Ziwui: Die Freiheit der Vögel

Wenn es noch einer schriftlichen Erklärung bedarf, dass die Zeiten der betonierten Föhnfrisuren, die in quietschbunten Sakkos Lieder von der Stange aus Fernsehkulissen ins Land hinaussingen und dabei das deutsche Schlager-Einheitslächeln zu Markte tragen, nun endgültig das Prädikat ‚Auslaufmodell‘ umgehängt bekommen, dann soll das an dieser Stelle geschehen!

 

Es tut sich was in der volkstümlichen Musik. Endlich! Der Begriff ist dem wahren Sinn des Wortes so nahe wie seit 50 Jahren nicht mehr. Volksmusik = Musik fürs Volk! Spaß und Freude soll es machen. Klischeefrei! Vor allem dann, wenn gefeiert wird. Die Instrumentierung querbeet, der Zirbenstubengeruch nicht verpflichtend, Dirndl und Lederhose haben Coolnessfaktor, die Tracht den Nationalen entrissen und dort wieder zuhause, wo sie herkommt: Bei den Menschen: Florian Claus, Stefan Raaflaub, Korbinian Arendt, Christian Schild, Julian David, Michael Hartinger sind der voXXclub. Mit Doppel-X, weil XX-Large.

Die Geschichte der Band führt zurück in eine Studentenküche, dem wohl wichtigsten Raum jeder WG. Dort steht der Kühlschrank, der Küchentisch und so gut wie jedes Fest endet stets in der Küche. Da wird getrunken, gefeiert und … gesungen. Der Küchentisch, die Kreuzung in die musikalische Zukunft – „Crossroads“ lässt grüßen. Jeder der sechs hatte in seinem Studium mit Musik zu tun, stimmlich passt’s auch und da das Sextett quasi den Alpenraum repräsentiert, wird das Debüt-Album den Namen „Alpin“ tragen.

Das deutsch-österreichisch-schweizerische A-capella-Gefühl wird schnell zum Thema im Internet. Ein Flashmob in den Münchener Riem-Arcaden brachte die Leute in der Shopping Mall zum Staunen und auf YouTube wandert das Video von dem Auftritt mittlerweile Richtung sechs Millionen Klicks. Die Zeit dafür schien einfach reif zu sein. Der Volks-Rock’n’Roll des Andi aus Graz hat die erste Bresche dafür geschlagen und da jeder der sechs vom Club aus seinem eigenen Biotop stammt, wo Volksmusik schon immer eine Rolle gespielt hat, war die Entwicklung auf gewisse Art vorgezeichnet. Es bedarf dann noch der Initialzündung, die den Motor in Bewegung setzte – und die kam in Person von Martin Simma. Der Produzent und Szene-Insider ist ein Freund Michael Hartingers.

 

Rock Mi im Einkaufszentrum

„Rock Mi“ – der Song aus der Mall zieht seine Schunkelschneise durchs Land, bewegt die Massen bei den Oktoberfesten und ein Jahr später hat der voXXclub eine Echo-Nominierung und zahlreiche Chartnotierungen aufzuweisen. Es ist die Lockerheit, die Frische und das Unkonventionelle das schließlich unter „Volxpop“ summiert. Bierernst war gestern, heute regiert der unkomplizierte, coole Zugang zum Thema und wenn die Band von der Bühne ins Publikum blickt, dann tummelt sich da in erster Linie junges Publikum und rockt mit.

Anderthalb Jahre später steht „Ziwui“ am Sprungbrett zu den Fans. Das neue Album ist noch kompromissloser als der Vorgänger „Alpin“. Aufgenommen in Hamburg, produziert von Roland Spremberg, der schon für Unheilig und a-ha erfolgreich tätig war. Nord traf auf Süd. Der Mix, der in Hamburg entstanden ist, bringt neue Einflüsse und das Ergebnis ist schlichtweg sagenhaft. Das Spektrum reicht von Hip-Hop-Elementen über g’stampften Rock bis hin zu Rustikalem. Alles zusammengehalten vom Drei-Länder-Alpindialekt-Mix, von A-capella zum voll arrangiertem Songmaterial gewachsen.

Der Titel „Ziwui“ stammt aus einem alten Tiroler Volkslied, dem Höttinger Vogelfänger-Lied. Aber was zum Geier bedeutet das? Bei der Frage kapituliert selbst Wikipedia. „‚Ziwui‘ ist das gesungene Zwitschern der Vögel und das wiederum ist für uns stellvertretend für Freiheit, Ungezwungenheit, das Leben genießen“, erklärt Martin Simma, der Initiator des XXclub und klar ist, dass sechs junge Künstler, denen zurzeit die Welt offensteht, die Karriereleiter in lichte Höhen weist, diese sechs die Freiheit genießen, die mit dem Erfolg einhergeht. Die Freiheit künstlerisch das tun zu können, was einem taugt, keine Konventionen gemacht werden müssen und staunend erleben zu dürfen, dass die Menschen den Weg mitgehen. Mit dem Volxpop erobert eine junge Generation die Volksmusik für sich zurück, entstaubt sie und macht das, wofür diese Musik ursprünglich stand: Feiern und Spaß haben!

 

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