200 Jahre „Stille Nacht“

Heute feiert „Stille Nacht“ seinen 200. Jahrestag. Wir waren auf winterlicher Spurensuche und sind pünktlich zu Weihnachten mit den wirklich wahren Fakten zum All Time-Weihnachtslied zurückgekehrt.

In kaum einem Haushalt darf es an Heilig Abend fehlen und es gehört zu Weihnachten, wie der Spitz auf den Baum, die Vanille in den Kipferl und das Glühen im Wein: Das Lied „Stille Nacht“ feiert heuer sein 200-jähriges Jubiläum.

Entstehung und Verbreitung: Rasch ein Hit

„Stille Nacht“ geht auf Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber zurück. Der Hilfspriester Mohr verfasste den Liedtext 1816 als Gedicht. Zwei Jahre darauf entwickelte der Dorfschullehrer und Organist Gruber auf Wunsch von Joseph Mohr die dazugehörige Melodie für zwei Solostimmen, Chor und Gitarrenbegleitung.

Übrigens: Joseph Mohr besaß bei seinem Tod nur noch eine Gitarre. Sein Taufpate Franz Joseph Wohlmuth war der letzte Scharfrichter von Salzburg. Wohlmuth besserte sich seinen Ruf als Henker durch die Übernahme von Patenschaften lediger Kinder auf.

Erstmalig wurde „Stille Nacht“ 1818 in der Kirche von St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg aufgeführt. Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr sangen selbst.

Die Entstehungsbedingungen des Lieds sind bis heute nicht völlig geklärt. Erzählungen zufolge soll die Orgel in der St. Nikola-Kirche wegen schlechtem Zustand nicht mehr bespielbar gewesen sein. Aufgrund dessen ist das Weihnachtslied mit Gitarrenbegleitung konzipiert. 

Haydn, Mozart oder doch Beethoven – wer hat’s erfunden? Lange Zeit galt die Urheberschaft als umstritten. 1995 wurde schließlich ein verloren gegangenes Autograph von Mohr beglaubigt, das den Hinweis „Melodie von Franz Xaver Gruber“ beinhaltet.

Dank des Orgelbaumeisters Karl Mauracher aus Fügen fand „Stille Nacht“ seine internationale Verbreitung. Mauracher brachte das Werk von Oberndorf ins Tiroler Zillertal, von wo es das restliche Europa, Amerika und schließlich die ganze Welt eroberte. Inzwischen ist das Lied in über 300 Sprachen übersetzt.

Rasch ein Bestseller, hatte sich das Stück in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Namen als das am meisten verkaufte Notenblatt in Amerika gemacht.

1906 übertrug das Radio „Stille Nacht“ als Violinen-Solo – damit ist es das zweite Stück überhaupt, das im Radio zu hören war.

Der berühmte Weihnachtsfriede und ältestes Video der Welt

In Österreich zählt „Stille Nacht“ zum immateriellen Kulturgut: Die österreichische UNESCO-Kommission nahm das Stück 2011 ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich auf.

Die „Stille Nacht“-Kapelle Oberndorf, die heute an der Stelle der ehemaligen Kirche von St. Nikolai steht, ist eine wahre Touristenattraktion. Jährlich findet am 24. Dezember eine Gedenkmesse zu Ehren der beiden Schöpfer statt.

Weihnachtsfriede: Während des Ersten Weltkriegs legten deutsche, britische, belgische als auch französische Soldaten am Heilig Abend und den folgenden Tagen an Abschnitten der Westfront ihre Waffen nieder, um mitten im Krieg zusammen Weihnachten zu feiern. Dieses Ereignis ging als Weihnachtsfriede in die Geschichte ein.

Von den ursprünglich sechs Strophen ist es heute üblich, lediglich die erste, zweite sowie sechste zu singen.

Das älteste „Stille Nacht“-Video der Welt stammt aus 1910. Erst vor kurzem wurde die entsprechende Filmrolle im Filmarchiv Austria gefunden:

Die Zeiten und die Welt ändern sich, aber „Stille Nacht“ erinnert uns daran, zusammen zu sein, inne zu halten und sich am wahren Geist der Weihnacht zu erfreuen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und wunderbare Feiertage.

Quellen: UNIVERSITAS-Blog, christmassongfunfacts.wordpress.com, Austria Info, bravo.de