Die Akte Duchovny

Es war eine Mischung aus Fadesse und Zufall, dass David Duchovny, gefeierter Star aus „Akte X“ und „Californication“, überhaupt zur Gitarre griff. Mittlerweile hat er sich eine respektable Zweitkarriere als Musiker aufgebaut.

David DuchovnyMit zwei „Golden Globes“ und der Paraderolle des Fox Mulder in „Akte X“ ist David Duchovny einer der bekanntesten TV-Stars unserer Tage. Doch was macht ein FBI Special Agent im Serien-Ruhestand? Er schreibt Bücher – und entdeckt im reschen Alter von 58 Jahren den Rock ’n‘ Roll als neues Karrierestandbein. Nach dem zweiten Album „Every Third Thought“ verschlägt es ihn am 12. Februar für ein Konzert in die Wiener Arena. !ticket erreichte den Patschenkino-Superstar und Neu-Rocker telefonisch in New York.

Stimmt es, dass du wirklich erst vor sieben Jahren zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand genommen hast?

David Duchovny: Ja, das kommt hin. Ich habe mir das selbst beigebracht – die einfachen Akkorde, genug, um Rock-Songs zu schreiben. Aber ich werde niemals ein guter Gitarrist sein.

Was bringt einen gefeierten TV-Star überhaupt dazu, ein Instrument in die Hand zu nehmen?

David Duchovny: Das wollte ich schon immer einmal versuchen. Als ich nichts zu tun hatte, wachte ich eines Morgens auf und sagte zu mir: Heute ist ein guter Tag um zu beginnen, Gitarre zu lernen. Und das in meinem Alter. Mein Sohn spielt ebenfalls und er ist ein toller Gitarrist.

Gab es schon ein Vater-Sohn-Duett?

David Duchovny: Nein, wir haben das schon versucht. Nur jedes Mal wenn ich bei ihm einsteigen will, hört er auf zu spielen. Aber schauen wir mal. Er hat einen großartigen Musikgeschmack, hört aktuelle Sachen genauso wie Songs, die ich selbst auch höre. Er hat sogar Titel aus den Sechzigern und Siebzigern aufgestöbert, die ich nicht kannte. Das ist cool.

Hättest du damals, im Jahr 2011, jemals davon geträumt, dass wir heute, sieben Jahre später, über dein zweites Studioalbum sprechen?

David Duchovny: Nein, denn als ich begann ein Instrument zu spielen, habe ich nicht im Geringsten daran gedacht, eines Tages live aufzutreten oder Songs zu schreiben. Meine Motivation war ursprünglich … Als Schauspieler hast du am Set viel freie Zeit und du sitzt in einem Wohnwagen herum. Statt zwischen den Einstellungen zu lesen oder zu schlafen, griff ich zur Gitarre um mir die Zeit zu vertreiben. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals einen Song schreiben oder auf Tour gehen würde.

Wann war der Moment, als du das Stadium des Hobbymusikers verlassen hast?

David Duchovny: Nach einem Jahr Gitarrespielen suchte ich im Internet nach Liedern die ich mag und die ich nachspielen könnte. Ich wählte natürlich die einfachsten Sachen mit fünf, sechs Akkorden aus, einfachen Rock ’n‘ Roll. Ich kam‘ darauf, dass es ziemlich viele Wiederholungen von Akkorden gibt und es nur darauf ankommt, eine Melodie darüber zu legen und einen Text zu schreiben. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich Worte zu einer Melodie finden würde. Also habe ich mir zuerst eine Akkordfolge zurecht gelegt die ich mochte, die sehr nach einem Bob Dylan-Song klang, den ich zu dieser Zeit ständig hörte. Nur die Melodie war anders und der Text kam dazu. Auf einmal fiel mir auf: Wow, ich habe ja einen Song geschrieben! Also machte ich einfach weiter und begann mit einem Musiker die Sachen in seiner Garage aufzunehmen, eigentlich nur für mich selbst. Daraus entstand die Idee eines Charity-Albums, nur zum Spaß. Aber mein Freund meinte, dass die Songs ganz eigenständig wären und wir doch ein reguläres Album einspielen sollten. Damit hat er mich ganz schön in die Scheiße geritten.

Du bedienst unterschiedliche Genres, hast Balladen und beinahe Hard Rock auf dem Album …

David Duchovny: Das war auf dem Weg vom Instrument-Lernen zum Recording Artist interessant zu beobachten, dass Folk, Country, Rock, Hardrock und sogar Funk eigentlich erst durch die Produktion entsteht. Alle Stile benutzen ähnliche Akkordfolgen, es hängt nur von der Melodie und den Texten ab, in welche Richtung es geht. Alle meine Songs beginnen mit mir und der Gitarre. Erst wenn ich meine Band dazu hole, entsteht der Charakter. Manchmal möchte ich einen Fleetwood Mac-Touch oder das Track „Positively Madison Avenue“ wurde zu einem Neil Young-Rock-Song, beinahe Hardrock. Im Grunde bleiben die Songs trotzdem Folk-Rock-Gitarren-Stücke, Singer-Songwriter-Style. Mein Geschmack geht aber darüber hinaus. Im Studio setzen wir dann den Sound um, den ich mir zum jeweiligen Song vorstelle.

Du stehst auf verzerrte Gitarren, das ist unüberhörbar.

David Duchovny: (lacht) Ich bin ein Kind der Sechziger …

Hast du ein Problem, wenn ich deine Stimme irgendwo zwischen Bob Dylan und Lou Reed einordne?

David Duchovny: Nein, überhaupt nicht, ich mag die beiden sogar sehr. Ich weiß, dass meine Stimme niemals bei „The Voice“ oder „American Idol“ gewinnen könnte, aber ich habe hart an ihr gearbeitet. Darunter hat die Gitarre gelitten. Als feststand, dass ich ein Album aufnehmen oder eventuell sogar live auftreten soll, musste ich zuerst an meiner Stimme arbeiten. Ich wollte im Studio nicht einzelne Gesangsfetzen aufnehmen und dann im Computer zusammensetzen, sondern ich wollte ein echter Sänger werden. Das war der Anspruch. Ich musste lernen mit dem umzugehen, was ich habe. Ich meine, ich bin nicht als genialer Sänger geboren worden. Belassen wir es dabei. Seither singe ich beinahe jeden Tag, mache meine Gesangsübungen. Dabei hat mein Gitarrespiel ein bisschen abgebaut.

Wie wichtig ist es, dass du alle Texte selbst schreibst?

David Duchovny: Es ist eigentlich gar nicht so wichtig. Ich bin ein großer Musik-Fan und ein Fan guter Texter, und ich spiele gerne Covers. Manchmal fühlt es sich seltsam an, sich in die Stimmung oder Gefühlslage des Originalinterpreten hineinzuversetzen. Das ist bei eigenen Stücken natürlich ganz anders. Aber meine Band darf im Studio auch bei meinen Texten mitreden und Änderungen vorschlagen. Ich bin nicht einer, der auf jedes seiner Kommas besteht.

Du bist als Schauspieler weitaus bekannter als als Musiker. Stört es dich, wenn Fans zu Konzerten kommen, nur um Fox Mulder live zu sehen?

David Duchovny: Nein, denn Fans sehen das am Beginn vielleicht so. Ich hoffe, dass sie dann auch meine Musik beurteilen können, naja, sie müssen sie sich ja anhören. Über Musik kann man nicht streiten, entweder du magst einen Song oder nicht. Ob es die „X-Files“ sind oder „Californication“, die die Menschen zu meinen Konzerten bringen, liegt sowieso nicht in meiner Hand. Es ist aber auf jeden Fall ein Vorteil. Es gibt nicht viele Typen da draußen, die in meinem Alter noch eine Karriere im Rock-Biz starten können.

Neben der Schauspielerei und der Musik hast du mehrere Bücher geschrieben. Hast du derart viel kreative Energie? Wann kommt die Malerei dazu?

David Duchovny: Niemals Malerei! Ich mache zwar meine eigenen Storyboards, wenn ich Regie führe, aber sogar diese Figuren sind schlecht gezeichnet. Also niemals Malerei. Für mich sind das alles nur Werkzeuge um mich auszudrücken und herauszuholen, was in mir steckt. Natürlich beeinflusst das Werkzeug auch das Ergebnis, denn es ist etwas anderes, einen Songtext oder ein Gedicht zu schreiben. Oder Prosa. Schauspielern ist anders als Singen, aber da gibt es Gemeinsamkeiten.

Zum einen hast du familiäre Wurzeln in der Ukraine, zum anderen einen jüdischen Background. Blickst du besorgt in die Zukunft, wenn man sich die politischen Entwicklungen in der Welt und den USA ansieht?

David Duchovny: Klar mache ich mir Sorgen. Ich habe eine tiefe Abneigung gegenüber unseren Präsidenten und gegen sein ungerechtfertigtes Kabinett. Ich bin besorgt wegen seinen Verbindungen zu Putin, ich bin besorgt wegen Putin. Ich mache mir Sorgen um die Ukraine, eigentlich über alles. Die Wiedererstarkung des Antisemitismus, der in der Geschichte der Menschheit in regelmäßigen Abständen erscheint. Und weil ich mir Sorgen mache, leiste ich Widerstand. Ich glaube daran, dass die Menschlichkeit und die Kraft der Liebe am Ende gewinnen werden.

David Duchovny gastiert am 12. Februar in der Arena Wien. Tickets gibt es bei oeticket.com.