschen seinen eigenen Song zu performen.

Wer von den anderen vier Künstlern ist für dich die größte Konkurrenz?

Elija: Die anderen Teilnehmer sind allesamt sehr gut und auch die Nummern sind stark. Deshalb sehe ich alle gleichermaßen als Konkurrenten an.

Angenommen, du gewinnst die Vorausscheidung. Was ist das (realistische) Ziel in Malmö?

Elija: Ich bin überzeugt, dass mein Song internationales Format hat und der Konkurrenz in Malmö standhalten kann. Ein Top-10-Ergebnis wäre, glaube ich, nicht ganz unrealistisch.

Wie groß ist die Angst, beim ESC zu versagen?

Elija: Lampenfieber kurz vorm Auftritt gehört dazu, aber Angst zu versagen habe ich keine. Ich würde Österreich nach bestem Wissen und sicher würdig vertreten.

Welche Alternativpläne hast du, sollte es bei der Vorentscheidung bzw. beim ESC nicht bis ganz nach vorne klappen?

Elija: Ich bin mit Leib und Seele Musiker und Produzent und – ganz egal was kommen mag – ich werde das auch bleiben. Kein anderer Beruf dieser Welt könnte mich so erfüllen.

Falco Luneau kann – zumindest in Holland – auf eine Top-Platzierung in den Charts verweisen, hier zu Lande kennt man den heute 28-jährigen Sänger aus Vorarlberg aus der dritten Starmania-Staffel. Mit seinem Titel über die Sehnsüchte der Menschen, Rise Above The Night, möchte er jetzt den Rest Europas erobern. Den Song schrieb er gemeinsam mit Cascada-Produzent Tony Cornelissen.

Warum möchtest du unbedingt zum Songcontest?

Falco: Der ESC ist eine außergewöhnliche Plattform, wo ich meine eigene Musik einem großen internationalen Publikum vorstellen kann. Drei Minuten, in denen ich meine Leidenschaft für die Musik mit ganz Europa teilen darf.

Wer von den anderen vier Künstlern ist für dich die größte Konkurrenz?

Falco: Jeder hat die Chance zu gewinnen. Alle vier Teilnehmer sind große Konkurrenten.

Angenommen, du gewinnst die Vorausscheidung. Was ist das (realistische) Ziel in Malmö?

Falco: Mein Ziel ist es, für Österreich so hoch wie möglich im finalen Ranking zu kommen.

Wie groß ist die Angst, beim ESC zu versagen?

Falco:  Nein, ich sehe es als ist ein schönes Abenteuer mit meiner Band.

Welche Alternativpläne hast du, sollte es bei der Vorentscheidung bzw. beim ESC nicht bis ganz nach vorne klappen?

Falco: Egal welches Szenario es wird: Mitte Februar soll meine EP Extended Play mit vier Songs in Österreich auf den Markt kommen und wir sind schon im Studio, um mein zweites Album aufzunehmen, das noch vor dem Sommer in Österreich und auch Holland raus kommen wird. Auch Rise Above The Night wird auf diesem Album sein.

Weite Wege hat Yela – geboren als Daniela Bauer – zu absolvieren, denn eigentlich lebt die 31-jährige Künstlerin New York. Die hübsche Sängerin studierte an der Berklee School of Music Gesang und Musiktherapie, trat mit dem Grammy-nominierten Soulchild auf und bringt zur ESC-Vorausscheidung den Song Feels Like Home mit.

Warum möchtest du unbedingt zum Songcontest?

Yela: Der ESC ist der größte Musikevent Europas. Wie bei so vielen anderen Musikern bin auch ich damit aufgewachsen und habe als Kind schon davon geträumt, dabei zu sein.
Außerdem ist es natürlich eine Wahnsinnsmöglichkeit sich als Künstler einem großen Publikum zu präsentieren.

Wer von den anderen vier Künstlern ist für dich die größte Konkurrenz?

Yela: Obwohl wir in einem Wettbewerb sind und es somit einen Sieger geben muss, sehe ich das als Künstlerin so, dass es das oberste Ziel sein muss, mit der eigenen Musik Leute zu bewegen. Ich finde, dass alle Kandidaten die Vielfältigkeit Österreichs sehr gut wiederspiegeln und dass alle sehr hochqualifizierte Musiker sind. Ich bin schon irre glücklich mit dabei zu sein! Schlussendlich haben die ÖsterreicherInnen dann die Qual der Wahl.

Angenommen, du gewinnst die Vorausscheidung. Was ist das (realistische) Ziel in Malmö?

Yela: Wenn ich in Österreich gewinnen sollte, dann werde ich ab diesem Zeitpunkt das ganze Land beim ESC vertreten. Es wäre mir eine Ehre, Österreich zu vertreten und möchte das Land unbedingt stolz machen. Ich möchte Malmö und alle Zuseher mit unserem Song verzaubern. Und ich glaube daran, dass unser Song das auch kann.

Wie groß ist die Angst, beim ESC zu versagen?

Yela: Wenn man etwas als Künstler hervorbringt, ist man immer Kritik ausgesetzt, das gehört dazu.
Das ist beim Songcontest nicht anders. Aber die Erfahrung alleine ist schon viel wert. Auch wenn ich nicht die allerhöchste Platzierung erreiche, jedoch den Leuten ein gutes Gefühl mit dem Song vermittle und das Land stolz mache, habe ich ein großes Ziel erreicht.

Welche Alternativpläne hast du, sollte es bei der Vorentscheidung bzw. beim ESC nicht bis ganz nach vorne klappen?

Yela: Für mich persönlich ist die Zusammenarbeit mit den Produzenten Lukas Hillebrand und Alex Pohn ein irre schönes Erlebnis, da wir uns musikalisch toll verstehen. Ich freu mich darauf, weiterhin mit den Zweien zu musizieren. Egal was kommt.

Interview: Stefan Baumgartner

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