🇦🇹 Bloodsucking Zombies From Outer Space: Blut und Busen

Bloodsucking Zombies From Outer Space

Naturgemäß an Halloween erscheint mit „Shock Rock Rebels“ das neue Album von den Bloodsucking Zombies From Outer Space, begleitet von einer Reihe an Konzerten. Wir haben uns mit Sänger Dead „Richy“ Gein über seine Inspiration Horror unterhalten.

BZFOS-Frontmann Dead „Richy“ Gein macht es sich gerne daheim mit Schlachtorgien gemütlich. Foto: Björn Franck

Seit 20 Jahren treiben die Bloodsucking Zombies From Outer Space schon ihr Unwesen – eingebunden in ein Potpourri zwischen einem „Monster Mutant Boogie“ und einem „Mörder Blues“ erzählen die selbsternannten Shock-Rock-Rebellen wie auch schon Gruselpapst Alice Cooper vor ihnen allerlei Horrorgeschichten, treiben es bunt mit Zombies, Werwölfen und Skeletten. So auch auf ihrem mittlerweile zehnten Album, das eben auf „Shock Rock Rebels“ getauft wurde und einem jungen Cooper vermutlich die Tränen in die Augen getrieben hätte, wäre er dereinst auf jenes im Plattenladen gestoßen – ähnlich wie bei Sänger Dead „Richy“ Gein, als er als Knirps plötzlich die „Trash“ in den Händen hielt und das Taschengeld mit seinem Bruder Mr. Jim Evilize zusammenwerfen musste, um es tatsächlich das Eigen nennen zu können.

Seitdem ist viel Wasser die Donau hinabgeflossen, mittlerweile verfügt Dead „Richy“ Gein über Erwachsenengeld – und das Tolle an Erwachsenengeld ist, dass man sich, wenn man will, damit ordentlich viel „Scheiß“ kaufen kann, wie gerade Freundinnen gerne vorschnell über eine wohlfeil ausgesuchte Sammlung urteilen, bevor sie sich das 97 Paar Manolo Blahnik bestellen. Die Sammlung von Dead „Richy“ Gein zieht sich über 100 Quadratmeter Altbau und vom Klo bis hin zum Wohnzimmer, Schwerpunkt: Alice Cooper und Horror. Es finden sich diverseste Ton- und Tonbildträgerformate, Bücher, allerlei Figuren und Gimmicks, die nicht nur in ihrer beinah unüberschaubaren Anzahl, sondern gerade auch in der wohlfeilen Selektion und Anordnung verdeutlichen, wieso es den Zombies wie kaum jemand anders gelingt, sirenenhaft wie Hamelns Rattenfänger in einen Orbit zu entführen, in dem der bleckend geifernde, blubbernden Eiter säftelnde, miefiges Ödem verströmende Tod ein ständiger, aber irgendwie kumpelhafter Begleiter ist. Zu irgendwas muss es ja gut sein, wenn man sich als Künstler eine WG mit (aber)tausend Leichen teilt und sich so Inspirationen aus erster, wenngleich abgetrennter Hand holt.

Wir haben bei Dead „Richy“ Gein nachgebohrt – nicht mit dem Eispickel, dafür dem Diktiergerät.

Als ich mich in jugendlicher Adoleszenz noch in ständiger Obhut meiner Eltern befand, hinterfragten sie meinen Literatur-, Film- und Musikgeschmack des Öfteren angewidert, ob es denn wirklich Not tut, dass es da immer so grauslich zugeht. Die Frage stell ich nun auch dir.

Warum fährt man Hochschaubahn, warum mit einer Geisterbahn? Weil es genauso eine Lustbefriedigung wie etwas Schönes, Lustiges – zum Beispiel eine Komödie – ist. Was ich dafür nicht verstehe: Warum schaut man sich ein Drama an, warum schaut man sich etwas an, wo man weinen muss? Aber sich zu gruseln, mit Blut und Beuschel zu beschäftigen, was man natürlich im realen Leben nicht haben möchte, aber mit dem Sicherheitsgurt, dass es nur ein Film ist, finde ich völlig legitim.

Was war dein erster Horror-Film?

Das war „Landhaus der toten Seelen“ mit Oliver Reed. Ich war damals fünf oder sechs und habe das noch sehr schwer einschätzen können, was da passiert.

Wie bist du so früh auf die grausliche Bahn abgedriftet?

Ich weiß es nicht. Aber meine Oma hat gern erzählt, dass ich immer schon nur Gruselgeschichten erzählt bekommen haben wollte. Jede Geisterbahn war magnetisch für mich – 10 Jahre lang bin ich mit meinen Eltern nach Italien auf Urlaub gefahren und im Lunapark war die das größte für mich. Fahren habe ich mich ganz am Anfang noch nicht getraut, aber allein schon das Davorstehen war magisch. Irgendwann habe ich dann sogar angefangen, mir im Keller meine eigene Geisterbahn zu bauen. Mein Glück war auch, dass ich ein Kind des Video-Booms bin: Aufbleiben durfte ich natürlich nicht so lange, aber meine Tante hat mir dann die ganzen Gruselfilme, die im ORF gelaufen sind, aufgenommen und ich habe sie mir am Nachmittag nach der Schule dann angeschaut.

Bei mir war es ähnlich: Nur dass ich keinen erwachsenen Handlanger hatte, sondern warten musste, bis meine Eltern schliefen und ich klammheimlich die spätnächtliche Wiederholung aufzeichnen konnte.

Ja, meine Tante war da total liberal, die hat sich nichts dabei gedacht. Meine Eltern waren eh arbeiten, die haben das so nicht mitbekommen (lacht). Lange Zeit ist das auch gut gegangen, ich habe so Filme wie „Poltergeist“ und „Der Weiße Hai“ gesehen – mit acht dann den „Exorzist“. Das war dann das erste Mal, wo ich mich dann so richtig gefürchtet habe. Der hat mich so zu Tode erschreckt, dass ich eine Woche gebraucht habe, um das zu verarbeiten. Darum ist das bis heute auch einer meiner Lieblingshorrorfilme.

Im Fasching hast du dich dann demnach wohl auch immer ordentlich hergerichtet?

Ja, aber ich habe nicht zwangsweise Fasching dafür gebraucht (lacht).

Gibt’s heute auch noch so Momente, wo es dich richtig herreißt?

Extrem-Splatter kann schon so richtig kranker Scheiß sein, da muss ich schon dafür aufgelegt sein. Teilweise widert es mich dann auch schon fast an. Aber als Sammler interessiert dich natürlich schon jeder neuer Schocker, gerade, wenn sie verboten sind – da muss man zumindest einmal reinschauen, „Slaughtered Vomit Dolls“ zum Beispiel. Aber teilweise hat das mit Horror schon nichts mehr zu tun, sondern befindet sich viel eher im Fetisch-Bereich. Ein Genuss ist das dann oft nicht, sondern eher ein Interesse an den Effekten und so.

Aber das Gruseln genieße ich immer – und das gelingt auch oft, nicht so leicht wie früher, aber doch.

Du hast bereits anklingen lassen, dass der „Exorzist“ einer deiner Lieblingshorrorfilme ist. Welche noch?

Der „Exorzist“ ist nicht nur im Horror-Genre, sondern generell ein wirklich, wirklich guter Film, wo alles passt und stimmt. „Suspiria“ von Dario Argento steht stellvertretend für die großartige Italo-Welle in den Siebzigern. Der erste Teil von „Evil Dead“ war für mich sehr prägend, den habe ich als Zehnjähriger gesehen. „Brainddead“ ist, finde ich, der Prototyp eines jeden Splatterfilms. Irre wichtig für mich war auch „Return of the Living Dead“, den habe ich mit 16 gesehen und das war gerade der Beginn meiner Punkphase – und da kam die Punk-Clique vom Friedhof und der Soundtrack gerade recht. Bis heute ist das für mich der Prototyp von einem Zombie-Spaßfilm und demnach vielleicht auch der Film, der am ehesten den Zugang zu den Bloodsucking Zombies From Outer Space reflektiert. „Night of the Living Dead“ hat meine sehr lange Liebe zu Zombiehorror losgetreten – die Fressszenen der Kannibalen haben mich als Kind auch sehr verstört und hat mein Faible für Filme wie „Cannibal Holocaust“ und „Cannibal Ferox“ begründet. Erwähnenswert ist auch die „Freitag der 13.“-Filmreihe – wenn ich da einen rauspicken müsste, dann wäre es der dritte Teil, weil es einer der blutigsten Teile ist und weil Jason da seine Hockeymaske bekommt. Ebenso die „Nightmare on Elm Street“-Reihe, da schwanke ich zwischen dem ersten und dritten Teil.

Hat Alice Cooper in seiner Nebenrolle als Freddys Adoptivvater den eher mauen sechsten Teil von „Nightmare on Elm Street“ retten können?

Für mich natürlich hundertprozentig (lacht)! Ich finde ihn auch nicht so schlecht, das waren halt die bitteren Neunziger mit diesen Videogame-Elementen, die heute eben altbacken wirken. Da habe ich übrigens das Tape mit einer 3D-Brille.

Nun aber zurück zu den besten Horrorfilmen, auch ohne Alice Cooper.

(lacht) „Dracula“ mit Christopher Lee muss ich stellvertretend für die Filme von Hammer Films nennen, die sind alle großartig. Britischer Gothic-Horror, das ist für mich Balsam für die Seele und oft ein typisches Sonntagnachmittagswohlfühlprogramm – einfach nur schön und märchenhaft, so wie für andere Menschen die „Sisi“-Filme. Und zu guter Letzt sei auch nicht vergessen auf den originalen „Texas Chainsaw Massacre“, der gerade für die Zeit, in der er rausgekommen ist, ein durch und durch grimmiger Film ist und auch mein Faible für True Crime losgetreten hat.

Du hast Michael Myers, Jason Voorhees und auch Freddy Krueger bereits erwähnt – Freddy hatte filmisch bereits das Vergnügen, gegen Jason zu kämpfen. Wer hätte im Celebrity Deathmatch unter deiner Regie den größten Wumms?

Ich glaube, eh auch Jason, weil er brachialer ist. Vom Coolnessfaktor her wäre mir Freddy aber lieber.

Neben Filmen hat Dead „Richy“ Gein wie jeder Nerd, der etwas auf sich hält, zahlreiche Sammlerobjekte – darunter ein Necronomicon und zahlreiche Leatherface- und Freddy-Figuren. Foto: Björn Franck

Welche Objekte machen deine Sammlung aus?

Natürlich die viele Dinge, die signiert sind – eines meiner tatsächlich wertvollsten Objekte ist ein von Vincent Price signiertes Buch. Persönlichen Wert haben auch einige Videokassetten – von „Zombies im Kaufhaus“ habe ich zum Beispiel das Marketing-Tape mit dem Fehlprint, von „Halloween“ habe ich einen Fehlprint, wo der Kürbis am Cover spiegelverkehrt drauf ist. Das ist halt schon ein bisschen nerdig auch. Und hängen tu ich natürlich an allem (lacht).

In der Musik heißt es oft: „Only Vinyl is real.“ – wie schaut es da beim Film aus? Immerhin finden sich nicht nur VHS bei dir in der Sammlung, sondern auch DVDs und gar BluRay?

In Punkto Nostalgie und Haptik ist natürlich die VHS am geilsten. Genau wie ich Vinyls wegen ihrer großen Covers liebe, liebe ich auch die Aufmachung von Kassetten. Artworks sind 50 Prozent der Miete. Ich bin oft stundenlang in Videotheken gestanden und habe mir die ganzen Cover angeschaut (lacht). Anfangs hatte ich ein Problem mit der Bildqualität von DVDs und BluRay, einfach weil sie bei den VHS schlechter war – viele Filme sind dann durchs Digitalisieren trashiger geworden, weil das Bild plötzlich zu klar und zu sauber war. Aber irgendwann habe dann schon deren Mehrwert entdeckt, auch weil dort immer das fette Bonusmaterial-Paket dabei ist. Da schlägt das Fanherz schon höher!

Weil du gerade die Artworks angesprochen hast: Es ist ja auch in der Musik so, dass das Motiv zumindest früher, wo man nicht alles vorab hören konnte, schon ein großer Kaufanreiz war. Was sind denn so die Filme, wo die Aufmachung sehr viel, der Film aber genau gar nichts verspricht?

(lacht) Eigentlich fast alle Filme von Jess Franco, oder auch „Die Rückkehr der Zombies“ von Andrea Bianchi. Aber das mag man dann auch irgendwie, weil das dann schon wieder dermaßen trashig ist, dass es schon wieder gut ist.

Wenn du einen Freibrief hättest: Mit welchem Objekt würdest du deine Sammlung gerne aufwerten?

Ich hätte gerne einen echten Totenschädel. Aber immerhin hatte ich einmal als Kind, im Bergwerk Museum Grünbach, einen echten Schrumpfkopf in der Hand. Aber der Totenschädel würde wirklich gut in meine Sammlung passen, immerhin habe ich schon ein echtes, eingelegtes Herz, ein ausgestopftes Krokodil, das meine Oma vor Jahren aus Kuba eingeschmuggelt hat, und eine ebenfalls ausgestopfte Fledermaus, die mir mal ein Fan geschenkt hat.

Echt ist der Totenschädel zwar nicht, passt aber trotzdem hervorragend in das Horror-Kabinett von Dead „Richy“ Gein. Foto: Björn Franck

Du hast zuvor mit Italien schon ein Land besonders exponiert. Man weiß auch, dass aus dem asiatischen Raum ziemlich kranker Scheiß kommt. Wie blaupausenhaft sind tatsächlich die einzelnen Länder und Kulturen?

In Asien hast du halt einen anderen Zugang zu dem Thema – da sind dafür Sachen verpönt, die bei uns ganz normal sind. Dort ist zwar jede Brustwarze verpixelt, aber wenn eine Frau in Zeitlupe in alle Einzelteile zerlegt wird, ist das völlig ok. Italien war dafür irrsinnig groß im Rip-Off eigentlich, aber mit sehr viel naivem Charme, der immer mitschwingt. Deutschland hat zur Jahrhundertwende mit „Nosferatu“ und „Das Kabinett des Dr. Caligari“ ja eigentlich einen der Grundstein für die Horror-Ästhetik gelegt, später dann mit den Jörg Buttgereit- und Olaf Ittenbach-Filmen auch einen wichtigen Teil der Subkultur-Szene eingenommen – „Violent Shit“, „The Burning Moon“ und gerade „Nekromantik“ waren schon überproportional gut. Auch einen Andreas Schnaas oder Andreas Bethmann hat man zu Recht gefeiert.

Schaust du eigentlich lieber im Kino, auf großer Leinwand, oder daheim?

Gern daheim und allein, ich mag da lieber keine Menschen um mich.

Außer, sie sind tot.

(lacht) Ich kann mich da nicht konzentrieren, wenn andere dabei sind. Ich brauche da auch kein Happening dabei – wenn ich einmal ins Kino gehe, sitze ich auch meistens möglichst allein in einer der ersten vier Reihen, wo ja sonst keiner sitzt, damit ich wirklich in den Film eintauchen kann. Aber auch zuhause schaue ich am liebsten allein – ich kann es gar nicht leiden, wenn man mich während des Films anredet oder wenn ich Reaktionen so wie ein nervöses Kichern von anderen merke, da bin ich dann sofort aus der Stimmung draußen. Ich bin halt auch am Land und ziemlich verschroben sozialisiert worden und habe schon als Kind das Wochenende allein mit meinen Videokassetten vor dem Fernseher verbracht, das hat sich bis heute gehalten. Ich brauche da auch kein Knabberzeug, Pizza oder gar Alkohol dazu – weil wenn ich mir einen Rausch antrinke, funktioniert ein Film erst recht nicht mehr.

Was war in Punkto Horror dein größter Fanboy-Moment?

Ich war damals auf der „Weekend of Hell“ eingeladen und habe da gemeinsam mit dem Martin Faltermeier, der auch unsere Videos macht, einen Stand gehabt – Sachen signiert und unsere Videos gezeigt. Als Gage hatte ich mir ausverhandelt, dass ich für Jeffrey Combs und John Carpenter, die auch beide als Gäste gebucht waren, ein Autogrammticket bekomme. Also stehe ich mit meinem „Halloween“-Fehldruck, den ich vorher erwähnt habe, in dieser unglaublich langen Schlange für John Carpenter an und erfahre irgendwann von einer Ordnerin, dass er keine mitgebrachten Dinge unterschreibt, sondern du nur vorgefertigte Autogrammkarten bekommst. Da war ich dann total angefressen und habe drauf geschissen. Eine Stunde später kommt er zufällig am Weg nach Draußen bei meinem Stand vorbei, bleibt interessiert stehen – und hat dann wirklich die VHS unterschrieben (lacht).

Geil war auch Jörg Buttgereit. „Nekromantik“, „Der Todesking“ und „Schramm“ fand ich unter all diesen Amateur-Horrorfilmen schon richtig, richtig gut. Bela B von den Ärzten hatte in den Achtzigern mal dieses „Nekromantik“-Shirt an und wie es damals so üblich war, habe ich an Buttgereit einen Fanbrief geschrieben, mit der Frage, ob und wo es dieses Shirt zu kaufen gibt. Und ich habe dann tatsächlich einen Antwortbrief bekommen, mit Autogrammkarte und gleich dem Shirt dabei – einfach mit dem Hinweis, ich möge doch einfach bitte nachträglich das Geld dafür überweisen (lacht). Das hat mit in der Subkultur ur getaugt – dieses Vertrauen und gegenseitige Unterstützen.

Viele der von dir bereits genannten Filme stammen aus den Achtzigern oder maximal frühen Neunzigern. War das das letzte wirklich gute Filmjahrzehnt?

Ich glaube, rückblickend wird da auch schon ein bisschen verklärt. Ich liebe die Achtziger hauptsächlich wegen der Nostalgie, weil es meine Kindheit war und ich dadurch einen heimeligen Bezug dazu habe. Aber gerade bei Horrorfilmen gab es in den Achtzigern eine Unmenge an Schund auch. In den Neunzigern war tatsächlich eine Durststrecke, da kam nicht viel Gescheites. Aber mit diesem Teenie-Horror und zahlreichen Remakes ist es dann ab den Nullerjahren tatsächlich wieder aufwärts gegangen, das Remake von „Texas Chainsaw Massacre“ fand ich richtig gut, auch den ersten Teil von der Neuverfilmung von Wes Cravens „The Hills Have Eyes“. Und seitdem kommen schon immer wieder richtig gute Horrorfilme heraus, sogar meiner Meinung nach Klassiker, die bestehen bleiben werden – die „Hostel“-Filme von Eli Roth, „Get Out“, „Hereditary“ oder „Midsommar“ zum Beispiel. Oder auch „Bone Tomahawk“ mit Kurt Russell – das beginnt als grimmiger, bitterer Western und kippt dann in „Cannibal Holocaust“-ähnliche Szenarien. Da denkst du dir schon oft: „Oida, what the fuck?!“

Wie gut oder schlecht sind die Rob Zombie-Remakes von „Halloween“?

Ich mag ihn als Typ und Musiker sehr gern, aber als Regisseur schrecklich überbewertet. Der erste Teil von „Halloween“ geht nach so halbwegs, der zweite war aber eine bodenlose Frechheit. Ja, „House of 1000 Corpses“ finde ich richtig gut, aber „31“ oder „Lords of Salem“ werden vermutlich kein zweites Mal mehr bei mir gespielt werden (lacht). Was man ihm aber zugestehen muss: Man merkt schon, dass er ein richtiger Fanboy auch ist und das Herz am rechten Fleck, ich will ihn also eigentlich mögen – aber es will halt mit seinem Talent nicht ganz so klappen …

Wenn man dir jetzt ordentlich Kohle auf den Tisch legen würde: Welchen Film würdest du drehen?

Ganz klar „Bloodsucking Zombies From Outer Space”, eine Rockoper angelehnt an „Return of the Living Dead” mit Ed Wood und Trash- und Extrem-Splatter-Elementen – also im Grunde all das, was ich mir in meinen Jahrzehnten an Nerdtum angesammelt habe (lacht).

2017 wart ihr als Band im Rahmen des SLASH Filmfestival Teil des Zombiewalks, und auch dieses Jahr findet das SLASH unter dem Motto „Mechanik frisst Organik“ statt – welche Filmempfehlungen würdest du dieses Jahr abgeben?

Für mich am interessantesten ist der Folk Horror-Schwerpunkt, auf das stehe ich extrem. Da zeigen sie unter anderem „Witchfinder General“ und „Blood on Satan’s Claw“, zu dem es auch einen Song von uns gibt. Was mich aber noch mehr interessiert, weil die Filme kenne ich ja schon: Sie zeigen mit „Woodlands Dark And Days Bewitched: A History Of Folk Horror“ auch eine Dokumentation zu dem Genre. Außerdem zeigen sie auch „Eyes Of Fire“ aus den Achtzigern – den gabs nie, weder auf VHS noch in den Kinos. Den muss ich mir auch unbedingt anschauen.

Das SLASH stellt sich dieses Jahr programmatisch die Frage, was geschieht, wenn die kühle, geometrische Welt der Maschine in einer High-Tech-Welt nach und nach jede Menschlichkeit unterdrückt. Welche Filme hättest du da noch ins ohnehin schon sehr reichhaltige Programm hinein kuratiert?

„Death Machine – Monster aus Stahl“, „M.A.R.K. 13“, „Die Klasse von 1999“ und vielleicht auch noch „Android of Notre Dame“ aus der „Guinea Pig“-Reihe.

Weil du zuvor die Teenie-Horrorfilme angesprochen hast: Im Horror hat man ja gern als rekurrierendes Element die dümmliche Blondine, die stets in den Kasten oder den Keller flüchtet, wo es fix kein Entkommen gibt. Wie sexistisch ist Horror?

Mit einem politisch korrekten Auge betrachtet, sehr. Aber es macht halt Spaß. Aber auch wenn mein politisches Bewusstsein ein anderes ist, suhle ich mich in der Exploitation: Busen und Blut sind schon geil! Andererseits darf man auch nicht die Rolle des „Final Girl“ vergessen, dass es gerade in den Slasher-Filmen eben nicht nur das Dummchen, sondern auch Heroinnen gibt – etwa bei „Nightmare on Elm Street“ oder bei den ersten beiden Teilen von „Freitag der 13.“ und „Halloween“. Aber klar, diese Filme werden für ein Publikum gemacht, die Sex und Gewalt sehen wollen – und vieles, was früher auch abseits der Kamera passiert ist, könnte und würde man heute nicht mehr machen: Der Linda Blair haben sie bei „Exorzist“ etwa Wirbeln ausgerenkt, weil sie das Bett so gebeutelt haben – und während sie im Nachthemd stundenlang dagelegen ist, das Zimmer auf Minusgrade runtergekühlt, damit sie diesen Atemhauch filmen können. Das war halt alte Schule und William Friedkin ohnehin ein Besessener (lacht).

Funktioniert bei dir auch die darüberliegende Stufe, also nicht Snuff, aber doch Splatter- und Zombiepornos?

Erotisierend finde ich das nicht, aber es hat schon einen Kuriositätenbonus – das gabs aber viel früher in den Siebzigern auch schon, wenn etwa Joe D‘Amato Hardcore-Sex-Szenen in seine Horrorfilme eingebaut hat. Wer jetzt aber genau die Zielgruppe von Filmen wie „Porn of the Dead“ ist, erschließt sich mir nicht ganz – beziehungsweise, ob ich sie verstehen will. Wixen die dann auch dazu? Das ist dann schon eine eigene Form von Fetisch.

Das breite Horror-Genre kann man ja in zig Unterkategorien einteilen – eine binäre Einteilung würde auf der einen Seite „Gewalt“ haben, auf der anderen „Atmosphäre“. Wo bist du daheim?

Sowohl als auch, aber phasenweise. Es gab schon eine Zeit in meinem Leben, da war ich sehr stark auf Splatter unterwegs – daran habe ich mich aber irgendwann daran sattgesehen. Mit Gewalt allein kann man mich nicht mehr kitzeln, weil irgendwann hast du eh schon alles gesehen. Aber selbst in atmosphärischen Filmen brauche ich schon die Gewaltspitzen, die einem Film das „ab 16“-Siegel verwehren (lacht).

Du hast zuvor deinen John Carpenter-Fanboy-Moment hervorgehoben, der ja bekanntlich für Filmmusiken verantwortlich zeichnet. Wie wichtig ist dir die Metaebene der Musik?

Die sammle ich natürlich auch, und ich bin ein großer Fan von orchestralem Score, aber auch von diesen ganzen Synthie-Geschichten. Da gibt’s ja vom Alex Wank, dem ehemaligen Pungent Stench-Schlagzeuger, das großartige Cineploit-Label, die einige auch sehr liebevoll aufgemachte Platten veröffentlichen. Und gerade was Dario Argento in seiner Hochphase gemacht hat, die Vermischung von einer Band wie Goblin, Orchesterscore und Heavy Metal, finde ich ganz, ganz großes Kino.

Was ist der beste Soundtrack?

Meine erste Soundtrack-CD war ein Best-of von den Hammer-Filmen, da ist von allen Klassikern von „Dracula“ bis „Frankenstein“ alles dabei. Das ist auch gleichzeitig mein größter Bezug zur Welt der Klassik, das kann ich mir super bei Kerzenschein und über Kopfhörer reinziehen. Aber weil ich ein immenser Fan von Goblin bin, würde ich am ehesten „Suspiria“ sagen – die spielen im Dezember eh auch live im Escape. Zum Thema Soundtracks gibt’s aber auch eine geile Geschichte: Den originalen Soundtrack zum „Exorzist“ hat der Ennio Morricone komponiert, aber Regisseur William Friedkin fand den so scheiße, dass er die Masterbänder vor seinen Augen aus dem Fenster geschmissen und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Mike Oldfields „Tubular Bells“ zum Soundtrack erklärt hat (lacht).

Was Musik mit Filmen, aber auch Computerspielen eint ist auch, dass ihnen oft vorgeworfen wird, dass sie reelle Gewalt fördern. Siehst du da Gefahren?

Nein. Die wenigsten Nerds sind gewalttätig. Für mich ist Horror ja auch eine gewisse Form von Katharsis – früher natürlich auch Mutproben, aber mich bringt das schon runter auch. Und ich als Nerd interessiere mich halt auch dafür, wie sie gewisse Effekte oder das Makeup hinbekommen haben – natürlich auch in Hinsicht, ob ich das vielleicht auch bei den Bloodsucking Zombies From Outer Space umsetzen kann.

Du bist bekanntlich und wiederholt erwähnt ein großer Fan von Alice Cooper – ein Musiker, der die Horror-Ästhetik und -Theatralik gekonnt auslebt. WASP oder Rob Zombie darf wohl auch nicht unerwähnt bleiben. Wo funktioniert bei dir die Überlappung noch perfekt?

Bei den Misfits natürlich, oder auch The Damned – die waren für mich ganz wichtig, weil ich wie auch Dave Vanian so ein Vampir-Fan war, nach Zombies meine zweite große Liebe. Aber auch Exhumed, Mortician, Macabre und Cannibal Corpse haben diesen Vibe extrem gut umgesetzt. Bei extremer, grindiger Musik ist es halt auch aufgelegt – spannend wird es dann, wenn solche Thematiken in poppiger oder fröhlicher Musik einfließen, so wie ich es mit den Zombies auch versuche.

Oder Ghost.

Stimmt. Die finde ich auch großartig.

Hast du eigentlich Alpträume?

Selten, aber doch. Meistens geht’s darin um so Home-Invasion-Momente, die mich dann wirklich verängstigen. Leider träume ich nie von Vampiren, Zombies und Werwölfen – das würde ich hingegen leiwand finden (lacht).

Ich bin Sammler, du bist Sammler, der heutige Interview-Fotograf ist Sammler – in meinem Freundeskreis besteht eine Sammlerwut hauptsächlich bei Männern, und bei Frauen stößt dies zumeist auf Unverständnis. Wieso?

Frauen geben halt für andere Sachen wie Gewand, Handtaschen und Kosmetika ihr Geld aus – und zwar vermutlich dieselbe Menge wie wir eben für Platten und Filme (lacht). Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch ein gewisses Kontingent seines Geldes für Nicht-Fixkosten ausgibt – die einen kaufen sich teure Autos oder fahren auf Karibikurlaub, ich kaufe mir eben permanent neue Filme. Mit diesen kleinen, aber ständigen Häppchen kann ich mir nicht nur einen Teil der kindlichen Freude bewahren, sondern auch in regelmäßigen Abständen immer wieder holen.

Üblicherweise stelle ich bei Interviews gerne die Frage, was einmal am Grabstein stehen soll. Aber bei dir lege ich noch eines drauf: Wenn dir ein natürlicher Tod verwehrt bleibt, wie möchtest du szenisch imposant gestorben werden?

Ich würde gerne von einer leicht bekleideten Vampirfrau aus „Brides of Dracula“ gebissen werden und am Grabstein soll dann ein Schildchen hängen mit: „Komme gleich wieder.“

„Shock Rock Rebels“ erscheint am 31. Oktober, am selben Tag spielen die Bloodsucking Zombies From Outer Space auch in der Wiener Arena, am 3. Dezember im Salzburger Mark, am 4. Dezember im Grazer Explosiv und am 11. Dezember in der Stadtwerkstatt Linz. Tickets für Wien sind bereits bei oeticket erhältlich.

Das SLASH Filmfestival läuft vom 23. September bis 3. Oktober im Stadtkino, Fimcasino, Metro Kinokulturhaus und schikaneder.

Wir verlosen drei CDS von „Shock Rock Rebels“.

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