Willkommen im Kraftklub

Ein enttäuschendes zweites Album. Das kündigt die deutsche Band Kraftklub bereits vor zwei Jahren an. „In Schwarz“ ist dabei seinem Vorgänger gar nicht so unähnlich: feiner Indie-Rock, ernster Humor, Ironie und außerdem findet sich die Platte wieder an der Spitze der deutschen Charts.

Ist für euch das Glas halb voll oder halb leer?

Karl Schumann: Halb voll.

Warum das?

Karl: Weil halb leer komisch klingt.

Optimisten also. Wie passt das zu eurem Album „In Schwarz“? Das klingt doch eher etwas pessimistisch.

Felix Brummer: Durchaus. Aber jetzt gerade ist das  Glas wieder halb voll. Es ist generell mit Musik und Songs so, dass sie in einem bestimmten Moment richtig sind. Das heißt aber nicht, dass sie in jeder Situation Gültigkeit haben. Die Sachen im Album stimmen und sind auch genauso gemeint, wie sie gesagt sind. Wir laufen aber nicht den ganzen Tag traurig herum. Es gibt ja auch positive Momente auf dem Album.

Bei eurer Single „Unsere Fans“ geht es weniger positiv zu. Werden eure Fans gerne beschimpft?

Felix: Wir trauen unseren Fans zu, den Witz dahinter zu verstehen. Wir haben eine sehr hohe Meinung von unseren Fans.

Karl: Die Fans verstehen es alle. Die Leute, die das nicht tun, kennen uns auch nicht so gut.

Habt ihr eine spezielle Zielgruppe?

Felix: Nö. Bei einem Konzert sind die ersten zwei bis drei Reihen viele Mädchen mit hohen Stimmen. Dahinter sind Jungs in unserem Alter, die mehr auf Krawall sind und wild tanzen. Und dann kommen die älteren Mitte 30. Die Kunst des Konzerts besteht darin, irgendwann mit einem großen Kochlöffel umzurühren und dass am Ende alles vermischt ist, wenn der 30-Jährige in der ersten Reihe kreischt.

 In dieser Single („Unsere Fans“) kommt auch das Wort „Mainstream“ vor. Ist Mainstream etwas Schlechtes?

Felix: „Mainstream“ ist so ein Unwort, deshalb ist es auch im Song. Wir würden es nie ernsthaft verwenden.

Hättet ihr ein Problem damit, „Mainstream“ zu sein?

Felix: Ach mein Gott, es gibt bestimmt eine Menge Bands, die wesentlich punkiger sind als wir. Wir stellen uns auch keinem Wettbewerb in „Wer ist die unangepassteste Band?“. Es ist uns ziemlich egal, wie wir wahrgenommen werden. Wir wollen nur die Musik machen, die wir wollen. Wenn wir im Radio laufen, freuen wir uns genauso darüber wie wenn die Leute auf einem Konzert pogen. Es gibt Leute, die nicht verstehen, dass das zusammenpasst für uns.

 

Kraftklub_Felix_Karl (c) TICKET_web

Habt ihr da auch Rückmeldungen bekommen von den Leuten?

Felix: Klar, aber ich glaub nicht, dass das die richtigen Fans sind.

Karl: Es gibt auch viele, die fragen, wie wir jetzt leben nach dem ganzen Erfolg.

 Und wie ist es so im Penthouse und welchen Mercedes habt ihr nochmal…?

Karl: Einen Mercedes Fiesta … (lacht)

Felix: Zum Glück ist das alles bei uns nicht der Fall. Aber klar, so ne ordentliche Feierei, dazu sagen wir nicht nein. Da ist man fast schon schuldig, wenn man die Band ist, die es geschafft hat, davon zu leben. Das wünschen sich alle aus dem Umfeld. Da hat man auch die Verantwortung zu sagen: „Ja ist geil“ und nicht zu jammern, wie anstrengend alles ist.

 „Hand in Hand“ ist ja zuerst auf YouTube erschienen unter dem Bandnamen „In Schwarz“. In Kognito also.  Die Idee eures Marketings?

Karl: Wir sind ja schon vorher als „Die Kosmonauten“ aufgetreten. Die Idee haben wir weitergesponnen, sodass wir eine unbekannte Band gegründet haben.

Felix: Wir hatten sogar schon Booking-Anfragen. Es ging auch ein bisschen darum, die Musik-Presse zu veräppeln.

 Wollt ihr mit In Kognito zeigen, dass es nicht um euren Namen, sondern um eure Musik geht?

Felix: Da sind wir selbstbewusst genug. Wir sind einfach eine gute Band. Wenn wir Kraftklub heißen oder uns neu gründen würden – dann würden wir auch unseren Weg gehen. Wir sind ja nicht durch eine Fernsehshow bekannt geworden, sondern stinknormal durch tausende Konzerte spielen, tausend Mal Support sein. Wir waren eine Vorgruppe und haben uns diesen mühsamen Weg erkämpft.

 Ihr habt in einem Interview vor zwei Jahren angekündigt, dass euer zweites Album das enttäuschendste überhaupt werden wird. Mission accomplished?

Felix: Das war nicht so gemeint, dass es enttäuschend für uns ist. Ich finde es sogar besser als „Mit K“. Aber man kann die Erwartungen halt nicht stillen. Wahrscheinlich haben wir vor zwei Jahren schon gewusst, dass man nur verlieren kann bei sowas.

Karl: Es ist ja ganz oft so, dass das Debüt so abgefeiert wird und das zweite ist nicht so gut.

 Also Angst?

Felix: Schon. Man fühlt sich fast ungerecht behandelt. So auf die Art: „Mann, was können wir dafür, dass das erste Album so cool war?“ „In Schwarz“ wird nicht als einzelnes Album wahrgenommen, sondern immer verglichen mit dem alten. Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Und was dem richtig am nächsten kommt, ist, dass es uns fünf gefällt. Das ist schon schwer genug.

 

Kraftklub live erleben!

20. Oktober – Flex, Wien
17. Februar –  Orpheum, Graz
18. Februar – Gasometer, Wien

Tickets bei oeticket.com

 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!