Anna B Savage präsentiert ihr Debütalbum am Blue Bird

Anna B Savage

Beinahe hätte der Erfolg von Anna B Savages Debüt-EP sie uns wieder entzogen: Zu unvorbereitet kam ihr der Zuspruch. Doch glücklicherweise kam es dann doch anders, „A Common Tern“ ist nun das Zeugnis im Langformat!

Eigentlich war für die Britin Anna B Savage schon alles in trockenen Tüchern, ein Promotrip im April, eine Supporttour mit Destroyer, das Releasedatum stand fest, doch COVID-19 machte auch ihr einen Strich durch die Rechnung und so musste alles kurzerhand noch umgeplant werden. Doch nun steht es fest: Ihr Debütalbum „A Common Turn“ erscheint am 29. Jänner. Außerdem gibt es heute nach den ersten beiden Singles „Chelsea Hotel #3“ und „Dead Pursuits“ mit „A Common Tern“ Single Nummer 3 der meinungsstarken und offenherzigen Londonerin.

„A Common Tern“ (zu deutsch „Flussseeschwalbe“) ist ein mächtiger Song, wie ein Befreiungsschlag, in dem es tatsächlich auch um die Befreiung aus toxischen Beziehungen gehtDer Moment, in dem Savage beschloss, dass sich etwas ändern muss, fiel mit der Sichtung einer solchen Schwalbe zusammen, die sie sofort faszinierte: „They’re actual dinosaurs and we just think they’re normal. The huge journeys they do, their ever presence, in one way or another. They are at once familiar and yet so strange and weird: they can fly ffs. I love watching them too, counting them on walks and in gardens. I’d become a bit of a twitcher: I was going on birdwatching holidays and listening to ‚Tweet of the Day‘ all the time, and I did some bird ringing. Turns out they’ve always held something of a fascination for me: I found an old school notebook from when I was nine and I’d written a poem about an albatross. I do remember being a bit (completely) taken by albatrosses after reading ‚The Rhyme of the Ancient Mariner‘ at school.”

Die Musik von Anna B Savage stellt seit Beginn eher Fragen, als dass sie Antworten gibt. Ihre 2015er EP zeigte erstmals ihre beeindruckende, mondäne Stimmgewalt mit der entwaffnenden Lyrik über alle Arten von Hemmungen, Unsicherheiten und „unfinished business“, wurde von der internationalen Presse gelobt und zog direkt die Aufmerksamkeit von Father John Misty und Jenny Hval auf sich, die sie dann kurzerhand beide jeweils mit auf Europatour nahmen.

Kunst zu machen ist eine mutige Sache, eine Aussage. Gewöhnlich ein Punkt, manchmal ein Ausrufezeichen. Aber es ist noch kühner, wenn es ein Fragezeichen ist. Anna B Savage hinterfragt ständig die Gültigkeit ihrer eigenen Gedanken und Gefühle und ihre Songs sind schwer, voller unbeantworteter Fragen. Is this even real? Do we have what I think we have? How did I get to this point? Is anyone listening? Oder die erste und wichtigste Frage der Platte: Do I understand this? Doch diese Fragen werden von ihrer Fähigkeit beflügelt, Melodien und Texte zu zaubern, die so verdammt offen, verletzlich und ehrlich sind, dass sie es irgendwie noch schaffen, betörend charmant, äußerst modern und oft witzig zu sein.

Der Erfolg ihrer EP erwischte Savage unvorbereitet, löste eine Form des Betrügersyndroms aus, erstickte sie beim Schreiben und beeinträchtigte schließlich ihre psychische Gesundheit. An ihrem Tiefpunkt war Savage nicht sicher, ob sie überhaupt weiterhin Musik machen konnte. Doch es ging wieder bergauf und sie beendete schließlich die zuvor erwähnte toxische Beziehung, machte eine Therapie, reiste um die Welt und rappelte sich schließlich wieder auf: “I sat in the sun and read, and I ran my book club, and I went swimming in the Ladies Pond, and I went on trips, and I got drunk, started smoking again and going to parties, and I started dancing again and seeing my friends and, most miraculous of all, I started to like myself.”

In den darauffolgenden Jahren schrieb sie weiter an neuer Musik für ihr Debütalbum, auf dem sie aus dem referentiellen Universum ihrer Einflüsse diverse Schnappschüsse aufgreift und am Ende wieder zusammenfügtDas Album ist von einer berauschenden Katharsis durchwoben, und die Geschichten, die sie erzählt, handeln davon, Raum einzunehmen, Verbindungen zu finden und die Kraft zu besitzen, nicht alle Antworten zu kennen. „A Common Turn“ wurde gemeinsam mit William Doyle (FKA East India Youth, 2014 Mercury Prize Nominee) produziert. Sie experimentierten gemeinsam an den Songs und er half ihr dabei, dem Album, das Anna selbst irgendwann als offiziell nicht mehr fertigstellbar erachtete, in seine endgültige Form zu bringen.

Anna B Savage sehen wir am 20. November live am Bluebird Festival im Porgy & Bess! Tickets gibt es bei oeticket.com.