WienPop

00_Cover_RAF.inddAuf knapp 400 Seiten wird eine Geschichte erzählt, eine Geschichte, wie sie für Musikbegeisterte besser nicht sein könnte. Der Name ist Programm: Es geht um Wien und seine populäre Musikgeschichte, angefangen bei den bluesigen Fünfzigern bis hin zu den elektronischen Zweitausendern. Die Erzählform ist speziell, wenn auch nicht neu. Wer punkbegeistert ist, hat sicher Please Kill Me in seinem Buchregal stehen, eine Abhandlung der Geschichte des Punks von Legs McNeil und Gillian McCain, die aus zig Interviews mit Szeneinsidern besteht.  Und genauso verhält es sich mit Wienpop. Das Buch darf in keinem österreichischen Musikbuchregal fehlen, die erzählenden Protagonisten erstrecken sich von der Blues Legende Al Cook bis hin zu Kruder & Dorfmeister. Wenn Christian Kolonovits von seinen wilden Zeiten in Frankfurt erzählt, wenn der Leiter der Sektion III im BMF von den Anfangszeiten seiner Band Bombcircle berichtet oder Trixi Neundlinger die Besetzung der Wiener Arena in ihren Worten zusammenfasst, dann fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit und es kommt einem so vor, als wäre man Teil der Szene, jetzt und damals, ein halbes Jahrhundert lang. Wer hätte denn gedacht, dass Karl Wlaschek als Charly Walker ein ganz ein Wilder in der Bluesszene war? Oder dass eine der größten Grungebands das alte Chelsea ausverkauft hat – 250 Besucher konnten an dem besagten Abend erreicht werden.

Schau, a Beatles!

Lässt man sich auf Wienpop ein, und das sollte man, dann begibt man sich auf eine Reise, eine musikalische Reise ins finstere, tote Wien: Man sitzt in einem kleinen Keller und lauscht andächtig einer Blues-Coverband, dann geht man einmal ums Eck und sieht die Leiche von Hofa, der im Rinnsal liegt. Gerade hat man sich von dem Leichenschock erholt, sieht man schon wilde Gestalten auf einer finsteren Bühne, die auf dieser nicht nur musizieren sondern Dinge tun, die man eigentlich auf sanitäre Einrichtungen beschränken sollte. Weiter geht die Reise und plötzlich tauchen unendlich viele Mopedfahrer auf, die sich mit Rapid-Hooligans prügeln – da flüchtet man natürlich so schnell es geht und steht mitten in Meidling in einem Lokal, in dem es ein bisserl grindig ist aber dennoch einfach super leiwand. Schlussendlich kommt man dann an, an einem neongrellen Ort, wo Musik gemacht wird, ohne klassische Musikinstrumente zu verwenden. Da steht man nun und sieht alles ziemlich anders, die Menschen, die Musik und vor allem seine Heimatstadt Wien. (pa)

 

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