Billie Eilish hat keine Zeit zu Sterben

Billie Eilish

Bei den gestrigen BRIT Awards präsentierte Billie Eilish ihren Song zum kommenden James-Bond-Abenteuer live. Das Video.

Um sie geht es in der März-Ausgabe des !ticket Magazins: Billie Eilish. Bei den gestrigen BRIT Awards bewies die 18-Jährige wiederholt ihr Talent, strafte all ihre Kritiker – ihr Beitrag zum kommenden James-Bond-Abenteuer wurde mit dem Hans-Zimmer-Orchester, ihrem Bruder Finneas am Klavier und dem ehemaligen Smiths-Gitarristen Johnny Marr live vorgestellt und zeigte überdeutlich Eilish‘ Geschick für einen emotiven Schauer – man fokussiere im Besonderen auf die Momente ab Minute 3:20 und erkenne die Brillanz von Textzeilen wie „The blood you bleed is just the blood you owe“ und den amourösen Zwiespalt, die reizende Gratwanderung von „Are you death or paradise?“. Klar, der Song geht auf „Nummer sicher“, klingt wie eine für die Franchise geschriebene Nummer, wie einige Kritiker monieren. Jene haben aber wohl die Idee hinter Introduktionen nicht gänzlich verstanden.

Billie Eilish: Der Name der 18-jährigen Sängerin ist in aller Munde. Ja, mittlerweile auch bei all jenen, die sich für diese Art von Musik nicht begeistern können oder Musik überhaupt nur als namenlose Hintergrundberieselung verstehen. Als Eilish 15 war, nahm sie gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas einen Song unter der Bettdecke auf. Auch heute noch passiert, so geht zumindest die verklärte Kunde, ihr Kunstschaffen im Kinderzimmer: Dies gilt es nicht zu diskreditieren, wurde sie für ihr letztjährig veröffentlichtes Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ diesen Jänner immerhin mit fünf Grammys honoriert und ist damit die erste Frau in der Geschichte der Preisverleihung, die die vier Hauptpreise „Best New Artist“, „Record of the Year“, „Album of the Year“ und „Song of the Year“ gleichzeitig gewonnen hat. Und: Sie ist die jüngste Preisträgerin der letztgenannten Kategorie überhaupt. Wenige Wochen später trat sie dann bei der 92. Verleihung der Oscars auf, stellte dort jedoch nicht wie erwartet ihren Beitrag zum neuen James-Bond-Abenteuer „Keine Zeit zu sterben“ vor, sondern gedachte mit Beatles’ „Yesterday“ der Verstorbenen der Filmbranche. Dennoch sei angemerkt: Eilish ist zwar nicht die erste, aber immerhin jüngste Frau, die einen Musiktitel zur lange Zeit ziemlich chauvinistischen Geheimagentenreihe beisteuern darf. Damit gelingt Eilish vor allem eins: Sie passt in den Zeitgeist, ist in einer Zeit, in der in den USA ein Präsident an der Macht ist, der gegen das Recht auf Abtreibung wettert, von zahlreichen Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt wird und sich für die Kohle- und Waffenindustrie statt für den Umweltschutz starkmacht, wie auch Greta Thunberg ein potenter Gegenpol. Sie ist eine Pionierin, wenn es um Repräsentanz von Frauen nicht nur in der Musikwelt, sondern überhaupt in der Welt geht. Zusammen mit Künstlerinnen wie Lizzo, die mit drei Grammys ausgezeichnet wurde, steht sie für eine Generation an Menschen, die unangepasst, divers und politisch sind, und auch für ihre eigenen Widersprüche einstehen.

Ist jetzt also die Zeit gekommen, endlich den Gendergap nicht nur im Makrokosmos der Entität, sondern auch im Mikrokosmos des Kunsttreibens zu schließen? Werden hinkünftig – siehe unsere Geschichte auf den Seiten 16 bis 18 der nächstwöchig erscheinenden !ticket-Ausgabe – mehr Künstlerinnen auf den Festivalplakaten zu finden sein? Nicht zwangsweise, wenn es nach der Britin La Roux geht: Frauen, so ihre Sicht der Dinge, werden nicht von Bühnen ferngehalten, weil sie weiblich sind. Sondern: weil sich weibliche Musik für manche Festivals, für gewisse Genres, nicht eignet – Rockmusik etwa lebt durch einen Testosteronüberschuss, ist reine maskuline Energie, die Frauen in der Form nicht ausstoßen. So sehr also Gleichberechtigung in der heutigen Zeit unumgänglich ist, ist es auch zu erkennen, dass Frauen und Männer „scheiße verschieden“ sind, wie es La Roux auf den Punkt bringt. „Wenn wir ewig so tun, als seien wir alle gleich, wird dieses Problem nie gelöst werden. Es geht nicht um Gleichberechtigung, sondern gerade um Unterschiede, um das Genre, um die Kultur und Bedürfnisse.“ Mic drop.

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