ALIVE@home: reprise

Alive

Wie auch schon im Frühjahr setzt oeticket nun auch im Winter heimische Künstler auf seinen Social Media-Kanälen in den verdienten Fokus: Ein Musiktipp, auch für die Bundesregierung.

ALIVE@home #102 – 26.11.2020

Nicht wortwörtlich, aber durch die Blume hat Vizekanzler Werner Kogler bei der letztwöchigen Pressekonferenz anlässlich des zweiten Lockdowns durchsickern lassen, dass er Verständnis für den Missmut der ÖsterreicherInnen hätte – mehr noch als in den Monaten zuvor war überdeutlich, dass auch er „Corona“ und alle Wortfetzen, die irgendwo im Dunstkreis dessen schwirren, nicht mehr hören möchte. Die Hoffnung, dass die Krise mit Auslaufen des Jahres ausgestanden ist, ist hingegen eine schwache – auch ist es zu fürchten, dass sich einige aberwitzige deutsche Comedians noch jahrelang in witzigen Covid-Geschichtchen suhlen werden. Wir werden von Corona also leider wohl noch oft und lang genug hören müssen.

Wenngleich die Saat Covid und viele aus ihr sprießenden Früchte unliebsam sind, einer ihrer Austriebe ist ein süßer: Musik aus Österreich verzeichnet seit Jahresanfang ein neues Hoch, und das nicht nur notgedrungen – das zeigt oeticket unter dem Banner „ALIVE“. ALIVE, das war bereits 2012 und 2013 eine Konzertreihe, bei der das hauseigene Magazin !ticket heimische Künstler „vom Blatt auf die Bühne“ holte und ihnen so Gehör verschaffte. 2020 sollte dieses Konzept wiederaufleben, das erste Konzert war für das Frühjahr bereits geplant, das zweite für den Herbst ebenfalls in Arbeit – und dann kam Corona, warf die Pläne über den Haufen und ALIVE zog, wie viele Kunsttreibende auch, von der Bühne ins Netz. Gemeinsam mit der Erste Bank und Sparkasse gab oeticket über 80 österreichischen KünstlerInnen auf ihren Social Media-Kanälen eine Bühne – wohlgemerkt KünstlerInnen, die es noch nicht in die kleine Gattung der trotz ihrer inländischen Provenienz auf Ö3 spielbaren Bands geschafft haben. Bei ALIVE@home ging es vielmehr bevorzugt um MusikerInnen, die bis dato bevorzugt nur in den besonders aufmerksamen und leidenschaftlichen Kulturredaktionen Gehör fanden.

Natürlich, ALIVE@home ist wie zahlreiche kreative Ansätze, die die Krise hervorbrachte, als Überbrückung einer widrigen Situation zu sehen – wir alle wollen Musik vornehmlich live erleben. Und so entschied sich oeticket, in einem kurzen Lichtmoment des Jahres der Pandemie zu trotzen und ließ das herbstliche ALIVE Ende Oktober im Wiener WUK tatsächlich über die Bühne gehen. Das Motto des Abends war „#newnormal“ – und dabei gleich doppeldeutig zu verstehen. Denn einerseits ging das Konzert freilich mit all den Sicherheitsmaßnahmen natürlich unter den Einschränkungen der „neuen Normalität“ über die Bühne, andererseits war jedoch eine andere, seit Jahren vehement proklamierte „neue Normalität“ im Fokus – die, einerseits den Geschlechtergap auf der Bühne zu schließen und andererseits aber auch das Hervorkehren einer etwaigen Weiblichkeit nicht zum Unique Selling Point zu machen. Dua Plicity, Pure Chlorine und Dives sorgten so vor vollem Haus und zwei Wochen vor dem erneuten Lockdown für einen einprägsamen Konzertabend, der in vielen Köpfen wohl mehr als nur eine kurzfristige Realitätsflucht hinterließ.

Dass der Abend emotiv nachwirkt, tut auch Not: Nicht nur, dass das Bestreben nach einer geschlechtslosen Kunst ein Thema ist, das nicht mit einer einmaligen Erwähnung abgehakt ist, auch heißt es auf das nächste ALIVE geduldig zu warten. Erst im März wird oeticket die bereits für dieses Frühjahr angesetzte „Mundart“-Edition mit Schwanara, Christina Kosik & die Gang Band sowie den Gnackwatschn in der ((szene)) nachholen. Bis dahin werden bei oeticket aber trotzdem zahlreiche MusikerInnen aus Österreich im Fokus stehen – bei der Weiterführung von ALIVE@home, bei zahlreichen von oeticket werbetechnisch unterstützten Singlepremieren und natürlich auch im hauseigenen Magazin, denn: Kunst aus Österreich ist tatsächlich förderungswürdig – gerade auch Musik, die nicht im Formatradio oder bei Preisverleihungen bis zum Erbrechen zwangswiedergekaut wird, dafür aber nicht selten über internationales Format verfügt.

Das ist eine Erkenntnis, die ich hoffe, auch auf die Bundesregierung übertragen zu können: Vielleicht möchte Werner Kogler – immerhin nicht nur Vizekanzler, sondern auch Kulturminister – in seinen kurzen Verschnaufpausen hie und da der ALIVE@home-Reihe ein Gehör schenken und verinnerlichen, dass Kunst und Kultur auch fernab der Salzburger Festspiele systemrelevant sind und nicht aufs Abstellgleis gehören. Und mit etwas Glück trägt er diese wagemutige Erkenntnis auch seiner Kollegschaft weiter.


Die ALIVE@home-Beiträge der Wintersaison:

ALIVE@home #101 – 25.11.2020
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