YouTube-Wunder Lindsey Stirling

Bei America’s Got Talent wurde Lindsey Stirling von einem Juror in den Boden gestampft, war schon im Viertelfinale weg vom Fenster. Kurze Zeit später wurde die Violinistin mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Klassischer Musik, Electronic und progressivem Tanz zum YouTube-Star. Ob Mozart ihre Musik gefallen hätte, analysiert sie im Gespräch mit TICKET.

Du kombinierst Klassische Musik mit Dubstep. Gibt es irgendeinen Musikstil, der sich nicht mit Dubstep verbinden lässt?

Lindsey Stirling: Dubstep vereint viele verschiedene Stile in sich. Mein Schlagzeuger hat gesagt, dass er, wenn er Dubstep-Songs spielt, im Grunde genommen Rock’n’Roll-Beats spielt. Also, Dubstep passt zum Rock’n’Roll und wie man bei uns sieht geht es auch mit klassischer Musik. Das einzige, womit ich es mir nicht vorstellen könnte, wäre Country-Musik. Das wäre interessant!

Ist deine Do-It-Yourself-Einstellung noch immer wichtig für dich? Sind es jetzt nicht die Labels und Agenturen, die die Arbeit machen?

Lindsey: Ich bin so ein kreativer Kopf. Ich bin gern Teil von allem. Ich wähle die Produzenten aus, mit denen ich arbeite, ich schreibe noch immer gerne alle meine Geigenstücke selbst, ich plane meine Videos und bearbeite sie gerne. Ich muss aber auf einiges verzichten, zum Beispiel habe ich früher alle meine Kostüme selbst gemacht, jetzt nicht mehr. Ich designe und plane noch immer alles. Aber ich bekomme verstärkt Hilfe, damit ich mehr Zeit für Tourneen und andere Dinge habe. Ich übergebe ein Paar Sachen an Außenstehende, aber ich mache noch immer so viel wie möglich selbst.

Viele nennen dich das „YouTube-Wunder“ Lindsey Stirling. Aber glaubst du, dein Erfolg wäre ohne deinen Auftritt bei America’s Got Talent überhaupt möglich gewesen?

Lindsey: Bei America’s Got Talent habe ich viel gelernt. Es war eine gute Grunderfahrung für mich. Ich habe mitgemacht und war schnell wieder weg – nichts ist passiert. Ich war entmutigt. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ungefähr neun Monate später habe ich mit meinem YouTube-Kanal begonnen und daraus hat sich alles entwickelt. Ich bin ein von YouTube gemachter Künstler.

Du scheinst dich an hohe ethische Standards zu halten. Wie funktioniert das im fiesen Musik-Geschäft?

Lindsey: Als ich das erste Mal mit dem Musik-Geschäft liebäugelte, haben mir alle gesagt: „Du musst dich ausverkaufen! Sex sells! Die Leute wollen es dreckig!“ Aber ein großer Teil meines Erfolgs hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass ich meinen Standards treu geblieben bin. Die Leute respektieren das – natürlich nicht alle. Ich glaube, genauso viele Leute suchen nach Gutem wie nach dem Schlechten. Die Menschen werden vom Guten angezogen. Ich fühle mich fröhlich und gut. Ein großer Teil meines Erfolgs ist dadurch entstanden.

Fühlst du dich von Fans und Künstlern der Klassischen Musik akzeptiert?

Lindsey: Viele Leute, die klassische Musik respektieren, finden meine Musik erfrischend. Viele haben Klassische Musik aus den Augen verloren oder würden sie niemals hören. Es ist gut, diesen Leuten klassische Elemente näher zu bringen. Ich liebe es zum Beispiel bei meinen Shows, wenn viele junge Mädchen mit ihren Müttern kommen. Die Mütter sagen oft: „Danke, wegen dir übt sie das Geigenspielen. Wegen deiner Videos realisiert sie, dass es Spaß machen kann!“ Meine Musik bringt Klassische Musik in die Mitte der Gesellschaft. Die Leute können sie jetzt schätzen lernen.

Gehen wir kurz zurück ins 18. Jahrhundert. Musik hat sich seitdem sehr stark verändert. Denkst du, Leute wie Mozart würden die Entwicklung gut finden?

Lindsey: Ich glaube, sie wären frustriert, weil die Musik so einfach ist. Pop-Musik ist im Allgemeinen sehr simpel strukturiert – je einfacher, desto besser. Viele Electronic-Lieder haben nur wenige Akkordwechsel. Ich glaube, Komponisten von damals wären verärgert und würden sagen: „Ich habe die ganze Zeit Musiktheorie gelernt und ihr verwendet sie kaum!“

Glaubst du, Mozart würde deine Musik mögen?

Lindsey: Ich hoffe es, aber ich weiß nicht. Er würde wahrscheinlich mehr Läufe wollen, dass ich auf und ab spiele, wüerwüouraü!

Gefällt dir, wie sich die Musik entwickelt hat?

Lindsey: Ja, weil ich es liebe zu tanzen. Ich liebe die „Four-On-The-Floor-Beats“ und sowieso alles, das dich zum Bewegen bringt. Bewegung und Musik gehören für mich zusammen. Ich liebe es, dass einen Electronic wirklich mitreißt, schon in der Highschool war das so. Ich habe mein ganzes Leben lang elektronische Beats geliebt.

Würdest du gerne einmal Film-Musik komponieren?

Lindsey: Ja! Ich würde gerne mit Leuten wie Hans Zimmer oder John Williams zusammenarbeiten, vielleicht bei einem Fluch-der-Karibik-Soundtrack. Ich liebe diese Soundtracks, habe viele am MP3-Player. Das ist meine Entspannungs-Musik.

Bist du auch ein Musical-Fan, magst du zum Beispiel Das Phantom der Oper?

Lindsey: Ja, ich liebe Das Phantom der Oper, Wicked und Les Misérables. Alles, was im Theater läuft, gefällt mir sehr gut. Wenn ich Sängerin wäre, würde ich in Musicals singen!

Interview: Petra Albrecht, Gregor Krenker

 

Bereits ausverkauft ist Lindsey Stirlings Österreich-Konzert am 6. Juni in der Arena Wien.

 

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