Aktion am Wiener Gürtel

Gürtelszene

Kommenden Samstag ist es ein Jahr her, dass die Wiener Ausgehmeile mit Musik gefüllt war. Seither greift Stille um sich. An die „alte Normalität“ erinnert nun eine Plakataktion.

Am kommenden Samstag, den 13. März ist es ein Jahr her, dass auf der „Ausgehmeile“ am Gürtel das letzte Mal getanzt und gefeiert wurde. Seither greifen dort zunehmende Stille und Verödung um sich.

An diesem Samstag soll nun eine Plakataktion an die fast vergessene „alte Normalität“ erinnern und die Frage aufwerfen, wie unsere „neue Normalität“ in Sachen Livemusik und Clubkultur zukünftig aussehen soll/kann/wird. Die Aktion versteht sich als unpolitisch, stellt keine Forderungen und wird von außen, aus der Perspektive der Musik-Aficionados, der Konsumentinnen und Besucherinnen initiiert. Sie soll in erster Linie zum Nachdenken anregen.

Der Initiator und Grafikdesigner Tom Koch plant, anlässlich eines Jahres Lockdown an den Portalen/Fassaden von zehn Clubs zwischen Josefstädter- und Thaliastraße über 1.200 Plakate im Format A3 zu affichieren. Die Plakate zeigen Konzert- und Partyfotos aus der jeweiligen Location.

Diese Images stammen von den Websites und Social Media Profilen der Lokale, den einzigen verbliebenen Archiven der Clubkultur, wie wir sie einmal kannten. Die körperliche Nähe der Menschen auf den Bildern wirkt aus heutiger Sicht irritierend bis absurd. Die Befremdung beim Betrachten veranschaulicht den „inneren Uploadfilter“, den wir uns alle im vergangenen Jahr angeeignet haben.

Durch die Aneinanderreihung der unzähligen zweifärbigen Sujets ergeben sich repetitive Muster, die sich immer wieder aufs Neue zusammensetzen. Ganz wie das Kaleidoskop der Nacht, das sich in der Vergangenheit zwischen Thalia- und Josefstädterstraße jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit aufs Neue zusammensetzte.

Über die Fotos gedruckt und dazwischen affichiert wird die durchaus berechtigte Frage „Will I ever see you again?“. Dieses „Will I ever see you again?“ bezieht sich sowohl auf die Beziehungen der Menschen auf den Fotos (etwa Zufallsbekanntschaften oder Stammgäste), als auch auf die Bands, die dort auftraten. Auf einer Metaebene stellt sich in dieser Hinsicht natürlich auch die grundsätzliche Frage, ob und welche der Clubs überhaupt wieder aufsperren werden: „Will I ever see you again?“

Unterstützt wird er dabei von Plakatierer-Legende Rudi Hübl. Was für tausende Nachtschwärmer ihr verlängertes Wochenend-Wohnzimmer war, ist derzeit Hübls verwaister Arbeitsplatz. Hübl ist wie andere Kulturarbeiter direkt von der aktuellen Situation betroffen, Plakate werden derzeit kaum geklebt.

Wertvolle Unterstützung beim Plakatieren vor Ort kommt aber auch seitens der sozialen Netzwerke der Stadtteilzeitung Ottakringer Flaneur, des Plattenladen Recordbag und der Gürtel Connection selbst.

Die Druckproduktion der weit über 1.200 Plakate wird freundlicherweise von der Alfred Carl Musiknotenhandel GmbH zum Selbstkostenpreis beigesteuert.

Plakataktion

Samstag, 13.3.2021, 10.00 bis 14:00
Zu besichtigen ab 15.00 Uhr
10 Locations am äußeren Gürtel (zwischen Thalia- und Josefstädter Straße): Café Carina, Chelsea, Concerto, Fania Live, Kramladen, Loft, Loop, Rhiz, Wienstation, Weberknecht und der Durchgang Thaliastraße.