„Fuck, wozu?“

Er polarisiert durch seine direkte Art – und begeistert doch seit über 40 Jahren. Ein Gespräch mit Wolfgang Ambros über Verkaufszahlen, sein Telefon in Afrika und einen ganz besonderen Auftritt.

Am diesjährigen Nova Rock hatte er einen ganz besonderen Auftritt: Am zweiten Tag des Rockfestivals spielte er ab halb 1 Uhr morgens fast zwei Stunden lang als Special Late-Night-Act vor Tausenden von Rock-Fans. Gewusst hat er von einem Fanvoting, das diesem Auftritt voranging, anscheinend nichts, wie er uns im persönlichen Interview verrät.

Dein letztes Album „190352“ wurde nach deinem Geburtstag benannt. Wie kam das bei den Fans an?

Grundsätzlich gut. Man fragt sich halt immer öfter: „Wozu das alles?“ Man verkauft heute ja kaum mehr Alben, weil das alles anders vonstattengeht. Es ist ein Haufen Arbeit, und du willst ja auch was Ordentliches abliefern, das heißt, du beschäftigst dich lange damit, um dann am Ende festzustellen, dass die ganze Arbeit, die du dir gemacht hast, vom Verkauf her nur sehr wenig Anklang findet. Kennen tun es viele, es wird auch im Regionalradio recht gern genommen. Die Leute kommen zu mir und sagen dann oft: „Heast, der Tiroler (Radio, Anm.) hat schon wieder was g’spielt, das kenn ich gar nicht, was ist das mit ,der Gier‘? Das ist toll.“ Nachdem es die Platte ja praktisch nicht mal zu kaufen gibt, die gibt’s vielleicht ein paar Wochen und dann nehmen sie es wieder aus dem Repertoire. Der Rest ist auf irgendwelchen Sticks oder so verteilt, wovon ich jetzt rein monetär so gut wie nichts habe. Man denkt sich dann schon manchmal: „Fuck, wozu tu ich mir das an?“

Und wozu?

Weil ich mich dann vielleicht doch noch mal äußern möchte, und das halt nur in dieser Form geht. Ich bin keiner, der das irgendwie am Küchentisch zusammenbastelt, sondern gehe in ein Studio
und spiele mit der Band. Es ist aufwendig und teuer, und die Frage ist, zahlt sich das aus oder nicht? Egal, ich werde schon wieder was machen, lasse mich aber nicht darauf festnageln. Nicht so wie andere Kollegen, die sagen, dass es nächstes Jahr was gibt. Was weiß ich. In zwei Jahren gibt es das 45. Bühnenjubiläum. Ich habe ein paar Songs geschrieben, die gemacht werden müssen.

Wenn dir beim Nova Rock zum Beispiel mehr als 20.000 Menschen zujubeln, ist das mehr für dich als das Monetäre?

Na sicherlich. Ich bin in der glücklichen Lage, ein ziemlich breites Repertoire zu haben, und kann das Programm wechseln, wenn mich eines nicht mehr freut zu spielen. Dann wird mit der Band herumgestritten, diskutiert und es gibt halt irgendwann ein neues Programm.

Dein letztes Album hat eine andere Band eingespielt als die, die du jetzt hast.

Das ist richtig, aber das war nur deshalb so, weil die anderen keine Lust mehr hatten. Das hat ihnen nicht so gefallen und dadurch hat sich eine wunderschöne Zusammenarbeit mit anderen Leuten ergeben. Ich war immer schon so, dass ich neugierig war, wie – blödes Beispiel – etwas klingen würde, wenn ich etwa mit dem Friedrich Gulda zusammenspiele, oder wem auch immer. So bleibt es einerseits spannend und zum Zweiten habe ich überhaupt keine Berührungsängste. So wie beim Radiohead-Cover, das am Album ist.

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Hättest du dir gedacht, dass du das Voting zum Special Late-Night-Act am Nova Rock gewinnst?

Ich habe nicht einmal gewusst, dass es ein Voting gibt. Bevor das alles losgegangen ist, bin ich für etwa drei Wochen nach Afrika geflogen. Das war haargenau der Zeitraum, in dem dieses Voting stattgefunden hat. Ich habe in Afrika ein eigenes Telefon und telefoniere dort intern mit wenigen Leuten, die ich kenne. Für die meisten bin ich nicht erreichbar. Einmal am Tag, so gegen Abend hin, schau ich mir an, was war. Üblicherweise sind da zwei bis drei Voice-Mails und irgendwelche SMS, aber an diesem Tag ging das über. Ich dachte: „Was ist denn jetzt los?“ Ich habe dann gelesen: „Gratuliere, du hast gewonnen.“ Ja klar, „Sie haben gewonnen, Sie müssen nur so und so viel einzahlen …“ – ich habe gleich an irgendein Gewinnspiel gedacht, aber dann dachte ich, ich kenne ja all die Leute, die mir da schreiben. Tatsache ist, dass ich trotzdem noch einen Tag gebraucht habe, bis ich de facto gewusst habe, worum es geht: Dass wir auserwählt sind, um halb eins in der Nacht nach den Hosen auf einem riesigen Festival zu spielen. Da war die Begeisterung augenblicklich einmal, sagen wir, enden wollend. Ich habe mir gedacht: „Warum sagt mir das keiner? Wieso weiß ich nix davon?“ Dann habe ich mit meinem Manager geredet und ihn gefragt, ob er noch ganz dicht ist, er hätte ja zumindest was sagen können. Aber er wollte mich im Urlaub nicht stören, weil es doch eh super ist. Was super ist und was nicht, möchte ich aber schon noch selbst entscheiden, Kruzitürken. Momentan war ich leicht pikiert, aber es war eben so, und mich haben sie dann plötzlich dauernd auf Ö3 gespielt. Na stell dir vor! Bedarf es eines solchen Aufwandes, dass ich einmal mit ein zwei Liedern auf Ö3 gespielt werde? Wow! Ich habe das dann so hingenommen, denn was hätte ich tun sollen? Sagen: „Nein, ich mach das nicht!“? Das wär ja auch wieder komisch gewesen. Dann habe ich beschlossen, dass wir uns alle freuen und habe alle angerufen, die haben das schon gewusst. Ich war so weit weg, da steht das halt nicht einfach in der Zeitung, in der Daily Nation …
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Wolfgang Ambros ist 2016 (Achtung, Terminverschiebung von Herbst 2015 auf Frühjahr 2016!) etliche Male bei Best Of Austria zu sehen, eine Konzertreihe, die alle Granden der Austropop-Szene im weiteren Sinne vereint. Mit dabei sind u. a. EAV, Die Seer, Hans Krankl (Johann K.) & Monti Beton.
30. April in Innsbruck, Olympiahalle
2. Mai
in Linz, TipsArena
3. Mai
in Wien, Stadthalle
10. Mai
in Graz, Stadthalle
11. Mai
in Salzburg, SalzburgArena

Wolfgang Ambros pur! heißt es am 18. September im Rosengarten am Pöstlingberg, und im November im Wiener Metropol, im Stadttheater Berndorf, im Gemeindezentrum Bad Erlach sowie im Stadtsaal in Steyr.

Tickets gibt es hier!

Foto: !ticket / Patrick Pfirrmann

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