Zurück in die Zukunft

Im Marketing-Sprech „rockt“ heute einfach alles. Im Gegenzug zu dieser dreisten Verwahrlosung kehren die wilden Siebziger immer stärker zurück in den Fokus.

 

Die Musikbibel Rolling Stone bezeichnete dereinst die EP „(I Can’t Get No) Satisfaction“ ihrer Namenskollegen als Geburtsstunde der Rockmusik, einer Musikrichtung, die aus den „rollenden“ Fünfzigern – von Elvis, Jerry Lee Lewis und Litte Richard – den Karacho zog, gleichzeitig aber auch in der amerikanischen Garage- und Surf-Musik der Sechziger wie auch den antik anmutenden afroamerikanischen Stilen, dem Blues und dem Jazz, wütete. Von dieser simplifizierten Genealogie ausgehend, verästelte sich ab den Siebzigern der Stammbaum rapide und bis heute hin stark, das sei an jener Stelle aber nur peripher erwähnt.

Heaven & Hell

Den Fokus möchten wir auf zwei Namen legen, beide im 68er-Jahr gegründet – zum einen die „New Yardbirds“ Led Zeppelin, zum anderen Earth, die wenig später als Black Sabbath Geschichte schreiben sollten. So divers sich die Veröffentlichungen beider Briten anhören mögen – ein psychedelischer Blues auf der einen, ein Kokettieren mit satanischen Symboliken und basslastige Würgelaute auf der anderen Seite –, ihnen gemein ist: Auf jene Töne, die erklingen, wenn man (insbesondere die heute ikonischen Frühwerke) „I“ bis „IV“ und „Black Sabbath“ bis „Sabbath Bloody Sabbath“ übereinanderlegt und womöglich noch rückwärts abspielt, fußt jene Vintage Welle der Rockmusik, die ab etwa 2005 mit The Answer, Orchid, Graveyard und Witchcraft anfangs zaghaft, in den letzten Jahren immer stärker an die Oberfläche, hinein in einen „reduzierten Mainstream“ drängte.

Uncle Acid & The Deadbeats Direkt aus der Hölle von Cambridgeshire kommen die Herren mit massig „Blood Lust“ und „Mind Control“ im Gepäck aufs diesjährige Nova Rock und werden Ozzy und seinen Mannen gehörig Konkurrenz machen.

Uncle Acid & The Deadbeats
Direkt aus der Hölle von Cambridgeshire kommen die Herren mit massig „Blood Lust“ und „Mind Control“ im Gepäck aufs diesjährige Nova Rock und werden Ozzy und seinen Mannen gehörig Konkurrenz machen.

Jene Sparte „zwischen Psychedelic, Stoner und Doom“ passierte freilich nicht von ungefähr, bereits nach Led Zeppelin und Black Sabbath gab es immer wieder (insbesondere ab den 1990ern) aufkeimende Rückbesinnungen auf die wilden Siebziger – von The Melvins und Kyuss über Electric Wizard und Neurosis bis hin zu Cathedral und vielen anderen. Aber das, was zuvor vorrangig und vereinzelt im „Heavy“-Genre passierte und mehr einen „Geheimtipp“ darstellte, ist seit den letzten wenigen Jahren eine reversible Domino- Dynamik: Komische Gesichtsbehaarung, fragwürdige Mode, verkehrte- Kreuz-Ketten, Vinyl und Okkultismus ist wieder mehr als in, auch angefeuert von den lasziven Bewegungen des stets wachsenden Frauenanteils (Blues Pills, Purson, Jex Thoth) und genährt durch Massenveranstaltungen wie dem Roadburn-Festival in Tilburg, den Desertfesten in London und Berlin, oder hierzulande allmonatlich im Rahmen der Roadtrip-To-Outta-Space-Reihe der Wiener Arena.
Künstler, die einst auf Nischenlabels wie Rise Above oder Relapse zu finden waren, stoßen heute bei den größeren Brüdern auf Anklang: Die führenden Independent-Labels Nuclear Blast und Napalm sorgen mittlerweile für steten Nachwuchs, während die Altväter freilich bei den Majors Universal Music (Black Sabbath) und Warner Music (Led Zeppelin) daheim sind. Ihnen allen gemein ist: Sie bedienen einen Zeitgeist, der heute tatsächlich nicht nur den musikalischen Neandertaler, sondern immer mehr junges Publikum „vor den Ofen“ lockt.

RTOS

Lest hier unser Interview mit den Verantwortlichen für die RTOS-Reihe der Wiener Arena.
Die nächsten Termine:
8. April Scorpion Child / Horisont / Jackson Firebird
10. April Old Man Gloom / Circle / Trepaneringsritualen
20. April Windhand / Inter Arma
22. April ASG / Anciients
23. April Radio Moscow / Castle / Prima Circus
12. Mai Blood Ceremony / Spiders
29. Mai Conan / Belzebong / The Moth
8. Juni Clutch
9. Juni Primitive Man / Wake

Interview: Das deutsche Label [highlight color=”yellow”]Nuclear Blast[/highlight] über die Vintage-Künstler in ihrem Hause, von Graveyard über Blues Pills bis hin zu The Vintage Caravan

Graveyard

Massen- statt Gegenkultur: Die Söhne der “wilden Siebziger” (hier: Graveyard) beweisen, dass der Rock nicht der Verwahrlosung entgegensteuert.

Nuclear Blast wurde 1987 gegründet. In der langen Geschichte des Labels kann man wunderbar die Strömungen und Trends beobachten: Von Death- zu Black-Metal-Hochphasen bis hin zu Power- und Symphonic-Epochen ist das deutsche Label ein akribisches Geschichtsbuch. Aber: „Eine vorausblickende Planung hinsichtlich Trends gibt es bei Nuclear Blast nicht“, klärt uns Markus Jakob aus der Blast!-Redaktion, auch verantwortlich für Promotion, auf: „Wir nehmen Bands unter Vertrag, die uns gefallen und von denen man sich aus wirtschaftlicher Sicht, sowohl für uns als auch für die Band selbst, Erfolg versprechen kann. Von Fall zu Fall setzt man so einen neuen Trend oder partizipiert an einem solchen.“ Die aktuellste Welle ist, auch im Hause Nuclear Blast, Vintage-Rock mit fabelhaften Vertretern wie Orchid, Kadavar oder The Vintage Caravan – die jeglichen Generationskonflikt negieren.

Es ist kein Geheimnis, dass das breite Spektrum des Heavy Metals stets Wellen unterworfen war. Nuclear Blast ist bereits ein alter Hase im Business und demnach sind die bevorzugten Strömungen zu Death oder Power und Black in den einzelnen Jahrzehnten auch bei euch klar ersichtlich. Kannst du mich aufklären, wie in groben Zügen eine „vorausblickende“ Planung der Signings – sofern sowas existiert – passiert?

Markus: Eine vorausblickende Planung hinsichtlich Trends gibt es bei Nuclear Blast nicht. Wir nehmen Bands unter Vertrag, die uns gefallen und von denen man sich aus wirtschaftlicher Sicht, sowohl für uns als auch für die Band selbst, Erfolg versprechen kann. Von Fall zu Fall setzt man so einen neuen Trend, oder partizipiert an einem solchen. Es gibt aber kein Reißbrett in unserem Meetingraum, auf dem festgelegt wäre, wie viele Bands eines jeweiligen Subgenres in den nächsten Monaten unter Vertrag genommen oder veröffentlicht werden müssen um irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.

Nuclear Blast ist das größte Independent Heavy Metal-Label, mit Sitz in Deutschland. Wie schauen hier die Verzögerungen aufs europäische Festland hinsichtlich der Trends in Amerika und vor allem UK aus?

Markus: Die Trends, die in Amerika passieren, kommen meist mit einer – für die breite Öffentlichkeit merklichen – Verspätung von etwas ein bis zwei Jahre an. Der britische Musikmarkt orientiert stark an dem der USA, weshalb dort einige Bands, die auf dem Festland angesagt sind, weniger bekannt sind – das gilt allerdings auch umgekehrt. Die Märkte sind sehr verschieden. Während in den englischsprachigen Ländern die nativen Künstler bevorzugt werden, ist man in Europa offener, meist ganz gleich, woher eine Band kommt.

Die wohl im Genre aktuell dominanteste Welle ist die des Classic Rocks – nicht nur, dass auch die alten Haudegen wieder wohlfeile Veröffentlichungen zaubern (Black Sabbath), auch zahlreiche Jungspunde machen sich auf die Spuren der „wilden Siebziger“. Worin würdest du jene Bewegung begründet sehen?

Markus: Die Bewegung an sich gibt es ja schon länger und ist nicht erst in den letzten zwei Jahren entstanden. Man denke nur an Gruppen wie The Hellacopters, die sich ja schon wieder aufgelöst hatten, bevor das ganze so sehr explodierte. Mein Denken und auch persönliches Empfinden ist, dass der Bedarf an ehrlicher, handgemachter, warmer Rock-Musik dauerhaft präsent war und durch einige neuere Protagonisten, die hervorragende Musik abliefern, derart gefördert wurde, dass immer mehr Menschen sich darauf besonnen haben. Einen Teil dazu beigetragen haben wird sicher auch die Tatsache, dass irgendwann einfach alles zu glatt poliert, zu kantenlos und zu perfekt klang – da wünscht man sich logischerweise irgendwann wieder etwas mehr Ursprung zurück. Bei dem ein oder anderen mag da sicher auch Nostalgie mitschwingen, aber man muss auch sagen, dass diese Art von Musik eine der zeitlosesten und bewegendsten in der gesamten Musiklandschaft darstellt.

Könntest du dingfest machen, was „damals“ den guten, klassischen Rock so besonders machte und was man davon – trotz technischer Neuerungen – heute bei jenen „Vintage Formationen“ wiederfindet?

Markus: Ich denke, damals war es das Neuartige, das „Gefährliche“ und „Rebellische“, teils auch Okkulte. Das war ja mit Beat und Rock ’n‘ Roll nicht anders – auch das hat die Leute in Aufregung versetzt, nur war die Musik und die Erscheinung der Protagonisten nicht so „hart“. Und natürlich Authentizität, die jedoch meiner Ansicht nach bei keinem Musikschaffenden fehlen darf – sei es Rock, Metal, Hip Hop, Techno oder Pop. Gerade diese Authentizität findet sich bei vielen der jungen bzw. neuen Bands wieder und das macht sie besonders und glaubwürdig. Es ist ein bisschen wie mit dem Sound, den ich zuvor beschrieb. Auch die Musiker sind nach und nach zu glatt geworden, mit Photoshop verjüngt und „entfaltet“ worden, perfekt ausgeleuchtet und weiß der Geier. Ich will einen verschwitzten Typen mit Haaren im Gesicht wie Theo Mindell von Orchid oder eine im langen blumigen Rock tranceartig tanzende Frau wie Elin Larsson von Blues Pills sehen – das ist echt!

Vintage ist auch Vinyl: Merkt man bei den Verkäufen auf Nuclear Blast auch einen Trend zu Vinyl, wenn ja, in welchen der Sparten? Und: Gibt es hier Tendenzen eher hin zu Picture, Colored oder Splatter, oder eher zum klassisch schwarzen Vinyl? Und: Welche Farben sind der Reißer?

Markus: Auch hier merkt man eine generelle Orientierung zu den Anfängen. Der Trend zum Vinyl ging jedoch bereits vor den großen Retro-Boom los. Aber es liegt offenkundig in der Natur der Sache, dass gerade Bands wie Kadavar oder Graveyard auf Vinyl sehr stark verkaufen. Picture ist hier weniger gefragt – Farben hingegen sehr – welche, ist schwer benennbar. Am schnellsten ausverkauft sind natürlich immer die Farben, die dem Album-Artwork schmeicheln. Schwarz geht im Prinzip immer – viele sind ja froh, dass sie ein Album überhaupt auf Vinyl bekommen können. Es ist Musik für Musikliebhaber und diese muss auch auf dem einzig adäquaten Medium erhältlich sein.

Eine Frage, die sich jede „neue“ Band, die Ähnlichkeiten zu Altbekanntem aufweist, gefallen lassen muss: „Wozu brauche ich eine (mediokere oder gute) Kopie, wenn ich noch das Original habe?“ Deine Antwort hierauf?

Markus: Das muss jeder für sich selbst entscheiden, da das für mich eine reine Geschmacks- oder Empfindungsfrage ist. Es gibt viele Leute, die Orchid beispielsweise als die neuen Black Sabbath ansehen und auch deren Veröffentlichungen über die jüngsten Kompositionen von Iommi & Co. stellen. Wieder andere werden Dir das Gegenteil sagen. Ich für meinen Teil kann nur sagen, wenn es gut gemacht ist und eine eigene Persönlichkeit besitzt und nicht ohne Seele 1:1 abgekupfert ist, stellt sich mir diese Frage nicht.

Was wären deine persönlichen Top-5-Highlights von „damals“ (im Genre des Classic/Psychedelic/Doom/Stoner/etc)?

Markus: Black Sabbath, Coven, Circus 2000, The Doors und um Progressive mit reinzunehmen, Genesis.

Nuclear Blast ist nicht nur generell, sondern auch im spezifischen Genre das dominanteste Label. Würdest du den „Selling Point“ eurer aktuellen Highlights – von The Vintage Caravan über Graveyard bis Orchid – anhand eines bekannten Songtitels einer der klassischen Bands umschreiben können?

Markus: Avatarium – „Stargazer“ (Rainbow), Blues Pills – „Piece Of My Heart“ (Janis Joplin) und „Foxy Lady“ (Jimi Hendrix), Free Fall – „Whole Lotta Love“ (Led Zeppelin), Graveyard – „All well“ (Fleetwood Mac), Kadavar – „Nantucket Sleigh Ride“ (Mountain), Orchid – „War Pigs“ (Black Sabbath), Scorpion Child – „Communication Breakdown“ (Led Zeppelin), The Vintage Caravan – „Sunshine Of Your Love“ (Cream) und Witchcraft – „Planet Caravan“ (Black Sabbath).

 

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Mittlerweile ist das Feld der “Vintage”-Bands derart unübersichtlich wie zu den frühen Neunzigern der Death Metal. Was braucht eine Band, um von Blast unter Vertrag genommen zu werden, was ist eurer Sicht nach „das gewisse Etwas“?

Markus: Sie muss authentisch sein – und die Musik muss uns natürlich gefallen. Sie muss uns überzeugen und Visionen wecken – der Rest kommt von selbst! Jüngstes Beispiel sind The Vintage Caravan aus Island.

Wodurch lassen sich Retrowellen erklären?

Markus: Wie bereits beschrieben, denke ich, dass es sehr eng mit einem Überdruss bzgl völlig überzüchteter Genres und somit deren Protagonisten zusammenhängt. Irgendwann stellt sich das Gefühl ein, dass a) alles gesagt ist und b) nichts mehr so ist, wie es einmal war, als man diese bestimmte Richtung lieben gelernt hat und wünscht sich wieder dieses Gefühl zurück. Trennt man, wie bei jeder Welle, die Spreu vom Weizen, hat man die Bands, die es schaffen, dieses Gefühl wieder zu kultivieren.

Was ist die Zielgruppe einer Retrowelle? Diejenigen Hörer, die schon Jahre am Buckel haben, oder primär Neukunden?

Markus: Ich denke, das hält sich die Waagschale. Besucht man Konzerte jener Bands sieht man sowohl junge als auch mittelalte sowie alte Gesichter. Da feiern und schwelgen Twens mit Alt-68ern. Es ist ein Generationentreffen und das ist sehr schön. Musik vereint einfach auf allen Ebenen. So, wie es sein soll.

Lässt sich durch die Jungspunde auch eine vermehrte Hinwendung zu den „alten“ Bands erkennen?

Das geht Hand in Hand. Natürlich testen Fans der neueren Bands auch die älteren an und umgekehrt. Beziffern können wir das jedoch schwer, aber man sieht ja, wie voll die Hallen und Clubs proportional bei den größeren und kleineren Bands sind – da besteht auf jeden Fall eine Verbindung.

 

Interview: Vintage: Was ist das? Mit dem Sub-Label von [highlight color=”yellow”]Napalm Records, Spinning Goblin,[/highlight] haben wir ein Liebhaber-Label “vor der Haustüre”.

PetThePreacher-Pic

Pet The Preacher ist nur eine von vielen sensationellen Künstlern, die ein “Zuhause” in der Steiermark gefunden haben – und von dort aus antike Töne durch die Boxen jagen.

In unseren Landesgrenzen haben wir im steirischen Eisenerz mit Napalm Records ein Label vorliegen, das seit den frühen Neunzigern musikalische Strömungen forciert und Trendbedürfnisse bedient. So auch aktuell – mit ihrem Sublabel Spinning Goblin – im breiten Feld des „Vintage“-Rocks. Hier bekommen Hörer von „14 bis 64“, die auf ehrliche, handgemachte, bodenständige Hooks stehen, ihr auditives Heroin geliefert: „Bei Spinning Goblin ging es von Anfang an darum, neue interessante Bands aus dem Stoner-, Retro-, Psychedelic-, Post-oder Avantgarde- Rock zu entdecken und zu fördern. Wir wollten qualitativ hochwertige und interessante Schallplatten oder Singles herstellen und hatten Verkaufszahlen eher als zweitrangiges Ziel.“ Wir sprachen mit Sebastian Muench (A&R, Licensing).

Kannst du unseren Lesern einfach erklären, welchen Grund Aufsplittungen in Sublabels haben?

Sebastian: Napalm Records war eines der ersten, wenn nicht sogar das erste Heavy Metal Label, welches bewusst Stoner oder Retrobands unter Vertrag genommen hat. Anfangs waren Metaller überrascht, dass wir uns für Monster Magnet, Karma To Burn oder auch Lonely Kamel interessierten. Monster Magnet hatte in der Vergangenheit schon viel Erfolg, aber ansonsten war die Stoner- und Retro-Szene tiefster Underground und komplett getrennt von Heavy Metal und dessen Subgenres. Für uns ging es in erster Linie darum, diesen Bands verschiedene Promo- und Verkaufsplattformen anzubieten und nicht einen Retro-Release mit einem Black- oder Symphonic-Metal-Release in der Werbung zu verbinden.

Im reinen Heavy-Metal-Business ging es in der Vergangenheit darum, möglichst hohe CD-Verkaufszahlen zu erreichen. Bei Spinning Goblin ging es von Anfang an darum, neue interessante Bands aus dem Stoner-, Retro-, Psychedelic-, Post-oder Avantgarde Rock zu entdecken und zu fördern. Wir wollten qualitativ hochwertige und interessante Schallplatten oder Singles herstellen und hatten Verkaufszahlen eher als zweitrangiges Ziel.

Es ist kein Geheimnis, dass die bevorzugten Strömungen des Heavy Metals stets Wellen unterworfen waren, da gab es die Death Metal-Hochphasen, die Nu-Metal-Wellen, etc. Napalm ist nun auch schon lange dabei, auch im eigenen Backkatalog sieht man bei euch die „Phasen“ ganz gut. Wie schaut hier die Tendenz-Beobachtung bei euch aus, wie weit verzögert sich selbige im Vergleich zum US- und UK-Markt?

Sebastian: Es ist nur meine persönliche Meinung, aber ich denke im Zeitalter von Facebook, YouTube, Bandpage und Google+ gibt es heute kaum noch Verzögerungen. Von 1998-2002 studierte ich an der State University of New York at Buffalo und Die-Hard-Metal-Fans waren geschockt und beeindruckt wenn man ihnen Black Metal vorspielte (lacht). Fans in der UK und USA entdecken heute zeitgleich mit Deutschen, Österreichern oder Fans aus Polen Bands wie Kadavar oder My Sleeping Karma, sowie wir umgekehrt Lord Dying und Red Fang entdecken.

Worin siehst du den aktuellen „Vintage-Hype“ begründet?

Sebastian: Ich denke, für viele Fans ist der Stoner und Retro ein Gegen-Movement zu Spotify, YouTube-Songs auf dem Smartphone zu hören und irgendwelche Low-Quality-mp3-Versionen. Hier geht es um „handgemachte“ Musik, oft analog aufgenommen; um Musiker, welche sehr viel Zeit damit verbringen, ein perfektes Album aufzunehmen. Fans kaufen hier Musik, aber auch ein Kunstwerk in Form eines aufwendigen Schallplatten-Album-Covers, einem detaillierten Album-Gatefold, vielleicht in einer Vinyl- Farben Auflage welche auf 100, 300, 500 Stück limitiert ist.

Könntest du dingfest machen, was „damals“ den guten, klassischen Rock so besonders wirksam machte – und was man davon heute, allen technischen Neuerungen zum Trotz (oder exakt gegen deren Strich) wieder findet?

Sebastian: Ich denke, die klassischen Rock-Alben von Nazareth, Black Sabbath, Rush oder Led Zeppelin haben einfach den Zauber, dass man hier sofort das Talent, Leidenschaft und Songwriting-Talent erkennt und raushört. Diese Bands haben zeitlose Alben geschrieben weil sie die Musik geliebt und gelebt haben. Im Metal-Bereich wurde diese Tradition sicherlich in den Anfangstagen der NWoBHM weitergelebt. Dieses Feeling lebt heute mit den neuen Retro- oder Vintage-Bands weiter. Bands, die für kein Geld ein Album auf Vinyl aufnehmen um anschließend ganz Europa im Minivan zu betouren! Nichts gegen erfolgreiche Heavy-Metal-Bands, aber hier geht es heute zu oft um externe Songwriter, populäre Studios, Erfolgsproduzenten, überproduzierte Songs vollgepackt mit irgendwelchen Chören, bevor wirklich eine bleibende Songidee vorhanden ist! Musikfans merken das einfach irgendwann.

 

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Vintage ist auch Vinyl: Wie sehen hier bei euch (bei den Käufern) die Tendenzen aus? Welche Sonderformen funktionieren am besten?

Sebastian: Im Stoner/Retro-Bereich machen Vinylverkäufe etwa ein Drittel bis 50 Prozent aus. Oft versuchen wir, das Interesse an einer Band zu wecken, indem wir im Vorfeld schon eine 7“-Single veröffentlichen um ganz klassisch die erste Singleauskoppelung dem Fan anzubieten. Wir können mittlerweile jede Farbe herstellen lassen und sind selbst große Fans von Splatter-, Marbled- oder Split-Color- Editionen. Preislich nicht ganz ein Schnäppchen, aber wir haben gerade My Sleeping Karma („Soma“) und AHAB („The Giant“) nochmal als schwere Doppelschallplatten-Picture-Vinyls veröffentlicht, und die sehen einfach göttlich aus!

Eine Frage, die sich „Vintage-Künstler“ immer gefallen lassen müssen: Wozu braucht man eine Kopie, wenn man das Original hat?

Sebastian: Es mag vielleicht ein bisschen arrogant klingen, aber hier bei Napalm Records und Spinning Goblin versuchen wir dies eigentlich zu vermeiden und ich denke, dass diese Bands einfach sehr eigenständige und eingängige Musik machen. Keine oder kaum eine Band wird nach Zodiac, Monkey3 oder Pet The Preacher klingen. In der Industrie gibt es aber natürlich sehr viele Trittbrettfahrer und ich bin jeden Tag froh, dass ich kreativ sein kann und neue Bands entdecken darf, auch wenn nicht gleich ein finanzieller Erfolg in Aussicht steht.

Deine persönlichen Classic-Highlights von damals?

Sebastian: Rush – “Fly By Night”, Nazareth – “Hair of the Dog”, Black Sabbath – “Master of Reality”, Led Zeppelin – “Led Zeppelin” und Boney M – “Nightflight to Venus” (lacht). Nein echt: Das Album ist genial!

Was macht das gewisse etwas der „Vintage“-Künstler von euch aus, was ist deren Selling-Point?

Sebastian: Ich denke, der größte Selling Point für Musikfans ist, dass diese Bands ehrliche und authentische Musik schreiben, welche sie auch zu 100 Prozent vertreten. Alle Bands können auch live das umsetzen, was sie auf dem Album eingespielt haben und man wird nach einer Live-Show nur sehr selten eine Band nach dem Auftritt erleben, welche einfach verschwindet ohne Autogramme zu schreiben oder mit den Fans an der Bar ein Bier oder zwei zu trinken

Wo siehst du die Zielgruppe – eher bei den „alten Hasen“, die mit Led, Sab und Co aufgewachsen sind, oder eher bei Jungspunden, die dadurch an die alten mit-herangeführt werden?

Sebastian: Wirklich buntgemischt: von 14 bis 64!

Napalm Records

Wir verlosen drei Packerl aus dem Hause Napalm Records, mit je einem Exemplar von „Motherload“, „Cock Rockin‘“ und „The Cave & The Sunlight“. Jackson Firebird sind Australier und schupfen mit „Cock Rockin’“ spielerisch den Schweiß und die „Eier“, die man aus der Hochphase des Rocks kennt, ins aktuelle Jahrtausend. Die Kopenhagener Pet The Preacher sind ein wahres Riffmonster, wie man letztes Jahr am Roadburn erleben durfte. Neugierig? „The Cave & The Sunlight“ hören und staunen! Aus Malmö und Göteborg kommend, verbinden The Graviators auf ihrem zweiten Album „Motherload“ Doom, Stoner und Hardrock zu einer perfekten Symbiose. Hier geht es zum Gewinnspiel!

 

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