Zucchero und das weiße Gold

Alles neu bei Zucchero – mit 60 besinnt sich der Italo-Bluesman mit „Black Cat“ auf seine Wurzeln. Mit dabei: eine hochkarätige Gästeschar, u. a. mit Bono und Mark Knopfler.

ZuccheroDie vergangenen Monate hatten es in sich: Zuerst feierte Adelmo Fornaciari seinen 60. Geburtstag, dann lieh er seine Stimme „Voices for Refugees“ am Wiener Heldenplatz. Damals bereits im Werden, doch noch streng geheim: Das neue Studio-Album von Zucchero, für das er sich seine alten Kumpanen Bono (schrieb an Songs mit), Mark Knopfler (steuerte für „Streets of Surrender“ die Gitarre bei) und Don Was (produzierte schon öfters für das Italo-Raubein) an Bord holte. „Zurück in die Vergangenheit“ ist die Devise von „Black Cat“, weg vom intimen Rahmen des bisher letzten Studioalbums „Chocabeck“, und der monumentalen Live-Aufnahme „Una Rosa Blanca“ aus Kuba. Doch es gibt auch sonst einiges Wichtige in Zuccheros Leben – und irgendwie hat alles dennoch mit Musik zu tun …

Durch deine gesamte Karriere ziehen sich Chartiy-Projekte, von „Pavarotti & Friends“ bis zum „Voices for Refugees“ im vergangenen Herbst in Wien. Deine Motivation?

Ich gebe damit den Menschen ein bisschen zurück, denn ich kann mich selbst äußerst glücklich schätzen, dass ich einen Job habe, der mir viel Spaß macht: ich mache die Musik, die ich mag! Wenn man im Leben Glück hat und dann Menschen sieht, die verzweifelt sind, die Hilfe brauchen … Mit einem Minimum an Zeit kann ich zumindest ein wenig für sie tun, und wenn ich nur singe oder über die Flüchtlingsproblematik spreche. Mir geht das Schicksal von Kindern aus Kriegsgebieten besonders nahe. Sie haben doch nichts mit Konflikten zu tun, sie sind unschuldig. Dann sieht man sie weinen, sterben. Solche Bilder brechen mir das Herz.

Fällt dir eine Lösung der Flüchtlingskrise ein?

Das ist mehr als nur schwierig … Ich denke, dass die Politiker Flüchtlinge bloß instrumentalisieren. Man sagt zu uns Italienern, dass, wenn Flüchtlinge zu uns kommen, auch Terroristen und Menschen, die uns unsere Jobs wegnehmen, kommen. Wie könnte man derart verzweifelte Menschen aber aufhalten, zu uns zu kommen? Klar sollte man alle kontrollieren, um zu wissen, wer da nach Italien will. Aber Flüchtlingen muss man helfen! Ich verstehe Länder wie England, Frankreich oder Ungarn nicht, die keine oder nur wenige aufnehmen.

Ist der Westen am Elend schuld?

Für mich ist vor allem das Verhalten der Amerikaner falsch, die das meiste erst angerichtet haben. Die haben doch nicht nur Terroristen getötet, sondern auch aus anderen Motiven. Und jetzt meinen sie, dass sie das alles nichts mehr angeht. Die Welt entwickelt sich derzeit leider generell in die falsche Richtung. Was wäre die Lösung? Politiker, die menschlicher reagieren. Doch das ist wohl unmöglich.

Im vergangenen Herbst hast du deinen 60. Geburtstag gefeiert. Ein spezielles Datum?

Meine Freundin hat eine Überraschungsparty organisiert, ich wollte überhaupt nicht feiern. Ich kann mit diesem Alter nichts anfangen, denn ich fühle mich nicht wie 60. Aber vielleicht ist jetzt an der Zeit, besser auf meine Gesundheit zu achten.

Wie geht es nach dem Erscheinen von „Black Cat“ weiter?

Ich gehe auf große Tournee. Wir beginnen in Kanada im Juni, dann spiele ich zehn Mal daheim in der Arena di Verona. Dann im Rest Europas, unter anderem fünf Konzerte in Österreich.

10 ausverkaufte Arena-Konzerte: Werden heute lokale Künstler in Italien mehr geschätzt als in den Achtzigern?

Es gab eine Zeit, in der nur wenige Künstler in Stadien auftreten konnten. Der erste, an den ich mich erinnern kann, war Bob Marley. Dann kamen die Rolling Stones und Springsteen. In den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren hat sich das völlig verändert. Heute können viele Künstler in ganz großem Rahmen auftreten. Vielleicht liegt es am Internet, an den ganz neuen Möglichkeiten des Marketings und der Promotion. Ich spiele aber lieber mehrere Abende in kleineren Venues, das Publikum kann dich von überall sehen, die Akustik ist meistens besser und die Menschen fühlen sich einfach wohler. Bei Stadienkonzerten geht es nicht nur um die Musik, sondern auch um das Treffen von Freunden, es ist eine große Party.

Ist das neue Album auch ein Neubeginn?

Mit „Black Cat“ gehe ich zurück zu meinen Wurzeln, zum Blues und Soul. Es erinnert mich ein wenig an mein zweites und drittes Album, auch wenn ich mich nicht wiederhole. „Chocabeck“ war intimer, romantischer. Jetzt gibt es wieder mehr Energie und „mehr Rock ’n’ Roll“.

https://www.youtube.com/watch?v=BQi9peTRdnA

“Black Cat” ist Ende Mai bei Universal Music erschienen. Zucchero kommt zwischen 2. und 9. Oktober nach Dornbirn, Wien, Innsbruck, Salzburg und Graz. Für Wien, Salzburg und Graz sind spezielle Dinnerpackages verfügbar.

 

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