You can leave your hat on

Spätestens seit Dita van Teese und dem Film „Burlesque“ ist die kunstvolle Variante des Striptease wieder wohlbekannt. Aber wussten Sie, dass es mit Boylesque auch eine männliche Form gibt?

 

Es begann Anfang des 20. Jahrhunderts in amerikanischen Unterhaltungstheatern: Frauen entledigten sich in erotisch aufgeladenem Ambiente einem Teil ihrer Kleidung, nie war es ein kompletter Striptease. Bei richtiger Inszenierung konnte schon das Ausziehen von langen Handschuhen ein erotischer Akt sein. In den letzten Jahren lebt diese Kunstform auch in Wien wieder auf und wurde von den Männern entdeckt. Jacques Patriaque, Österreichs einziger Boylesque-Darsteller und Ehemann von Songcontest-Teilnehmerin Conchita Wurst, veranstaltet nun das 1st annual Boylesque Festival Vienna.

 

Wie bist du zum Boylesque gekommen?

Jacques Patriaque: Als Kind war ich sehr schüchtern und deswegen ist es für mich heutzutage sehr lustig, dass ich mich auf der Bühne so wohl fühle. Ich habe dann Kitty Willenbruch kennen gelernt, die ja schon seit über zehn Jahren Burlesque in Wien macht, und sie hat mich gefragt, ob ich sie als Conférencier ansagen möchte. Ich habe es gemacht, aber mich dabei nicht wohlgefühlt und es war sozusagen eine Bestätigung für „Bühne, nein Danke“. Aber sie hat mich dann buchstäblich auf die Bühne getreten und 2010 gab es meine erste Nummer, die gut angekommen ist und so hab ich beschlossen weiter zu machen.

Wie würdest du Boylesque definieren?

Jacques: Böse Zungen behaupten ja, dass das die männlichen „Nackabatzln“ sind. Boylesque ist für mich persönlich ein bisschen die freiere Variante von Burlesque. Ich kenne Boylesque-Künstler die alles machen: Poledance, akrobatische Aerial Acts, klassischen Burlesque, aber auch Neo-Burlesque bis hin zur Cabaret-Schiene, Performance Art und politischen Aussagen.

Was ist für dich klassischer Burlesque?

Jacques: Der klassische Animiertanz aus den 1930er- bis 1950er-Jahren in die Neuzeit gebracht: mit klassischen Kostümen, klassischer Burlesque-Musik wie man sie aus Filmen kennt. Das gefällt mir, aber das bin nicht ich. Ich arbeite ganz viel mit Gesicht und Mimik, auch in die Cabaret-Richtung. Mir ist es auch wichtig, dass die Leute etwas zum Lachen haben, weil man zu wenig lacht im Leben. Wenn ich es schaffe, dass die Leute mit mir und ein bisschen auch über mich lachen und ich meinen Spaß habe, dann ist das für mich der größte Erfolg.

Wie bist du auf die Idee mit dem Festival begonnen?

Jacques: 2013 habe ich mich für das 2nd annual Boylesque Festival in New York beworben, relativ spät eigentlich, und wurde eingeladen. Die Teilnahme hat mir dann die Kraft gegeben, an mich zu glauben und an die Kunstform zu glauben, weil ich ja der Einzige hier bin. Im Herbst war ich dann in Stockholm beim 3rd international Burlesque Festival, wo ich viele Ideen bekam, wie man ein perfektes Festival organisieren kann, das aber trotz der Größe herzlich und menschlich war. Da hab ich mir gedacht, das mache ich jetzt auch. Dann ging alles sehr schnell und jetzt findet das Festival im Rahmen der Festwochen schamloser Kultur statt. Was mich ganz besonders freut ist, dass das Festival eine Kooperation mit dem Life Ball hat. Die Headliner werden auch am Life Ball auftreten und somit wird es heuer zum 1. Mal eine Boylesque-Show geben.

 

1st annual Boylesque Festival Vienna – Imperial Madness
Das Festival holt die besten der Besten in den Stadtsaal Wien und zelebriert zwei Tage lang Burlesque, Boylesque, Vaudeville, Artistik und alles dazwischen. Es ist das erste dieser Art in Europa und verbindet den imperialistischen, pittoresken Flair Wiens mit der modernen und aufgeschlossenen Großstadt. Host beider Abende, bei denen auch Conchita Wurst auftreten wird, ist World Famous *BOB*.

28. Mai: Queerlesque Teaser Party
Neben den Headlinern Tamara Mascara (Österreich), Rubyyyy Jones (England), Kitty Willenbruch (Österreich), Dave the Bear (England) und Lou on the Rocks (Schweiz) treten weitere 20 KünstlerInnen aus der ganzen Welt auf. Der Abend zeigt die Diversität von Burlesque und Boylesque auf und will auch ein Zeichen für mehr Toleranz für die LGBT-Comunity (Lesbian, Gay, Bisexual und Trans, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans) setzen.

29. Mai: Boylesque Main Event
Die Headliner, alles Gewinner der Boylesque Hall of Fame und alle aus Amerika stammend, sind Tigger, Russell Bruner, Jett Adore, The Evil Hate Monkey, Jonny Porkpie und Mr. Gorgeous. Sie stehen zum ersten Mal gemeinsam an einem Abend auf der Bühne. Aber es wird auch – neben neun weiteren Boylesque-Künstlern – Festival-Gründer Jacques Patriaque auftreten. Danach gibt es im Chaya Fuera noch eine rauschende Aftershow-Party.

 

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