Zotter: Gaumenfreuden in der Thermenregion

Zotter

Zotters süße, salzige, saure, bittere und umami Versuchung: Beim steirischen Familienbetrieb werden sämtliche Geschmäcker und Gelüster von Naschkatzen bedient. Doch die Region hat noch viel mehr zu bieten.

ZotterDer Anfang der Sechziger geborene Steirer Josef Zotter ist als Koch durch die halbe Welt bis New York gejettet. Das war vor 1987. Dann traf er seine zukünftige Frau Ulrike, die er nicht nur heiratete, sondern mit der er auch gemeinsam die erste Zotter-Konditorei in Graz eröffnete. Es folgten über die Jahre nicht nur drei Kinder, als Konditor schuf Zotter damals auch ungewöhnliche Torten ohne Zuckerguss, die aus zehn und mehr Sorten zusammengestellt wurden und dazu auch noch asymmetrisch waren: Hauptsache anders war schon früh seine Devise. 1992 erfand er durch Zufall die handgeschöpften Schokoladen, für die der Name Zotter heute – nach einer Insolvenz Mitte der Neunziger – weltweit steht: Josef Zotter gilt nicht nur zu den besten Chocolatiers der Welt, sondern ist vielleicht sogar ein bisschen „Kult“.

Fair und Bio

Doch der Name Zotter steht für mehr als nur Innovation: Seit 2001 reist Josef Zotter in die Anbauländer seiner Rohstoffe, um Kakaobauern zu treffen. „Der Geschmack wächst beim Kakaobauern. Der Bauer ist der wichtigste Partner im Schoko-Business“, erklärt er. Seit 2004 ist Zotter Lizenzpartner von Fairtrade und kauft den gesamten Kakao, Zucker, Kaffee, viele Früchte bis hin zu Gewürzen über den fairen Handel ein. „Fairen Handel kann man nicht schmecken, aber als Produzent und Mensch trage ich die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen der Bauern.“ Doch damit nicht genug, es folgte die Umstellung auf Bio: „Bio war schon immer unser Ziel, aber wir mussten 200 Zutaten in Bio finden. 2006 hatten wir dann von Haselnüssen bis Whisky alles beisammen“, erinnert sich Zotter. Dass er scheinbar nebenher auch noch für Entwicklungshilfe in seinen Bezugsländern sorgt, hängt er nicht einmal an die große Glocke, weiß aber ob der dringlichen Notwendigkeit – gerade in der Bildung: „Bildung ist der sicherste Ausweg aus Armut und Ausbeutung. Ich hoffe, dass wir möglichst vielen Kindern ermöglichen können, diese Chance zu bekommen.” Umso wichtiger ist daher für ihn auch der faire Handel: „Wie Kriminalität entsteht Kinderarbeit auch aus der Not heraus. Die Menschen kämpfen, damit sie etwas zu essen haben und morgen auch noch da sind. Fairer Handel ist der Schlüssel, um diese Armut zu durchbrechen. Wenn die Bauern von ihrer Ernte leben können und die Familie satt wird, dann gibt es auch keine Kinderarbeit mehr.“

Zotter

Josef Zotter macht sich auf einer indischen Plantage selbst ein Bild.

Kreative Spielwiese

Bio und Fairtrade, das ist heute in Mode mehr denn je, aber dennoch schwingt dabei für ein Gros ein fader Beigeschmack mit – doch gerade die mannigfaltigen Kreationen Zotters überzeugen rasch vom Gegenteil: Ein größerer kreativer Spielraum als hier findet sich in keinem vergleichbaren Betrieb, seit 2007 ist das Schokoladen-Sortiment nahezu explodiert und heute gibt es über 400 verschiedene Schokoladen zu erstehen – darunter primär nicht gewöhnliche Mixturen, sondern spannend-gewagte Geschmacksgedichte wie etwa „Caipirinha“, „Gin Zitronic“, „Messwein und Weihrauch“, „Kandierter Ingwer“, sowie mit freundschaftlicher Hochschätzung an den bundesländischen Nachbarn „Kärntner Reindling“ – oder auch in Kooperation mit dem benachbarten Edel-Weingut Winkler-Hermanden eine Huldigung an die eigene Region: „Olivin“. Aber keine Sorge: Auch weniger mutige Naschkatzen werden mit „gewöhnlichen“ Zutaten – Nüsse und Beeren aller Art – bestens bedient.

Glänzen kann Zotter mittlerweile aber nicht nur mit seinen ursprünglichen, handgeschöpften Schokoladen: Mitzi Blue heißt eine runde Schokolade mit fantasievollen Bruchmustern, und Zotters Trinkschokolade ist eine Reminiszenz an Xocolatl, das flüssige Gold der Inkas, Mayas und Azteken und gibt es etwa in den sakriköstlichen Kreationen „Götterdrink“, „Honig-Zimt“, „Weiße mit Vanille“ oder – gerade im Herbst sehr einladend – „Ingwer Kokos“ und „Grüntee“.

Neue Kreativformen wie etwa FlicFloc-Flakes, Globally, Pop Art Corn, ChocoShots und Glühbirnchen sorgen zudem für ein kindliches, dabei abwechslungsreiches Naschvergnügen.

Josef Zotter inmitten seiner “Kinder”.

Nicht nur “alles gute”, sondern “nur das Beste” zum 30. Geburtstag

Wie man üblicherweise den Geburtstag – gerade runde wie den Dreißiger – inmitten seiner engsten Freunde feiert, so feiert auch Zotter sein Jubiläum, geladen sind in erster Linie auch zu seinem Wiegenfest Fairness und Innovation: Zum Jubiläum gibt es über 20 neue handgeschöpfte Schokoladen, die mal klassisch-edel wie die fruchtige Himbeerschoko, mal verrückt wie die Fake-Chocolate mit Peanuts und Brennnesseln sind. Darunter findet sich auch die neue Charity-Schoko „Schoko-Banane“, bei der 50 Cent pro verkaufter Schokolade in das Kindernothilfe-Projekt „Schokolade macht Schule“ fließen.

Auf Entdeckungsreise

In der Manufaktur im steirischen Bergl wird die Schokolade nicht nur bean-to-bar, also von der Bohne weg gefertigt. Auf einer spannenden Verkostungstour sieht man durch die gläserne Architektur auch in die Produktion und kann an vielen kreativ inszenierten Naschstationen das einmalige Geschmacksspektrum erleben: Denn Schokolade kann, muss aber nicht zwangsweise gierig verschlungen werden – gerade die sensiblen Geschmacksexplosionen laden dazu ein, manchmal auch nur ein Stückchen auf die Zungenspitze zu legen, es schmelzen zu lassen und dabei die Geschmacksknospen lustvoll beträufeln zu lassen. Die Eigenanalyse zeigt: Selbstbeherrschung ist schwer, wird aber gerade bei Zotter belohnt!

Der anliegende „Essbare Tiergarten“ lädt im Anschluss an die wahrlich süße Tour dazu ein, einige für die Verdauung förderliche Schritte zu wagen: Hier kann man (gerade als Städter interessant) die zottersche Erlebnis-Bio-Landwirtschaft, wo alte heimische Tierrassen leben und regionale Obst- und Gemüsesorten gedeihen, erkunden. In der Öko-Essbar kann man diese anschließend inmitten der Weiden und Gärten wahrlich natürlich genießen und man erkennt, so banal als auch wahr: Lebensmittel kommen aus der Natur, und nicht dem Supermarkt. Tiere und Pflanzen sind Lebewesen und keine Produkte – etwas, das zum Beispiel auch in der nahegelegenen Schinkenmanufaktur Vulcano großgeschrieben wird.

Zotter

Auf Genusstour durch Zotters Betrieb.

Regionale Genüsse

Ein Ausflug in die Thermenregion lohnt sich also durchaus: Naschkatzen werden bei Zotter Genussmomente kredenzt, das nahegelegene Weingut Winkler-Hermaden überzeugt nicht nur ob seiner Schoko-Kooperation „Olivin“: Egal ob weiß oder rot, oder hochprozentig oder doch lieber spritzig – das bereits in der dritten Generation befindliche Weingut beweist wie auch Zotter, dass „biologisch“ nicht zwangsweise mit Fadesse gleichzusetzen ist. „Möglichst hohe Komplexität und ausgeprägte Geruchskomponenten, sowie ein eleganter Körper und Reifepotential sind für uns die zentralen Ziele in der Weinbereitung“, heißt es da von der Familie – und wie nur bei wenigen heimischen Weingütern werden diese Ansprüche auch tatsächlich erreicht. Kosten Sie neben dem Olivin etwa auch den Caphenstein oder den Gewürztraminer Ried Klöcher Ölberg, und Sie erfahren, wieso der Wein in der Antike seinen eigenen Gott hatte. Mehr noch: Im Schloss der Familie lassen nicht nur der hauseigene Trank, sondern auch die Speisen Lustmomente erleben.

Winkler Hermaden

Zehn Mitglieder der Familie Winkler-Hermaden lassen in Kapfenstein ihre Ideen einfließen – vom Weingut bis hin zur kulinarischen Linie im Schloss.

Aber nicht nur am Schloss, auch in der Region speisen Sie formidabel: Besuchen Sie doch die bereits angesprochene Schinkenmanufaktur Vulcano, oder auch die Fromagerie zu Riegersburg! Wie auch bei Zotter und Winkler-Hermaden werden hier die Erzeugnisse – Schinken und verwandte Produkte, respektive Käse – mit Liebe zum Ursprung hergestellt. Und das schmeckt man. Überzeugen Sie sich selbst – jeder der Betriebe bietet nicht nur im Shop die Produkte an, sondern lädt auch ein, bei geführten Touren und Verkostungen durch die Betriebe, sich selbst ein Bild von der höchsten Qualität zu machen! Und abschließend eine Bemerkung am Rande: Die Vorbildwirkung der Region geht über den eigenen Betrieb hinaus – hier arbeiten die Unternehmen mit-, und nicht gegeneinander. Etwas, das sich Rest-Österreich und insbesondere die Bundeshauptstadt durchaus abschauen könnte …

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