Der Wolkenturm: das moderne Herz von Grafenegg

Ein Turm aus Wolken, der sich Richtung Himmel streckt: die wohl schönste Open Air-Bühne Österreichs zaubert in Grafenegg jährlich sein Publikum in die klangvollsten Welten der Klassik.

©Alexander Haider

Der Zauber von Grafenegg

Bereits von weitem sticht bei der Anreise zum Schloss Grafenegg der Schlossbau des romantischen Klassizismus hervor – umringt von einer steinernen Mauer, eingebettet in ein grünes Paradies aus jahrhundertealten Bäumen, herrlich duftenden Rosen als auch kleinen Naturteichen, in denen reflektierte Sonnenstrahlen tanzen. Inmitten dieser zauberhaften Anlage findet sich der Wolkenturm – eine der schönsten Open Air-Bühnen Österreichs – das moderne Symbol von Grafenegg.

Musik liebende Herzen schlagen höher, wenn von Grafenegg die Rede ist – diesem wunderschönen Ort, an dem sich Kultur, Architektur, Natur und Kulinarik zu einem großen Ganzen verbinden. (Festspiele)

Land art-Projekt

2007 vom ArchitektInnenduo Marie-Therese Harnoncourt und Ernst J. Fuchs erbaut, erinnert der, in einer natürlichen Senke verankerte, 23 Meter hohe Turm heute auf den ersten Blick an das Weimarer Denkmal für Märzgefallene von Walter Gropius. Imposante Stahlträger reichen in die Höhe, als wären sie jeden Moment bereit, die Flügel zu spannen, um mit seinem Publikum über die Wolken abzuheben. Dabei war der Bezug zum Himmel tatsächlich ein konzeptionelles Anliegen: Nicht nur sind durch die zahlreichen schrägen, gegeneinander versetzten Fensterflächen wunderbare Lichtspiele möglich, überdies transformiert sich das Dach des Wolkenturms zum eigenständigen, skulptural geformten Objekt der Landschaft, das auf Baumkronenhöhe hinaufreicht, über der Landschaft zu schweben scheint und wahrhaftig als Wolkenturm in den Himmel ragt.

Der Freiluftcharakter hat allerdings noch einen zweiten Bezug zu seiner natürlichen Umgebung, erläutert Marie-Therese Harnoncourt:

Den Wolkenturm denke ich mir […] als Gartenpavillion, also ein strukturierendes Element im Landschaftsgarten, das unerwartete Ansichten von verschiedenen Perspektiven aus bietet.

Die metallischen, schimmernden Außenflächen garantieren jene unterschiedlichen Betrachtungsweisen, die die umgebende Natur, wie Bäume und den Himmel, widerspiegeln. Derart fügt sich die Baut ganz selbstverständlich in das landschaftliche Ambiente ein, interpretiert in seiner topografischen Ausformung wesentliche Gestaltungsmerkmale des Landschaftsgartens.

©Alexander Haiden

Die Verbundenheit zur Natur findet sich ähnlich im Inneren der Konstruktion wider: als Zusammenspiel von Betonfertigteilen und begrünten Hügeln sind die Tribünenbereiche für das Publikum konzipiert. Aufgrund dieser besonderen Gegebenheit können die Gäste zwischen fixen Sitzplätzen (1.700) als auch dem begrasten Hügel (300 Rasenplätze) wählen und so ihren Besuch ganz individuell gestalten.

©Klaus Vyhnalek

Das Klanginstrument

Bei diesem architektonischen Meisterwerk wurde aber neben seiner äußeren Schale gleichsam auf die innere akustische Ausführung als Schallmuschel geachtet. Das heißt nichts anderes, als dass die ungewöhnlichen Winkeln des Wolkenturms derart konstruiert sind, sodass der Schall von der Bühne auf natürliche Weise gebündelt als auch verstärkt wird und entsprechende Akustik bestens bis in die letzten Reihe wahrgenommen werden kann.

International renommierter Festivalort

Jene besonderen Charakteristika der Freiluftbühne haben nachhaltig beeindruckt, wie die Zahlen bestätigen: Am 22.Juni 2007 mit der jährlich stattfindenden und auf ORF sowie 3sat ausgestrahlten Sommernachtsgala unter dem künstlerischen Leiter Rudolf Buchbinder eröffnet, besuchen seitdem jährlich 150.000 Menschen aus aller Welt die Örtlichkeit zwischen Wien und der Wachau.
Und auch unzählige hochkarätige KünstlerInnen kann der Wolkenturm in seinem 10-jährigen Bestehen verzeichnen. Egal ob bei der traditionellen Sommernachtsgala im Juni oder dem Grafenegg Festival ab August, Yutaka Sado, Brad Lubman, Khatia Buniatishvili, Michael Schade oder etwa Vadim Repin gaben sich bereits die Ehre am international renommierten Festivalort.
Und wenn´s mal regnet und die stählernen Wolken zu wenig Schutz vor den realen Regenwolken bieten? Dann finden die Veranstaltungen in einer der weiteren Räumlichkeiten am Areal von Grafenegg statt, wie der Alten Reitschule oder dem Auditorium.

Jedes für sich ein herausragendes Beispiel für die Kunst der Architektur und im Zusammenspiel als Ganzes ergibt sich ein größer angelegtes Bezugsfeld, das die einzelnen Elemente der Anlage stets neu kontextualisiert und Grafenegg zu dem macht, was es ist: ein einmalig-magisches Erlebnis.
(Quellen: grafenegg.com, nextroom.at)

©Werner Kmetitsch

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