Back To Live: Kreator & Eluveitie in Innsbruck

Kreator

Schulstunde für die Regierung, Katharsis für die anderen: Deutschlands Thrash-Heroen Kreator und Eluveitie, Aushängeschild der Schweiz, bringen den Heavy Metal zurück nach Innsbruck.

Foto: Jens Koch

Die akustische Zerstörungswut im Heavy Metal war schon oft die einzig logische Antwort auf das Zeitgeschehen. Auch Kreator, 1982 im deutschen Essen gegründet, kann man spätestens mit ihrem Drittling „Terrible Certainty“ einen dominierenden sozialkritischen Faktor zuschreiben: Weniger Blut-und-Beuscheldichtung, vielmehr eine ungeschminkte Anprangerung menschlicher Bösartig- und Widerwärtigkeit stehen bei den Texten von Mille Petrozza im Fokus. Ganz gleich ob globale Umweltkatastrophen, verquer laufende Zeitpolitik, Rechtsextremismus oder blinder Religionsgehorsam – bei Kreator wurden schon immer deutliche Worte gefunden, deutlicher als selbst in der kritischen Presse. Natürlich, als lärmende Thrash-Metal-Band ist man weder auf Anzeigenkunden noch eine Blattlinie angewiesen, und auch das Publikum ist von Haus aus empfänglicher für eine ungeschminktere Wortwahl, in der keine pro forma Unschuldsvermutung hervorgekehrt werden muss.

So kommt es nicht von ungefähr, dass Songtitel wie „People of the Lie“, „Betrayer“, „Mental Slavery“, „As The World Burns“ oder „Depression Unrest“ auch und gerade losgelöst von ihrem ursprünglichen Kontext nach wie vor zeitgemäß klingen und die Dystopie, in der wir uns oft – und auch gerade eben – bewegen, bildgewaltig untermalen. Nicht wenige Genreanhänger wären durchaus selbst dem Gedanken, die komplette Regierungsmannschaft während einem der benannten Songtitel zu einer „Klausur“ in den Moshpit zu verdonnern und mal den Babyelefanten tröten zu lassen, nicht gänzlich abgeneigt – die einzige G-Regel, die hier zur Anwendung käme, nennt sich „Genugtuung“.

Aber selbst losgelöst von einem Politikum: Während Sebastian Kurz und Wolfgang Mückstein noch vor wenigen Wochen einen „Sommer wie damals“ versprachen, der zufällig punktgenau nach EM-Ende nun völlig überraschend doch nicht ganz so möglich ist und etwa auch die Absage des FM4 Frequency bedeutet, vergessen viele Virologen und solche, die sich selbst dazu erklären, nebst des Virus auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung unter die Lupe zu nehmen. Man mag von einem Festivaltreiben und den damit verbundenen Exzessen halten, was man will – ebenso von einer Musik wie von Kreator zelebriert, die für ungeübte Ohren neben laut hauptsächlich dissonant ist: Aber gerade für beide (nicht gerade kleine) Zielgruppen – einerseits die jungen, die sich auf ihrem Selbstfindungstrip befinden und andererseits die anderen, die im Lärm eine Katharsis verspüren – ist seit anderthalb Jahren unverblümt formuliert die Kacke am Dampfen, und die Auswirkungen, die – gerade bei den jungen – daraus resultieren, wird man weit über den Corona-Klimax hinaus als dominante Nachwehen spüren, auch und gerade weil diesen Zielgruppen seit Monaten das Licht am Endel des Tunnes versprochen wurde, sobald Impfungen am Vormarsch sind. Wenn jetzt, unter Befolgung der 3G, erneut das Erleben genommen wird, ist dies ein fatales Zeichen für die Motivation, eine entsprechende Durchimpfungsrate auch in der jüngeren Altersschicht zu erreichen, weil: Wozu?

So wichtig ein normaler Schulbetrieb, Berufstätigkeit und natürlich auch der tägliche Handel ist: Ein Gros der österreichischen Bevölkerung findet keinen seelischen Ausgleich dabei, mit Laptop eine Runde im Park zu flanieren, sondern muss hie und da auch einmal die Sau rauslassen, Frust und Ärgernis abschütteln, den Geist auf die Werkseinstellungen zurücksetzen und anschließend die Psyche neu booten. Ansonsten passiert der nächste große Lockdown: im Kopf. Wenn hier die Corona-Politik nicht endlich ansetzt, wohlüberlegte, stringente Schritte beschließt, selbige durchzieht und anstatt leeren Worthülsen konsequent handelt, werden etwaige Neuinfektionen in Kürze das geringere Problem darstellen.

Eine mögliche Katharsis: Kreator spielen mit Eluveitie am 18. August in der Musichall in Innsbruck. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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