150 Jahre Wiener Staatsoper

Dieser Tage sind alle Augen auf die Wiener Staatsoper gerichtet. Und auch wir haben anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums genauer hingeblickt.

Am 25. Mai 1869 öffnete die Wiener Staatsoper mit einer Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni. 150 Jahre später hat das sogenannte Erste Haus am Ring nichts von seiner internationalen Strahlkraft eingebüßt. Den runden Geburtstag zum Anlass, haben wir keine Mühen gescheut und in einem Jubiläums-5-Akter Wissenswertes rund um das prestigeträchtige Haus versammelt.

I. Es war einmal

Es war einmal ein Kaiser namens Franz Joseph, der 1857 die Schleifung der Wälle in Wien zugunsten des Baus eines Boulevards an genau dieser Stelle verordnete. Entlang der so entstandenen Ringstraße wurden zahlreiche Gebäude errichtet – darunter auch das Hofopernhaus, die heutige Wiener Staatsoper. August Sicard von Sicardsburg entwarf den Grundplan, Eduard van der Nüll gestaltete die Innendekoration. Den beiden Architekten sollte ihr gemeinsames Werk jedoch kein Glück bringen: Da die Ringstraße während der Errichtung um einen Meter erhöht wurde, schien die Oper in der Straße zu versinken, ihr Glanz war dahin und die beiden ernteten Hohn und Spott. Keiner von ihnen erlebte die Fertigstellung: Nüll nahm sich das Leben, Sicardsburg verstarb an Herzversagen.

Der Sicardsburg und van der Nüll,
Die haben beide keinen Styl!
Griechisch, gotisch, Renaissance,
Das ist denen alles ans!

habsburger.net

Dennoch fand die Eröffnung des neuen Opernhauses am 25. Mai 1869 mit gesellschaftlichem Glanz in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Frau Elisabeth von Österreich-Ungarn statt. Direktor Franz von Dingelstedt hatte als erste Vorstellung Mozarts Don Giovanni gewählt und dafür die besten Sänger des Ensembles aufgeboten.

II. Kaum jemand, der nicht hier war

Ein ganzes plus ein halbes Jahrhundert später hat die Wiener Staatsoper viel erlebt und gesehen: Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie beinahe vollständig zerstört, das Haus eröffnete aber schon 1955 mit Ludwig van Beethovens Freiheitsoper Fidelio unter Karl Böhm wieder. Der ORF übertrug mit diesem Ereignis übrigens das erste Mal live im Fernsehen.

Neben Böhm zeichneten sich genauso Gustav Mahler, Richard Strauss und nicht zuletzt Herbert von Karajan, der die Promis ins Haus brachte, als Direktoren für die Staatsoper verantwortlich. Dem ORF zufolge fiel Giuseppe Verdi hier in Ohnmacht¹ und Größen wie Plácido Domingo, Luciano Pavarotti, Jose Carreras, Christa Ludwig, Claudio Abbado, Nikolaj Gjaurow, Maria Callas, Agnes Baltsa, Anna Netrebko sowie Leonárd Bernstein traten auf.

In diesem Opernhaus singen zu dürfen war eines der größten Geschenke meines künstlerischen Lebens.

Plácido Domingo im kulturMontag vom 20. Juni 2019

Nicht zu vergessen ist das Haus am Ring mehr oder minder das Zuhause der Wiener Philharmoniker alias dem weltbesten Orchester – setzt es sich bekanntlich aus Mitgliedern des Wiener Staatsopernorchesters zusammen.

III. Opernball

Er gehört zu Wien wie das Schnitzel, der jährlich stattfindende Wiener Opernball. Viel dazu schreiben müssen wir aufgrund seiner Bekanntheit wohl nicht, ein wissenswertes Detail vom 63. Opernball diesen Jahres sei aber erwähnt: offene Haare bei den Damen waren voll im Trend.

Was noch auffiel: Offene Haare lagen voll im Trend. Von „Ballmama“ Maria Großbauer bis Victoria Swarovski: Rapunzel ließ grüßen – da wollte Donna Anna nicht nachstehen.

Heute, 28. Februar 2019

IV. Jetzt und hier

So klassisch sich die Staatsoper architektonisch gibt, so sehr geht sie (nicht nur) inhaltlich mit der Zeit. In der auslaufenden Spielzeit standen mit Die Weiden (Johannes Maria Staud) und Was ist los bei den Enakos? (Elisabeth Naske) zwei spannende Opern-Uraufführungen am Programm. Zudem kommt die Oper ganz bequem via Livestreaming ins Wohnzimmer. Zuckerl: Bei den Streams kann zwischen zwei Perspektiven (Totale/ live geschnitten) gewählt werden. HD-Qualität und on-demand verstehen sich von selbst.

Ergänzend zu den rund 45 kostenpflichtigen Streams pro Spielzeit bietet das Wiener Traditionshaus von April bis September (keine Übertragung im Juli und August) plus zusätzlich rund um Silvester mit Oper live am Platz Operngenuss per Videowall am Herbert-von-Karajan-Platz kostenfrei für alle an. Zuckerl II: Eine halbe Stunde vor Spielbeginn gibt es auf der Leinwand Informationen zu Werk und Besetzung.

Sicherlich ein kulturelles Zuckerl für sich ist das Service Oper in 360 Grad: Mittels Smartphone und Co. können Interessierte individuell in die Welt der Oper eintauchen und dort Einblicke gewinnen, wo gewöhnlich kein Zugang gewährt wird.

V. Party on!

Kommen wir zum sogenannten Eingemachten: den Feierlichkeiten. Die Verantwortlichen der Wiener Staatsoper haben weder Kosten noch Mühen gescheut und kredenzen zum 150. Geburtstag ein Programm, das sich sehen und mitunter kostenfrei miterleben lässt:

Die Party beginnt heute (25. Mai) mit einer Geburtstagsmatinee, die Ö1 (Klassik-Treffpunkt), die Oper über deren Website + Facebook-Account live senden. Mit dabei sind unter anderem Daniela Fally, Rafael Fingerlos und Herbert Lippert.

Abends feiert Die Frau ohne Schatten mit Dirigent Christian Thielemann und einem Rollendebüt von Nina Stemme Premiere. Als Kaiserpaar sind Camilla Nylund und Stephen Gould zu erleben. Die Festaufführung wird als Livestream und auf Ö1 übertragen.

Am Sonntag folgt als krönender Abschluss das große Jubiläumskonzert am Herbert-von-Karajan-Platz. Gemeinsam mit EnsemblesängerInnen, internationalen GastsolistInnen, dem Orchester als auch dem Chor der Wiener Staatsoper wird unter der Leitung von Marco Armiliato der öffentliche Raum rund um das Gebäude (dafür ist sogar die Ringstraße gesperrt) auf unkonventionelle Weise bespielt. Das Konzert ist frei zugänglich. Als kultureller Appetizer seien Namen wie Erwin Schrott, Valentina Naforniţă und Ferruccio Furlanetto angeführt.

FIN Die Wiener Staatsoper in Zahlen

Pro Spielzeit besuchen 600.000 Personen die 350, von 220 SängerInnen und rund 100 TänzerInnen gespielten, Vorstellungen. An die 200 Bühnenarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Aufführungen, gesamt zeichnen sich 950 MitarbeiterInnen für den Erfolg des weltweit größten Repertoirebetriebs, der nur an zwei Tagen im Jahr ruht, verantwortlich.
Derzeitiger Direktor ist Dominique Meyer, mit 1. September 2020 folgt Bogdan Roščić.

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1 Vgl.: tv.orf.at/program/orf2/20190525/902446801/story, letzter Zugriff: 24. Mai 2019
Quellen: Wiener Staatsoper, wien.info, ORF, Keil-Budischowsky, Verena: Die Theater Wiens (Wien: Paul Zsolnay Verlag, 1983)