15 Jahre Parkway Drive

Parkway Drive

Zu ihrem 15. Geburtstag legen die Aussies Parkway Drive mit „Reverence“ nicht nur ein neues Album vor, sondern laden mit einem Jahr verspätung dann auch zur Geburtstagsparty in den Gasometer.

Parkway DriveSeit 15 Jahren gelten die Herren aus Down Under als Fixgrößen der Szene, mit dem Album „Ire“ aus dem Jahr 2014 erreichten sie neue Dimensionen in der Publikumsgunst. Mit dem Longplayer „Reverence“, der im Mai 2017 erschienen ist, geht die Reise weiter. Unter anderen ist der Wiener Gasometer am 17. Februar das Ziel. !ticket erwischte Frontman Winston McCall für ein Kurztelefonat am anderen Ende der Welt.

Heuer feiern Parkway Drive das 15 Jahre-Jubiläum ihres Bestehens. Deine Gedanken dazu?

Das ist verrückt (lacht)! Wir dachten immer, dass es uns vielleicht fünf Jahre lang geben wird, es ist total verrückt, dass das nun unser Leben ist. Und es wird immer besser und besser. Das macht mich ehrfürchtig.

Also habt ihr am Beginn nicht daran geglaubt, dass das mit Parkway Drive funktionieren könnte?

Daran haben wir nie geglaubt. Eben vielleicht fünf Jahre, wenn überhaupt. Es gibt sogar ein Video von damals in dem alle Bandmitglieder erzählen, was sie nach der Zeit in der Band machen werden. Und jetzt spielen wir noch immer zusammen. Das ich fuckin‘ crazy!

Was wäre deine Alternative zur Karriere als Musiker gewesen?

Ich wollte versuchen Pilot zu werden. Das war das Einzige von dem ich mir vorstellen konnte, es ein ganzes Leben zu machen. Für eine Airline zu fliegen. Es gab für mich also nicht viele Optionen.

Das Album „Ire“, der Vorgänger zum aktuellen „Reverence“-Longplayer, war das bisher erfolgreichste in der Geschichte von Parkway Drive. Ist die Erwartungshaltung bei „Reverence“ nun dementsprechend hoch?

Wir nehmen es so, wie es kommt. Wie immer. Wir erwarten von uns, dass wir Songs schreiben, die wir uns gerne selbst anhören würden und die inhaltlich für uns stehen. Wenn andere Menschen mit ihnen etwas anfangen können und so eine Verbindung zwischen Band und Publikum entsteht, ist das großartig. Bisher läuft „Reverence“ großartig, die Songs, die wir bisher live gespielt haben, kamen irre gut an.

Wem gehört deine „Reverence“, also deine Verehrung?

Meiner Frau.

Das musstest du jetzt aber sagen, sonst gibt‘s Ärger?

Ja, das gebe sonst Probleme!

Einer der Songs heißt „Wishing Wells“. Glaubst du an Wunschbrunnen?

Als ich ein Kind war, ja. Ich wünschte mir einige Spielzeuge so sehr, da habe ich das mit einer Münze ausprobiert. Später gab es einige Momente in meinen Leben, die mich an die Existenz von Übernatürlichem glauben ließ. Manchmal kommen einige unerwartete Umstände zusammen, sodass alles komplett unwirklich anmutet. Da scheint es, als ob es noch eine andere Kraft im Universum gibt, die unsere Leben formt.

Du hast gesagt, „Reverence“ ist euer bisher ehrlichstes und persönlichstes Album. Weshalb, und war das von Anfang an so geplant?

Das war eine schwierige Zeit für uns. Wenn man Musik schreibt, ist das wie eine Momentaufnahme. Bei uns dauert es immer ein paar Jahre, bis wir ein Album zusammen haben, danach gehen wir auf Tournee. Als wir dieses Mal nach Hause zurückkamen, waren einige Familienmitglieder und Freunde an Krebs gestorben oder hatten eine üble Diagnose bekommen. Das war natürlich unglaublich traumatisch. Da kommst du von deiner bisher größten Tournee zurück und erfährst, dass du manche Familienmitglieder nie wieder sehen wirst. Über diese Riesenverluste haben wir geschrieben, so haben wir unsere Trauer und alles andere Drumherum auf dem Album verarbeitet. Deshalb ist es unser bisher persönlichstes.

Bist du in irgendeiner Form für die Krebsvorsorge oder im Charity-Bereich aktiv?

Wir haben uns alle gründlich untersuchen lassen und das kann ich nur jedem raten! Gerade in Australien haben wir ein Riesenproblem mit Hautkrebs. Jeder sollte seinen Arsch hochbekommen und sich regelmäßig testen lassen. Denn das passiert so rasend schnell und dann ist es zu spät.

Es ist bei Parkway Drive sichtlich Tradition, dass drei Jahre zwischen den Alben vergehen. Ist das eine Art Band-Mantra oder Zufall?

Das ist völliger Zufall. Aber um ehrlich zu sein, ist in meinem Hirn keine Musik mehr übrig, nachdem wir ein neues Album geschrieben und aufgenommen haben. Da bin ich völlig leer. Deshalb hat sich dieser Zyklus irgendwie ergeben. Dann kommt die Tournee, die Shows werden von Konzert zu Konzert besser und dann kommen die Leute schon wieder, und fragen nach einem neuen Album. Das wiederholt sich wieder und wieder, seitdem wir mit der Band begonnen haben. Eigentlich schreiben wir neue Songs nur dann, wenn es wirklich wieder an der Zeit ist ein neues Album zu machen. Viele haben bereits Familie und Kinder. Ich glaube, dieses Mal wird es länger als drei Jahre dauern, bis wir etwas Neues am Start haben.

Auf „Reverence“ gibt es den schönen Titel „I Hope You Rot“. Wem ist er gewidmet?

Der katholischen Kirche in Australien, es gab massiven Kindesmissbrauch in dieser Institution. Das passiert ja weltweit. Als wir den Song geschrieben haben, fand gerade eine großangelegte Untersuchung von systematischem Kindesmissbrauch durch Priester statt. Das ist furchtbar, erst recht, wenn du jemanden kennst, der selbst durch diese Hölle gegangen ist. Das ist absolut widerlich, wenn jemand, der für so ein junges Leben verantwortlich ist, sich derart abartig verhält.

Zur Tournee im Februar bringt ihr Killswitch Engage und Thy Art Is Murder mit. Dave Mustaine erzählte mir vor Jahren, dass Supports auch deshalb notwendig sind, da man aufgrund der Intensität nur kurze Sets spielen kann. Stimmt das auch für Parkway Drive?

Wir sind mit dem Punk-Rock-Ding aufgewachsen, aber als wir begonnen haben, waren zwanzig Minuten live das Maximum. Damals sind wir gemeinsam mit fünf anderen Bands aufgetreten. Heute könnten wir vermutlich alle unsere Alben durchspielen. Wir mögen es aber, andere Bands dabei zu haben. Die Fans bekommen so unterschiedliche Shows zu sehen und nicht bloß unsere Musik. Das sind Bands, die uns etwas bedeuten oder zu denen wir eine besondere Beziehung haben. Aber wir können heute solange spielen, wie du uns auf der Bühne haben willst. Man verliert dabei halt eine Menge Schweiß (lacht).

Parkway Drive werden in die Metalcore-Schublade gesteckt. Fühlst du dich in dieser Schublade wohl und was macht die Faszination Metalcore aus?

Wir denken da nicht in Schubladen, wir spielen was wir mögen. Das sind Melodien und Heavyness und Adrenalin und Interesse. Das kann sich in vielen Genres abspielen. Wir haben mit Puck-Rock begonnen, das war damals interessanter als heute. Du kannst aber auch Country spielen und dieses Gefühl rüberbringen. Das heißt aber nicht, dass wir jemals Country machen werden. Parkway Drive haben immer versucht, etwas Neues und Anderes anzubieten, als was du als normalerweise als Punk-Rage-Rock kennst.

Ein Unplugged-Album wird es demnach nie geben?

Das werden wir noch sehen (lacht)!

 

Parkway Drive gastieren am 17. Februar im Gasometer. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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